Dienstag, 25. April, 2006 at 11:48 Uhr vormittags
(Rezensionen, Rock)
An dieser Stelle können wir sicher schon einmal den Preis für das Album mit dem besten Titel des Jahres verleihen: Bang Bang Rock n Roll ist gekonnt inszenierter Blödsinn auf Basis eines naiv-seriösen Anspruchs, eine upper class-Produktion mit unterhaltsamen Reim-Desastern („ill“ reimt sich auf „pill“, „on a beach out of reach“, jaja …) und plakativen Lyrics mit Shirtaufdruck-Qualitäten („Popular Culture no longer applies to me“.) Wie ein Gespräch mit einem ungeliebten Bekannten drängen Art Brut die Songs dem Hörer auf, ungefragt erzählen sie von sich selbst (Formed a Band), unerfüllter Liebe (Emily Kane) oder persönlichen Vorlieben (Modern Art). Aber sie berichten nicht nur von der neuen Freundin (Good Weekend), sondern stellen gleich mal fest: „I saw her naked, twice!“ „Talking to the kids“ nennen sie das (Formed a band) und man möchte ihnen aus der Ferne vor Vergnügen applaudieren.
Art Brut haben mit Bang Bang Rock n Roll das Geschichtenerzählen sicher nicht neu erfunden und es stellt sich die Frage, ob sich dieser egozentrische Stil nicht irgendwann einmal totläuft. Man kann nicht bei jedem Durchlauf über denselben Witz lachen. Für den Moment ist dieses Album aber ganz große Unterhaltung, die schnellstens nach einer Zugabe verlangt.
Mittwoch, 19. April, 2006 at 9:14 Uhr nachmittags
(Rezensionen)
‚Come on – do you hear the illi-noise?’ Allein für dieses Wortspiel gehört Sufjan Stevens geliebt. Er, dieser exzentrische, liebevoll verspinnte Träumer, seines Zeichens Songwriter aus den USA, ist ganz eindeutig der Newcomer des Jahres. So wurde er nicht nur von nahezu jedem Musikmagazin, sondern auch von den einschlägigen Feuilletons hochgejubelt. Dies sollte skeptisch stimmen oder stimmen. Dass selbst ein alter Skeptiker, wie meiner einer sich für letzteres entscheidet, sollte jedoch überzeugen. Was macht Sufjan Stevens so besonders? Vielleicht ist es neben der schier unglaublichen Vielfalt des sufjanschen Songwritervermögens, die ganz seltene Kunst auf durch und durch bescheidene Art und Weise opulent zu klingen. Sufjan gelingt es mit seinen Songs ganz eigene, dicht-atmosphärische Songwelten, ja fast schon kleine Universen, zu erschaffen. So etwas hat es schon lange nicht mehr gegeben. Nur noch dunkel erinnert man sich an die alten Genesis (mit Peter Gabriel), die unbekannteren Van der Graf Generator oder auch King Crimson zu ihren besten Zeiten. Irgendwo hier schließt Sufjan an – ohne jedoch auch nur einen Moment lang schwülstig oder verschwurbelt zu klingen. Zwar wäre es missverständlich seinen Klang modern zu nennen, noch missverständlicher wäre es jedoch ihm einen altmodischen Sound zuzuschreiben. Fast ist man versucht die alte Fabel von der Zeitlosigkeit hervorzukramen. Dass diese Scheibe die zweite CD eines Jahrhundertprojekts ist – nämlich zu jedem Bundesstaat der USA ein Album zu kreieren – dieser irrwitzige Fakt sein nur vollständigkeitshalber am Ende und somit am Rande erwähnt.
Mittwoch, 19. April, 2006 at 9:09 Uhr nachmittags
(Pop, Rezensionen)
(Indie-Pop) So richtig Popular waren die Herren um Frontmann Matthew Caws ja nie wirklich, trotz aller gut gemeinten Versuche sich in die Ohren und Herzen der Poprockpunkirgendwas-Gemeinde (oder isses doch vielleicht das böse Wort?) mittels High/Low und The Proximity Effect zu spielen. Und eines sei auch hier mit Sicherheit gesagt: Sie werden es wieder nicht schaffen. Und auch diesmal liegt es wieder nicht an der Qualität des vorhandenen Materials – das ist durchweg gut. Nein, was Nada Surf fehlt ist einerseits eine gewisse Weezerness; die Lieder bohren sich nicht so penetrant in den Gehörgang. Andererseits mangelt es an herzerweichenden Melodien a la Jimmy Eat World. Nada Surf klingt irgendwie … ja, wie eigentlich? Wie Nada Surf, aber anders. Diesmal zumindest. Alles ist ein bisschen ruhiger, schöner, abwechslungsreicher, besser. Da haben wir die üblichen Uptemo-Nummern, einen Pseudo-Discotizer, einen Song über Fruchtfliegen (ja, wirklich!), eine Ode an Bob Dylan und natürlich Zucker-Herzschmerz-Songs. Wäre ich jetzt Verkäufer bei QVC, dann würde ich dieses Schmuckstück wahrscheinlich zu einem Hammer-Mega-Preis im Paket mit der Gartenkralle anbieten, die Anschaffung lohnt sich aber auch so.