Fat Freddys Drop - Based on a True Story

Montag, 28. August, 2006 at 2:29 Uhr nachmittags (Electronic, Rezensionen)

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Langsam, schleichend, erst Beat, scheinbar aus dem Nichts kommend, dann Gitarre, dann Vocals, Saxophon. So spannend, so mitreißend, mal gefühlvoll melodisch mal jump-up, skankin’…Verdammt, was ist das? Muss haben! Kiwi sound! Hi-Tek-Soul-Groove, wie sie es selber nennen. Ein Werk welches das Prädikat „melodischer Hochgenuss“ verdient hat, ganz gleich ob es sich hier nun um ersteres, zweiteres, Soul, Ska, Dub oder gar Elektropop handelt, ist es definitiv: Based On a True Story – das Album, das sich derzeit ganz vorne in der Reihe Kiwi-Sound, deines hoffentlich um die Ecke gelegenen Plattenladens finden lässt. Falls er eine solche Rubrik noch nicht führt, wirf ihm diese Schlampigkeit doch einfach mal vor. Immerhin hat das Inselchen östlich von Australien bereits einige smoothe Reggae- und Funkbands geboren: The Black Seeds oder Trinity Roots wären da u.a. zu nennen. Nicht nur die Musik auf Based On a True Story scheint die selbe Luft wie ihre Vorgänger zu atmen, kein Wunder, es sind teils auch die selben Musiker die sich hier zu Fat Freddys Drop zusammengetan haben. Während Producer DJ Mu a.k.a. Fitchie und Sänger Dallas Tamaira a.k.a. Joe Dukie sich mit Midnight Morauders 2002 bereits das erste mal international bemerkbar gemacht haben, ist es für die siebenköpfige Band die seit 2001 jammed und tüftelt, spätestens seit Ende Juli höchste Zeit auch in Deutschland wahrgenommen zu werden.
„I see the rain come down, while the sun is shining“, hört man da in Cay Cray’s und das wechselhafte Wetter scheint ihnen gut zu bekommen. Selbst beim fünften Mal hören, bleibt das Album aufregend. Groovige Basslines, eine bemerkenswerte warme Stimme und mir-nichts-dir-nichts-horns bilden eine Erfolg versprechende Basis für die verschiedenen Motive und Stimmungen der meisten Tracks. This Room sorgt mit sehr akzentuiertem Beat, mal abwechselnd, mal gleichzeitig kombiniert mit funky Bläsersätzen und der schlussendlichen und freudig wiederholten Einsicht „I wanna love, I don’t wanna fight, yeah, yeah.“ einfach für gute Laune. Auch Roady, mit dem fröhlich-naiven weiblichen Feature und dem Rap am Ende oder das ruhige, einfühlsame, gitarrenorientierte Dark Days überzeugen in ihrer abgerundeten Vielschichtigkeit. Aber nach Höhepunkten unter den im Schnitt sieben Minuten langen Stücken zu suchen ist unnötig, impliziert doch jedes Lied bereits ihrer so viele.
Also nichts wie in den erwähnten Laden und schauen, was sich machen lässt. Aber hey, easy, locker bleiben. Das legt uns zumindest die nach Fat Freddys Katze aus der amerikanischen Serie “The Fabulous Fury Freak Brothers” benannte Crew wärmstens ans Herz. Wenn der Plattenladenbesitzer stur bleibt, du es nicht auf ein Konzert schaffst, und das Internet diesen Sommer deine einzige Surfmöglichkeit bleibt, ist als Trost immer noch Radio Fitchie zu empfehlen: http://ffd.media.planets.co.nz/radioFitchie/radiofitchie_play.php

Juri Morasch
Offizielle Homepage:
http://www.fatfreddysdrop.com

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Dendemann - Die Pfütze des Eisbergs

Montag, 28. August, 2006 at 1:07 Uhr nachmittags (Hip Hop, Rezensionen)

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Deutschland, Land der Dichter und Denker. Lang, lang schien es her zu sein, seit den goldenen Zeiten. Dann kam einer, der auch Goethe und Schiller noch etwas in Sachen Wortgewandtheit beibringen könnte. Einer, der das Potential der deutschen Sprache voll ausschöpfte, seinem Publikum mit Wortspielereien die Freudentränen in die Augen trieb und mit seinem DJ Rabauke auf jazzige Beats legte. Daniel Larusso, Volka Racho, Dendelisten Smith oder Dendemann. Um Künstlernamen war der Mann nie verlegen und auch nicht um seine große Klappe.
Doch dann kam das Ende von EinsZwo, Rabauke widmete sich der Housemukke und Dende entschloss sich für eine Solokarriere.
Das ist nun mittlerweile schon ein paar Jahre her und in der Zwischenzeit gab es nur die Das Schweigen Dilemma-Ep als Lebenszeichen und viele befürchteten schon, dass das geplante Album wohl nie verwirklicht werden würde.
Zum Glück kam es aber nie so weit und wir können jetzt in der Pfütze des Eisbergs baden.
Dass der Zahn der Zeit auch an Dende nagt, zeigt sich an seiner Stimme. Früher schon reibeisenartig, tendiert sie heute eher in Richtung Frank Zander. Wie schon bei den Blumentopf Auftritten zur WM denkt man sich auch hier: „Mann, Mann, der Typ ist alt geworden.”
Aber das soll hier nichts schlechtes heissen.
Es führt einem nur vor Augen, wie lange die glorreichen Sport-Zeiten schon her sind.
Die auffälligste Veränderung haben Dendes Beats durchgemacht. Früher samplebasiert und jazzig sind sie heute eher synthielastig und von Gesangseinlagen geprägt. So z.B. bei der ersten Single 3,5 Minuten, in der Dende seinem Herzschmerz freien Lauf lässt und im Video aufs beste D’Angelo parodiert.

ErsoIchso ist eine coole Fortsetzung der Geschichte von IchsoErso. Der Beat wurde von Rabauke auf neu geeicht und der Text knüpft perfekt an den Vorgänger an.
Dendes Wortspielereien bleiben natürlich seine starke Seite und Vocalsamples von Toni L., Max Herre und anderen Grössen des Deutschrap sorgen für das richtige Ambiente. Denn wie sagt Dende selbst:„Mit Dendelisten kann man ehrlich reminiscen.“
Leider befinden sich auch drei, vier schwächere Tracks auf dem Album und einer oder zwei, die live wohl besser kommen als auf Platte. Leider liegt mir lediglich eine Promoversion vor, das Album soll dann doch noch um ein paar Songs bereichert werden.
Wenn es so bleibt, wie es jetzt ist, ist es auf jeden Fall ein cooles Album mit Deutschrapflair der guten Tage.
Das nächste Album wird dann wahrscheinlich ein Bluesalbum.

Thomas Mader

Offizielle Homepage:
http://www.dendemann.de/

Free Song Download:
Dendemann - Ersoichso

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Keith Caputo - Hearts Blood on Your Dawn

Montag, 28. August, 2006 at 11:43 Uhr vormittags (Rezensionen, Rock)

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Der ewig Unverstandene versucht zum zweiten Mal, sich der Öffentlichkeit mitzuteilen. Dieses Mal hat er zwar ein kleineres Publikum, dafür aber eine hoffnungsvolle Botschaft.

Sein erstes Soloalbum war vor allem auch durch die Vorgaben der Plattenfirma geprägt, sagt Keith Caputo. Auch auf Died Laughing wurde schon Caputo-esk gelitten, besonders an sich selbst, doch war die Platte sauberer und glatter produziert als Hearts blood on your dawn. Daher liegt der leicht ungeschliffene Klang des Zweitwerks wohl an der Abwesenheit einer sich einmischenden Plattenfirma: Nach seinem Rauswurf und dem diverser anderer Bands und Künstler “aus finanziellen Gründen” wandelte sich Keith Caputo zum Selfmademan: er leierte nicht nur die Produktion allein an, sondern übernimmt auch persönlich den Vertrieb - das Album bekommt man nur über seine Website oder nach Auftritten vom Künstler selbst in die Hand gedrückt, wer möchte darf sich noch ein Autogramm abholen.

Musikalisch - und darum geht es schließlich - hat Caputo seine Mannschaft verstärkt, der eher simpel arrangierte Sound von Died Laughing ist hier überhaupt nicht zu finden. Wenn man einen Anhaltspunkt sucht, sollte man sich an Life of Agony wenden. Die Stimmung ist düster, textlich befinden wir uns zwischen “pain”, “kill myself” und “nobody understands me” mit der unausweichlichen Adresse an seine Mutter. Doch dann, wenn man schon ein Häkchen hinter “typisch Caputo” machen möchte, ein Licht am Ende des Tunnels! Die Melodien! Das Arrangement! Das alles verheißt seltsame Hoffnung, Caputo singt davon, wie er weint und man sieht ihn dabei trotzdem lächeln. “have no fear” singt er da tatsächlich (Monkey)! Hymnenartig schwingen sie sich auf, die Gitarren, raus aus dunklem Drogen-Moll und hinauf zu den Dur-Gefilden des Künstlers, der fast schon mit sich selbst im Reinen ist. Aber auch nur fast. Ganz ehrlich, sonst wäre es kein echter Caputo.

Anna Plecher

Offizielle Homepage:
http://www.keithcaputo.com/

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The Sounds - Dying to say this to you

Montag, 28. August, 2006 at 7:51 Uhr vormittags (Rezensionen, Rock)

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Vier Jahre ist es jetzt her, dass die aus Schweden stammenden The Sounds mit ihrem Debut Living in America einen Tribut an ihre Vorbilder - vor allem Blondie – der 80er abgeliefert haben. Ein modernes New Wave-Punk Album, dem man vorwerfen konnte an so mancher Stelle ein wenig zu kränkeln, z.B. an der teilweise doch recht schwachen Stimme von Sängerin Maja Ivarsson. Nichtsdestotrotz strotzt die Scheibe vor kurzweiligen Songs, die einfach nur Spaß machen.

Inzwischen haben die Sounds einen Haufen Erfolg, haben Shows im Vorprogramm vom bekennenden Fan Dave Grohl mit den Foo Fighters gespielt, Quentin Tarantino und Pharell Williams lieben die Sounds und auf dem Cover zu Dying to say this to you prangt MisShapes DJ Leigh Lezark, die die Nipple Doorbell mit einer Freundin exerziert. An prominenter Unterstützung mangelt es also nicht.

Was ist nun mit dem Sound der Sounds? - Eigentlich alles wie gehabt. Die Gitarren dröhnen und die Synthies kreischen. Eine musikalische Offenbarung ist Dying to say this to you wahrlich nicht. Im Gegensatz zum Vorgänger wirkt die Scheibe allerdings ein wenig glatt gebügelter und auch das Problem der dünnen Stimme wurde von Produktionsseite, so gut es ging, bereinigt. Reicht das um diese CD für die heimische Plattensammlung zu empfehlen? – Auf jeden Fall.

Dying to say this to you ist musikalisches Blockbusterkino. Kein Album, das einem lange im Gedächtnis bleibt, aber während des Hörens durchaus in seinen Bann zieht und eine gewisse Freude auslöst, wenn der DJ in einem Club sich dazu entschließt mal wieder Painted by Numbers zu spielen, welches wohl auch der einzige Song ist, den man an dieser Stelle hervorheben muss. Der Rest geht gefällig, mal langsam, mal schneller, ohne Höhepunkte aber auch ohne Niederschläge seinen Gang.

Anscheinend haben es sich die Sounds zum Motto gemacht kurzweilige Alben zu produzieren. Macht aber gar nichts, denn diesen Sommer haben sie mit Dying to say this to you auf jeden Fall für ein paar Momente bereichert. Musik muss ja nicht immer für die Ewigkeit sein.

Jean-Christophe Bocquier

Offizielle Homepage:
http://www.the-sounds.com/

Free Song Download:
The Sounds - Painted by Numbers

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Keane - Under The Iron Sea

Sonntag, 27. August, 2006 at 2:58 Uhr nachmittags (Pop, Rezensionen)

Wo sind all die schönen Ohrwürmer hin? Keane, schon ein Verkaufsschlager des zeitgenössischen Britpop, wollten sich anscheinend weiter entwickeln und nicht nur ständig diese romantisch verträumten Balladen schreiben, die sich im Handumdrehen mitsingen ließen. Auf ihrem neuen Album muss man schon öfter (sagen wir: zweimal) hinhören, um es ausköstigen zu können. Das ist zwar keine Heldentat und deshalb auch längst kein „Rush of Blood to the Head“, aber immerhin ein begrüßenswerter Ansatz nach der erschöpfenden Melodieseligkeit von Hopes and Fears.

Auf Under The Iron Sea halten sich Fehler und Gelingen ganz charmant die Waage. Man erkennt schon ein wenig „Reife“ in dem Bemühen, dieses Mal doch ein ganzes Album aufzunehmen, und nicht nur eine Ansammlung von Singles. Mit Atlantic etwa findet sich ein richtig atmosphärischer Einleitungstrack an. Und das wunderbare, zudem gelungen dramatische dritte Stück Nothing In My Way ist derart clever platziert, dass der rockende U2-Verschnitt, an den es anknüpft, im Nachhinein Sinn erhält. Balladen und durchaus verspieltere, fröhlichere Stücke reichen sich hier und da die Hand und sorgen für einen größeren Abwechslungsreichtum als auf dem Debütalbum.

Ansonsten: Müßiggänge in alle Himmelsrichtungen. Vieles wirkt da noch ein bisschen jünglich naiv, was die Band hier ausprobiert. Etwa der leichte Jazzrhythmus von Broken Toy: geschmeidig, aber selbstgenügsam. Beschwingte Rhythmen wie in Leaving So Soon? hätte man von Keane wohl ebenfalls nicht erwartet, und bei Put It Behind You gehen sie dann auch gleich in die Hose. Eine weitere Ärgerlichkeit ist das platte Crystal Ball, das versucht Coldplay zu covern und natürlich eine Single sein will. Zu einfach sollten es sich Keane wirklich nicht machen! Von daher ist die Grundidee des Albums gut; die einzelnen Songs fallen aber öfters auf durchschaubare Muster zurück, ohne an die Schönheiten des Vorgängeralbums heranzureichen. Ist demnach die anklingende Entwicklung der Band vielleicht nur eine Flucht nach vorne? Gibt es keine schönen Ohrwürmer mehr im Keane-Universum? Abwarten. Es wäre nicht das erste Mal, dass Songschreibern der Initialzündstoff ausgeht. Aber auf der Basis von Under The Iron Sea lassen sich Keane weder abschreiben noch in den Himmel hieven.

Henning Baucke

Offizielle Homepage:
http://www.keanemusic.com

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Johnny Cash - Personal File

Samstag, 26. August, 2006 at 1:29 Uhr nachmittags (Rezensionen, Rock)

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Werden auch nach dem Tode eines Künstlers weitere Alben herausgebracht, scheint Skepsis eine angemessene Erwartungshaltung zu sein. Stücke, die zu dessen Lebzeiten mit guten Grund niemals veröffentlicht wurden, sollen plötzlich das große Vermächtnis einer Legende sein. Das Jahr ist noch längst nicht vorbei, und es sind bereits zwei Johnny-Cash-Alben (Personal File und American V – A Hundred Highways) und eine -DVD (Man In Black: Live In Denmark 1971) erschienen. Das riecht nach großem „sell-out“.
Umso erfreulicher ist es, beim Hören von Personal File festzustellen, dass die Befürchtungen nicht bestätigt werden. Im Gegenteil, man darf Cashs Sohn dankbar sein, der die Kisten mit Hunderten von Tapes fand. Gleiches gilt für Gregg Geller, der bereits Legend zusammenstellte und nun das neuentdeckte Material des King Of Country sichtete. Herausgekommen ist ein Doppel-Album, das hält, was sein Titel verspricht. Seine Intimität kommt vor allem dadurch zustande, dass es außer Johnny Cashs Stimme und seiner Acoustic-Gitarre keine weiteren Instrumente gibt. Sie rührt aber auch daher, dass die Lieder kleine Geschichten sind, die er vereinzelt wiederum mit Anekdoten einleitet. Auf der ersten CD geht es um Väter und Mütter, Söhne und Schwestern, den Tod und natürlich die Liebe – mal mehr mal weniger unglücklich. Teil zwei der Personal File handelt vor allem von religiösen Themen. Doch selbst die eingefleischten Atheisten unter den Fans können sich dem „Man In Black“ und seiner melancholischen Art nicht entziehen.
Die 49 Stücke, die zwischen 1973 und 1982 aufgenommen wurden, sind musikalisch als Country, Folk oder auch als Spirituals einzuordnen. Doch auf seine Art ist Personal File nicht zuletzt ein sehr schönes Hörbuch. Ein Muss für alle Fans.

Solveig Wrage

Offizielle Homepage:
http://www.johnnycash.com/

 

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Ali Farka Toure - Savane

Mittwoch, 23. August, 2006 at 10:45 Uhr nachmittags (Rezensionen)

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Ali Farka Toure, der König des Wüstenblues, hinterliess uns mit Savane, dem dritten Teil der fantastischen Hotel Mandé-Session, noch kurz vor seinem Tod ein Juwel afrikanischer Musik und verabschiedet sich damit, wie es einem Musiker seines Ranges gebührt.
Parallelen zu Johnny Cash dürfen ohne Bedenken gezogen werden.
Der aus Mali stammende Farka Toure erzählt in seinem letzten Soloalbum Geschichten aus ganz Afrika in vielfältigen Sprachen, wie z.B. Sonrai, Peul, Zarma und Songoy. Er erzählt von den Wettbewerben der Peul um Weideland, von der Beto-Legende aus Niger und von den Peul, die nur zwei Ziele im Leben haben: Das meiste Vieh auf der Welt zu besitzen und sich von ihren schönen Frauen Nachts Geschichten erzählen zu lassen. Diese Geschichten erfasst Farka Toure auf seine einzigartige Weise. Dank eines sehr guten Booklets auf Englisch und Französisch erfährt auch derjenige, der nicht diverser afrikanischer Sprachen mächtig ist vom Zauber Afrikas.
Klassische Bluesinstrumente wie Gitarre und Mundharmonika ergänzen sich perfekt mit afrikanischer Perkussion, anderen afrikanischen Instrumenten, wie der Kora und Spoken Word Einlagen und machen Lust auf mehr afrikanische Musik.
Diejenigen, die schon Farka Toures andere Alben, wie z.B. The Source, kennen, werden etwas vom improvisierten Charakter von Savane überrascht sein, vielleicht sogar negativ, aber wenn man dem Album etwas Zeit gibt erkennt man die Grösse des Blues-Genies aus Mali.
Savane ist kein Album für jeden Tag, man muss schon genauer hinhören. Dafür wird man dann aber mit aussergewöhnlicher Bluesmusik vom feinsten belohnt.
Ali Farka Toure, R.I.P.

Thomas Mader

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Kante - Die Tiere sind unruhig

Mittwoch, 23. August, 2006 at 10:00 Uhr nachmittags (Rezensionen, Rock)

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Eines gleich mal vorweg: Die Tiere sind unruhig ist das bisher beste deutschsprachige Gitarrenalbum des Jahres 2006. Um dieser Erkenntnis einen Dämpfer zu verpassen muss man sich allerdings nur die bisherige Konkurrenz betrachten. Da gäbe es zum einen Räuber und Gedärm der Sterne, ein Album, dass weder Fleisch noch Fisch ist, ständig changierend zwischen intellektuellen und zu simplen Alltagserkenntnissen. Da gäbe es noch Verbotene Früchte von Blumfeld, ein metaphernschweres Werk über Flora und Fauna. War es das schon? Ach nein, Tomte haben ja dieses Jahr auch ein Album gemacht, Buchstaben über der Stadt. Allerdings sollte über dieses besser der Mantel des Schweigens gehüllt werden. Es bleibt also Kante.

Die Referenzen zu den sieben Songs sind schnell aufgezählt. Der Titeltrack erinnert an Coldplay mit einer Portion unterschwelligem Jimmy Eat World-Gitarren-Dingeldengel. Ich hab’s gesehen, Nichts geht verloren und Die Wahrheit hätte man so ähnlich auch auf Songs for the Deaf finden können, Ducks and Daws und Die Hitze dauert an sind Zombi-Songs, und Die größte Party der Geschichte eine spaßig-funkige Sternenummer. Von einem Gesamtkonzept kann hier also auf den ersten Blick nicht die Rede sein, eher von einer losen, von Moses Schneider produzierten Songsammlung. Und das soll das beste deutschsprachige Gitarrenalbum 2006 sein, zumal Blumfeld zumindest ein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt haben?

Ja, denn gerade dieser Stilmischmasch ist eine der vielen Stärken von Die Tiere sind unruhig. Der Titelsong gibt die Thematik vor, die wabernde Spannung die über der Schöpfung liegt, versehen mit einem latent politischen Anstrich, der sich bis zum letzten Song Die Hitze dauert an zieht (Alles ist gut / der Zweifel bleibt / der Schmerz, die Trauer und der Zorn / doch für uns ist nichts verloren). All das verbindet sich zu einem Konzept, dass nicht sofort ins Auge springt und insbesondere deswegen eine Kunst ist , die in jedem einzelnen Ton über das pseudointellektuelle Gefasel von Tomte, das Beliebige von Blumfeld und das Wirre der Sterne anno 2006 um ein Weites herausragt. Dies soll allerdings nicht bedeuten, dass nicht noch Luft nach oben wäre …

Kai Wehmeier

Offizielle Homepage:
http://www.kantemusik.de/

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Kasabian - Empire

Dienstag, 22. August, 2006 at 10:35 Uhr vormittags (Electronic, Rezensionen, Rock)

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Oh, hatten es Kasabian schwer. Da müssen die vier Jungs aus Leicester einen Nachfolger auf ihr grandioses Debutalbum schaffen, nebenbei unentwegt touren - unter anderem als Vorband der Rolling Stones - und dann tritt mit der vagen „musikalische Differenzen“-Begründung auch noch Gitarrist und Keyboarder Christopher Karloff seinen Rückzug aus der Band an. Zwischendurch war dann aber doch noch genug Zeit um das Video zur ersten Singleauskopplung Empire zu drehen. Und mit diesem wird auch gleich klar, dass Kasabian großes mit dem neuen Album vorhaben. Die napoleonische Schlachteninszenierung des Regisseurs W.I.Z. ist was Musikvideos angeht zumindest bisher der diesjährige Höhepunkt und unbedingt sehenswert. Was aber nicht zuletzt auch an dem Song liegt, mit dem Kasabian nahtlos an bisherige Großtaten anknüpfen. Bedrohlich stampft die elektronische Klangkulisse des Songs vor sich hin, der in seiner Genremixtur durchaus an Reason is Treason erinnert, jedoch in einem wesentlich düsteren Gewand daher kommt. Sowieso präsentiert sich das der Single gleichgenannte Album sehr viel finsterer als sein Vorgänger. War das Debut noch zu weiten Teilen ein sehr elektronisch dominiertes Album, präsentiert sich der Mix aus Genres mit dem Kasabian spielen, als sehr viel harmonischer. An vielen Stellen reduzieren sie ihren sonst so opulenten Song schon fast in Minimalismus (Me Plus One, Seek & Destroy) oder verzichten ganz auf elektronische Elemente (British Legion, der als Dylanesker Akustiksong daher kommt, The Dobermann). Insgesamt bleiben sie aber ihrem Stil treu. Hypnotische Gesangspassagen, die zuweilen an die Beatles auf ihrem Drogenhöhepunkt erinnern und treibende elektronische Klanglandschaften treffen auf Rockmusik im besten Sinne.
Während das selbstbetitelte Debut von Kasabian streckenweise klingt wie ein großartiges Musikexperiment, bekommt man es auf Empire mit einer Band zu tun, die genau zu wissen scheint, was sie macht. Der Sound ist wesentlich ausgewogener und reifer als beim Vorgänger. Empire ist ein mehr als gelungenes Nachfolgealbum und so mancher Song darauf, wird wohl in nächster Zeit die Tanzflächen und so manchen CD-Player in Beschlag nehmen. Oh, was werden Kasabian es schwer haben mit ihrem dritten Album.

Jean-Christophe Bocquier

Offizielle Homepage:
www.kasabian.co.uk

Das Album zum Durchhören:
http://www.myspace.com/kasabian

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V.A. - Dave Chappelle’s Block Party

Donnerstag, 17. August, 2006 at 1:00 Uhr nachmittags (Hip Hop, Rezensionen)

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Im Sommer 2004 nahm sich Dave Chappelle, MTVs Vorzeigeklamaukmacher, vor eine große Block Party im Herzen Brooklyns zu schmeissen. Wenig war im Vorfeld darüber bekannt geworden. Weder der genaue Veranstaltungsort noch welche Bands bei dieser Party am Start sein würden. Um das Ereignis zu filmen, konnte Michel Gondry (Vergiss mein nicht!) begeistert werden, eine Dokumentation darüber zu drehen.
Der Film beginnt drei Tage vor der eigentlichen Veranstaltung zu erzählen. Dave Chappelle befindet sich in seinem Heimatort Yellow Springs in Ohio und verteilt frei nach Willy Wonka goldene Tickets für die Party an die Einwohner. Neben einer Kioskbesitzerin, einem Bewährungshelfer und einigen anderen Einheimischen verfrachtet Chappelle ein ganzes Blasorchester in Charterbusse, um mit ihm die Party in New York zu feiern. Gondry verzichtet beim Filmen auf großen Firlefanz und man bekommt einen sehr nahen Eindruck dessen, was am Tag der Party in Brooklyn vor und hinter der Tribüne passiert. Man sieht Chappelle mit den teils sehr skurrilen Anwohnern des Veranstaltungsortes, Jam-Sessions der illustren Runde von Musikern, einen Großteil ihrer Live-Performances, sowie Eindrücke derjenigen, die das Glück hatten bei diesem Ereignis dabei zu sein. Wer einen Film erwartet, bei dem Chappelle im Vordergrund steht und einen Gag nach dem anderen zum besten gibt, der liegt völlig falsch. Der Comedian lässt es sich zwar nicht nehmen von Zeit zu Zeit mal auf die Bühne zu steigen und einen kleinen Stand-Up zu präsentieren, hält seine eigentliche berufliche Tätigkeit aber dezent im Hintergrund. Der Film steht völlig im Dienste der Einwohner Brooklyns, des sozialen Engagements in Zeiten der Bushregierung, sowie der Musik, dem Hip Hop.
Chappelle konnte ein großartiges Aufgebot an Musikern gewinnen, die, wie er zum größten Teil ihre Wurzeln in Brooklyn haben. Das Line-Up setzt sich zusammen aus Mos Def, Common, Dead Prez, The Roots, Black Star, Jill Scott, Kanye West und Erykah Badu, sowie einer Masse von Gastmusikern, wie etwa John Legend oder Big Daddy Kane. Als ein weiterer Höhepunkt sollte eigentlich Lauryn Hill performen, jedoch verwehrte ihr die Plattenfirma einen Soloauftritt aufgrund von Rechtsquerelen. Also wurden kurzerhand Pras und Wycliff Jean reaktiviert und als Sensation des Abend gab es dann nach sieben Jahren eine Reunion der Fugees inklusive eines fulminanten Killing me Softly.
Dave Chappelle‘s Block Party läuft im Moment in wenigen deutschen Kinos. Wer in der glücklichen Lage sein sollte, eines dieser Lichtspielhäuser in seiner Nähe zu haben, sollte es sich nicht nehmen lassen am besten noch heute Abend ein Kinoticket zu lösen. Allen anderen bleibt der Soundtrack, auf dem sich fast alle der im Film gezeigten Live-Performances vereinen und, der die großartige Stimmung der Block Party vielleicht nicht ganz so gut wie das Zelluloid transportiert, aber es dennoch wert ist unbedingt gehört zu werden, zumal er das Dokument eines einzigartigen Konzerts ist.

Jean-Christophe Bocquier

Offizielle Homepage:
http://www.chappellesblockparty.com/

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Washington - A New Order Rising

Dienstag, 15. August, 2006 at 9:33 Uhr vormittags (Rezensionen, Rock)

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Es gibt mehrere sonderbare Phänomene in der Musikkritik. Eines von dieser Sorte ist die Propagierung der Übermachtstellung kommerziell erfolgreicher Bands. Wenn es um die Suche nach Vergleichen geht, dann ist der geneigte Musikkritiker meist unkreativ – und aus diesem Mangel an Kreativität entsteht Oberflächlichkeit. Wer neue oder unbekannte Bands einordnen will, wählt meist den Vergleich mit möglichst bekannten Bands. Im Fall des Debütalbums A New Order Rising der norwegischen Newcomerband Washington sind es die Vergleiche mit Radiohead, Coldplay und Starsailor, um nur einige zu nennen. Natürlich haben alle diese Bands etwas gemeinsam: den Hang weit auszuholen, das mitunter sehr schwelgerische – und bei allen sind es die Sänger, die mit einer sehr drängenden Stimme ausgestattet, sich nicht scheuen in höhere Tonregionen vorzudringen und dort auch mal einen Moment länger auf einem Ton zu verharren.
Was aber ist mit den Unterschieden? Was mit den Einzigartigkeiten einer Band? Was helfen uns diese Pauschaleinteilungen unter Zuhilfenahme der bereits etablierten Bands? Meiner Ansicht nach: zu wenig! Für eine erste Einordnung reicht es, aber als Grundlage für die Rezension eines Albums ist es nicht ausreichend. Oder müssen die Vergleiche einfach nur mehr erläutert, als einfach nur dahingestellt werden?
Wie schwierig diese Distanz ist, kann man aber auch an der Rezension festmachen, die sie gerade lesen. Viel Text, aber bisher nur Vergleiche.
Langsam und bedächtig, mit der Melodie im Klavier, beginnt A New Order Rising. Für einen Opener durchaus gewagt, denn ein träger Rhythmus in den Drums und ein Hammond-Orgel artiger Sound lösen das Klavier ab und begleiten uns, unter der schnörkeligen Stimme von Sänger Rune Simonsen, durch die sage und schreibe acht Minuten des ersten Tracks - was allerdings auch nicht heißt, dass der Rhythmus nicht auch mal beschleunigt wird.
Die offizielle Single des Albums ist der mit einem wunderschönen Refrain ausgestattete Titel Maker of Time. Dynamisch voranschreitend unterscheidet er sich vor allem im Tempo von den anderen Songs und setzt ein markant zugängliches Zeichen auf diesem von ruhigen Songs nur so wimmelnden Album.
Angst vor zusätzlichen Instrumentationen hat die Dreier-Combo Washington eh nicht: Keyboard, Cello, die indische Sitar oder Slide Guitar – alle Instrumentationen fügen sich in das ruhige, aber trotzdem immer wieder abwechslungsreiche Ganze und geben dem Album eine charmante Würze, die sie von vielen anderen Bands, wie beispielsweise von den Turin Brakes abhebt. Womit wir wieder beim Vergleich wären – es muss doch irgendwie möglich sein, nicht zu vergleichen…

Mike Beilfuß

Offizielle Homepage:
http://www.washington.no

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Billy Talent - II

Sonntag, 13. August, 2006 at 9:53 Uhr nachmittags (Rezensionen, Rock)

„Geschmackssache“ oder „Gewöhnungssache“ könnte man, wenn man wohlgesonnen ist, den Gesang von Benjamin Kowalewicz nennen, dem Frontmann mit dem - und jetzt bin ich mal nicht wohlgesonnen: Krächzorgan. Das war schon ein spannender Kampf, den er auf dem Erstling seiner Band ablieferte - durch sauberes Songwriting und viel Power wurde seine Stimme in richtige Bahnen gelenkt. Es kamen so einige Hits von Weltklasse dabei rum! Nun, auf Album Nummer zwei, wird der Gewöhnung noch ein bisschen mehr abverlangt. Und ich befürchte, dieses Mal scheint sie das Gefecht zu verlieren.

Benjamin Kowalewicz war der hinreichend passgenaue Mann für Billy Talents herausstechende Großtaten, weil er mit seiner hellen Shouterstimme ein durchaus passables Gegengewicht zur instrumentalen Gewalt seiner Kameraden darstellte. Problematisch wurde und wird es immer dann, wenn er versucht, „mehr“ aus sich herauszuholen als gut sein kann – also mehr Aggression oder mehr Gefühl. Die Aggression gipfelt dann in einem Überschlag zum fanatischen Kreischen, der z.B. im an sich besten neuen Song Devil In A Midnight Mass zum Ende hin ärgerlich stimmt. Das Gefühl hingegen ist ja sowieso mal nicht die Sache von Billy Talent; und dafür tritt II in ausreichender Fülle den Beweis an. An Halbballaden und Midtempo-Stücken mangelt es hier leider wirklich nicht. Das häufiger gedrückte Bremspedal ist dann auch die maßgeblichste Veränderung gegenüber dem selbstbetitelten Erstwerk. Und ganz, als wäre sich die Band selbst nicht sicher mit dieser Ausrichtung, begehen sie den anderen Fehler, dieses „Neue“ durch konsequente Auslotung ihrer eigenen sowie fremder Klischees gewissermaßen im Rahmen zu halten. Was das heißt? Das Stakkato-Riffing fängt langsam zu nerven an, der Hang zu Mitgröhlhymnen nimmt zu, die Shouter-Chöre kommen an den unpassendsten Stellen (man höre sich The Navy Song an). Die Suche nach Ohrwürmern nimmt in der Kinderspielplatzmelodie von Where Is The Line? ihre groteskeste Form an. Da lässt sich nichts dran drehen: Dieses Album ist eine Enttäuschung, aus der hoffentlich gelernt wird.

Henning Baucke

Offizielle Homepage:
http://www.billy-talent.de

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The Kooks - Inside In/Inside Out

Montag, 7. August, 2006 at 8:18 Uhr nachmittags (Rezensionen, Rock)

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Dank an alle Mädels, die Luke Pritchard jemals das Herz gebrochen haben. Wer weiß, ob er sonst auf dem Debüt-Album Inside In/Inside Out seiner Band The Kooks so schön leiden könnte. Das tut er z.B. bei You don’t love me oder I want you back. Fairerweise muss man dann aber auch denjenigen danken, die es nicht getan haben. Denn die Liebslieder (Seaside, She moves in her own way) sind ebenso hörenswert.

Die vier Jungs aus Brighton, die sich nach einem Bowie-Song benannt haben, zeigen Talent sowohl für die lauten, als auch die leisen Töne. Zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug und dann noch dieser schöne Akzent – wer jetzt „Britpop“ sagt, ist jedoch ein kleines bisschen voreilig. Denn ab und zu drängelt sich der Reggae dazwischen und überrascht den geneigten Hörer von hinten (Matchbox, Time awaits). Wie gesagt, „ein kleines bisschen“, denn so ganz aus der Luft gegriffen ist das B-Wort auch nicht. Aber The Kooks legen sich da selbst nicht so fest: „Warum sollte man sich selbst einschränken, wenn es doch so viel Musik zu entdecken gibt?“, so Pritchard. Das erklärt wohl auch, wie Jack Johnson zwischen The Police und The Kinks stehen kann, wenn die Band aufzählt wessen Musik sie beeinflusst hat. Überhaupt liest sich diese Liste wie das Who-Is-Who der Rockgeschichte des 20. Jahrhunderts. The Beatles, David Bowie, Neil Young, Bob Dylan, The Doors – um nur ein paar Namen widerzugeben. Größenwahnsinnig? Vielleicht. Die noch recht junge Bandgeschichte klingt allerdings vielversprechend. Nur drei Monate nachdem die Vier damit begannen gemeinsam Musik zu machen, winkte bereits Virgin Records mit einem Plattenvertrag. Das war 2003 und keiner der Kooks hatte das zwanzigste Lebensjahr überschritten. Drei Jahre später können wir Inside In/Inside Out bewundern, und wenn es bei einem Erstling nicht paradox wäre, müsste man sagen „Das Warten hat sich gelohnt“.

Auf jeden Fall hat die Welt nun eine CD mehr mit Liedern, die sie braucht. Zum Verliebtsein, zum Herzgebrochensein, zum Einfach-nur-Zuhören und zum Nicht-stillsitzen-Können.

Solveig Wrage

Offizielle Homepage:
http://www.thekooks.co.uk/

Free Song Download:
The Kooks - Belly Love

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Lostprophets - Liberation Transmission

Sonntag, 6. August, 2006 at 11:22 Uhr nachmittags (Rezensionen, Rock)

(New Rock/Metal) Es gibt Personen, die sprechen den Lostprophets schon allein deshalb einen Exotenstatus zu, weil sie aus Wales kommen. Als ob das eine besondere Leistung wäre: Aus Wales zu kommen ist heutzutage gar nicht schwierig. Dort sprechen die Menschen englisch, und alle Jahre wieder findet das „Cardiff Summer Festival“ statt. Das sind keine Hinterwäldler dort! Entsprechend wird die von dort stammende Musik genauso aufgenommen wie der neueste Output einiger Jungs aus New York oder LA, die ihre Mützen verkehrt herum aufsetzen oder sich Punkfrisuren gelen.

Die Lostprophets haben anno dazumals mit The Fake Sound Of Progress ein beschwingtes, krachendes Debütwerk vorgelegt, das man getrost als Nu Metal einordnen kann, auch wenn die Band sich dagegen wehrte. Das war 2001. Mittlerweile ist die Euphorie um dieses Genre ein bisserl abgeebbt, und ganz als würden sie ihre Musik zielgruppengerecht konzipieren (was sie natürlich bestreiten), haben die Lostprophets ihr Spektrum von Nu Metal auf New Rock und ein bisschen Kiddie-Punk erweitert. Und auch wenn ich nie gedacht hätte, dieses zu behaupten: Das ist gewissermaßen schade.

Die stärksten beiden Stücke ihres nunmehr dritten Albums Liberation Transmission stehen nämlich noch ganz im Zeichen des Erstwerkes: Everyday Combat schlägt gleich zu Beginn mit einem gewaltigen Riffing entgegen, ist originell, verspielt, verfügt über variantenreiche Gesangslinien und wartet am Ende auch noch mit einem cleveren Break auf, welches das Stück tosend ausklingen lässt. Das direkt folgende A Town Called Hypocrisy zeigt indes, was aus dem Nu Metal hätte werden können, wenn ihm nicht zu schnell die Ideen ausgegangen wären: Ein Funk-Riff leitet das Stück ein, spritzige Lalala-Gesänge untermauern den Refrain. Zweimal haben die Lostprophets sich richtig Mühe gegeben!

Warum kann man das nicht für den Rest des Albums sagen? Von da an reduziert man sich auf Mainstream-Rock mit Punkanleihen. Dieses gelingt noch genau einmal, nämlich im ordentlichen Can’t Catch Tomorrow (dieses Mal mit Dupdupdup-Gesängen), wo der Viervierteltakt wirklich Spaß macht. Ansonsten finden sich ärgerlich mediokere Mitsinghymnen, die wahrscheinlich darauf hoffen, in amerikanischen College-Serien aufzutauchen. Die drei Balladen, allen voran die Single Rooftops, zeigen indes die stimmlichen Grenzen ihres Sängers Ian Watkins. Und das nervige Background-Shouting wirkt gerade dort als zusätzlicher Stolperstein.

Was überhaupt den Sänger angeht: Leider klingt er kaum noch wie Mike Patton zu „The Real Thing“-Zeiten. Gerade diese Parallele hat mich bei Watkins immer sehr gefreut: War sie doch einerseits ein sehr schöner Aha-Effekt; und außerdem hat es mich jedes Mal entzückt, wenn der grimmige Avantgarde-Patton mit seinem Hassobjekt Nu Metal in Verbindung gebracht wurde.

Alles in allem ist Liberation Transmission ein mittelmäßiges Rock-Album. Einige Stücke sind einfach zu gut, um es in den Keller rutschen zu lassen. Für ein wohlwollendes Fazit wird jedoch zu oft die Schmerzgrenze berührt.

Henning Baucke

Offizielle Homepage:
http://www.lostprophets.com/

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Spank Rock - YoYoYoYoYo

Sonntag, 6. August, 2006 at 12:36 Uhr nachmittags (Hip Hop, Rezensionen)

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(Hip Hop) Dass die Jungs von Big Dada immer guten Geschmack beweisen war ja schon lange klar, aber mit Spank Rock haben sie sich mal wieder ein echtes Juwel in den Labelkatalog geholt. Da hatten die Engländer mal wieder das bessere Näschen und haben schneller zugegriffen, als die amerikanischen Kollegen. Um es mal vorweg zu sagen: Spank Rock sind prollig. Spank Rock sind die prollige Version von Prefuse 73. Spankrock sind so, wie sich Run DMC im 21sten Jahrhundert anhören würden. Spank Rock sind BoomBox 2010 mit Laser- und Trockeneiseffekten.

So hört sich progressiver HipHop an. Fette Bassläufe gemischt mit Kuhglocke, Bleeps und Klongs, Bläsern und allem woran man sonst noch die Finger bekommen konnte bilden die Grundlage der Beats, die sich nicht genau entscheiden können, ob sie mehr HipHop, oder doch Elektro sein wollen.

Und die gestotterten Stakkato-Raps von Rapper Spank Rock ergänzen sich perfekt mit den Beatbastarden.

Da kann man schon mal über Zeilen wie:

Put that pussy on me

Oder

Ooh that pussy gets damp

hinwegsehen und sich am Vibe erfreuen.

Highlights auf der Platte sind das pumpende Backyard Betty, die Singleauskopplung Sweet Talk oder die geniale Hommage Rick Rubin, an den wohl bedeutendsten Producer unserer Tage:

Is it out of touch?
Or is it the touch?
Is it that creation you’ve been patiently waiting for?
Bloody as fuck raw?
Soulfully hardcore?
Does it get you moving?
Is it too confusing?
Am I losing you with theses theories I’m proving?

Is it: Rick Rubin, Rick Rubin, Rick Rubin?

YoYoYoYoYo ist ein fettes Party-Album, das auch die lahmsten Partygäste in deinem Hobbykeller zum tanzen bringen wird. Ausserdem hat es sowohl den besten Album-, wie auch Gruppennamen seit langem. Also lass dir den Hintern und die Ohren mit Stil versohlen.

Thomas Mader

Offizielle Homepage:
http://www.spankrock.net/

Free Song Download:
Spank Rock - Rick Rubin

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