Propagandhi - Potemkin City Limits

Seit über zehn Jahren und nunmehr fünf Alben sind Propagandhi moralisches Gewissen und musikalisches Aushängeschild des politischen Hardcores. Die Alben der drei Kanadier zeichneten sich stets dadurch aus, dass sie trotz aller festen musikalischen und politischen Verwurzelung in der Old School Philosophie Platz für Entwicklungen boten und dazu eine Bereitschaft aufwiesen den Hörer zu fordern, ihm aber gleichzeitig den Raum zum Atmen und für eigene Denkleistungen zu gewähren - und nun ja, zum Tanzen.
Leider hat die Verwendung des Präteritum im vorherigen Satz seine Berechtigung. Diese Berechtigung hört auf den Namen Potemkin City Limits. Zugegebenermaßen, plakativ waren Propagandhi schon immer, aber noch nie ähnelten ihre Slogans so sehr denen von Bands, die sich im Angesicht der häßlichen Realität der Bushregierung genötigt sehen für fünf Minuten politisch zu werden. Und was mindestens genau so schlimm ist: noch nie näherte sich ihre Musik so sehr dem Schema F des Hardcore/Postcore Kanons an. Die vor sich hin bretternden Rythmen und überraschend monoton gesungen-geschrienen Vocals mögen einen als geneigtem Hörer zum gepflegten Headbangen oder zumindest Fußwippen inspirieren, alle jene, die allerdings nach mehr suchen als einer nicht schlecht produzierten, solide gespielten Genre-Platte, werden Potemkin City Limits kaum ohne ein leichtes Gefühl der Enttäuschung hören können.
Wir erinnern uns oder stellen uns die bedeutendsten Momente dieser Band vor: man klappt zum Beispiel die Hülle von Propagandhis Less Talk, More Rock CD auf, und schon springt einen die Band - verkleidet in ihr Medium den kleinen Silberling - förmlich an und intoniert ihre Weltansicht: “anti-fascist, pro-feminist, gay-positive, animal-friendly”. Direkter hat man das selten ohne jeglichen Pathos gehört, nie war komplette Ironielosigkeit so angenehm. Und dann diese Songs, die so herrlich zwischen Wut, Reflexion und Motivation schwanken, die das Politische im Persönlichen suchen und dabei in jedem Ton musikalisch und hörenswert sind, und dies nicht nur für die Hardcore und Punk Klientel, sondern für jeden Menschen, der intelligente Rockmusik liebt. Das ist was Propagandhi stets ausmachte und was man bei Potemkin City Limits zu sehr vermisst, auch wenn es bei weitem kein schlechtes Album ist. Was ihm fehlt ist die Dringlichkeit, die Musikalität, die Spannung und Differenziertheit, die Propagandhi immer zu so viel mehr machte als zu einer weiteren politischen Hardcoreband. Trotz allem: diese Band ist groß. Das Präsens im letzten Satz hat noch immer seine Berechtigung. Ich hoffe ihr nächstes Album wird dies erneut beweisen.
S. Ilona Rieke
Offizielle Homepage:
http://www.propagandhi.com/
Free Song Download:
Propagandhi - Potemkin City Limits