The Secret Machines - Ten Silver Drops

Freitag, 29. September, 2006 at 3:33 Uhr nachmittags (Rezensionen, Rock)

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Es gibt nicht viele Beispiele für Musiker, die dadurch besser wurden, dass sie ihre Ecken und Kanten abschliffen. Im Gegenteil: Diese Entwicklung brachte uns die Solokarriere von Phil Collins ein, den Golf „Pink Floyd“ und Gruppen wie Asia oder Starship. Grund zur Unruhe also bei The Secret Machines. Zwar ist deren Ten Silver Drops weit von der Simplizität entfernt, die besagte Künstler am Ende ihrer Karriere erreicht hatten. Aber erste typische Anzeichen von Gefälligkeit zeigen sich schon hier.

So geht es auch mit Alone, Jealous And Stoned zuckersüß los. Wie auf dem Vorgänger Now Here Is Nowhere versammeln sich Melodietürme über gleichbleibenden Rhythmen zu circa sechsminütigen Schallorgien. Aber diesmal verläuft alles ein bisschen gemächlicher. Die Stücke sind einerseits eingängiger geworden, andererseits behäbiger, und so wirken sie über die 45-Minuten-Distanz durchaus einlullend. Also kleiner Tipp: Um nicht einzuschlafen, laut aufdrehen!

Die Tatsache, dass alle Stücke mehr oder minder gleich klingen, liegt nicht zuletzt an ihrer wirklich konsequent gleichen Rhythmik. Dies lässt sich natürlich positiv auffassen, indem behauptet wird, dass gerade diese stringente Gleichheit den Hörer in seinen Bann zieht. Im Negativen ist ein ewiger Gleichklang aber einfach nur ein ewiger Gleichklang und somit auch ein bisschen langweilig. Deswegen lassen sich auch kaum einzelne Lieder herauspicken. Bis auf die letzten beiden: Die sind nämlich Balladen.

Natürlich ist die Repetition ein Stilelement des Psychedelic Rock – und als solches durchaus bewährt. Aber The Secret Machines machen kein Psychedelic. Sie schreiben opulent rockende Popsongs, die sie mit einigem Geschwurbel auf Überlänge ausdehnen. Dabei sind die Rhythmen träger als es die schönen Melodien zulassen. So plätschert Ten Silver Drops ohne rechte Höhe- und Tiefpunkte von vorne bis hinten durch; und einen Hit wie Nowhere Again vermisst das Album sowieso. Aber die verstärkte Melodieseligkeit verbreitet immerhin ein angenehmes, nebensächliches Wohlgefallen im Raum, ist also - kurz und bündig gefasst - nett anzuhören.

Henning Baucke

Offizielle Homepage:
http://www.thesecretmachines.com/

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“Ick liebe Euck!” - Pearl Jam, Kindl-Bühne Wuhlheide, Berlin, 23. September 2006

Dienstag, 26. September, 2006 at 11:26 Uhr vormittags (Konzerte)

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Als die La Ola-Welle zum fünften Mal die Wuhlheide durchquert hat, wünscht man sich wirklich, Eddie Vedder und seine Band würden von hinten zuschauen. Die Stimmung im Berliner Rund ist ausgesprochen euphorisch, zu schade, dass Pearl Jam sich noch Backstage aufhalten und von der riesigen Vorfreude, die sich ungebremst in den Abendhimmel entleert, gar nichts mitbekommen. Sechs Jahre und drei Alben hat die treue und vor allem sehr solide Fanbase in Deutschland auf dieses Konzert warten müssen und nun ist die Spannung kaum noch auszuhalten. Die Black Keys geben vorab ihr Bestes, aber angeheizt werden muss hier nun wirklich niemand mehr, vielleicht ist es auch eine undankbare Aufgabe, mehr den Zeitvertreib bis zum großen Knall als den Anheizer zu geben, und vielleicht gehört es da zum wohldurchdachten Konzept, nur 30 Minuten zu spielen.

Dann endlich sind Pearl Jam auf der Bühne, ein Dreierblock aus Go, Save You und Animal eröffnet das Spektakel um die letzten noch lebenden Grungehelden und das Publikum ist völlig aus dem Häuschen. Vedder bescheinigt den Fans zwischendurch äußerst gute Gesangsqualitäten, man habe den Titel „best singers“ neulich an die Italiener vergeben, aber Berlin singe noch lauter. Jede Äußerung Vedders wird mit Kreischen und Applaus bedacht, heute kann er machen, was er will, heute darf er alles. Mit viel Raffinesse picken Pearl Jam die ganz großen Stücke aus ihrem riesigen Backkatalog: Daughter, Even Flow, Do the Evolution, Rearviewmirror, Given to Fly, Last Kiss, ein Block mit neuen Songs vom Album Pearl Jam - Severed Hand, World Wide Suicide, Marker In The Sand - und dann die Lieder, die Berlin den Gesangsaward einbringen - Black und Alive mit dem Dezibelhöhepunkt: „Is that the question, and if so, if so, who answers, who answers“ schallt es in immenser Lautstärke durch die Wuhlheide, als hätten sie nur darauf gewartet, es endlich mit Vedder gemeinsam singen zu dürfen. Pearl Jam selbst lassen sich von der Stimmung schnell anstecken, Vedder und Stone Gossard hüpfen über die Bühne als seien die Jahre nie vergangen und Matt Cameron trommelt sich zum Siedepunkt. Immer wieder richtet Vedder das Wort ans Publikum und liest seine deutschen Ansagen vom Blatt ab, während er in der anderen Hand die Weinflasche schwenkt. Nach zwei Zugabeblöcken springt er schließlich wie angestochen mit zwei Tambourins über die Bühne und singt dabei Yellow Ledbetter, oder besser gesagt, die ganze Wuhlheide singt Yellow Ledbetter und einer hat ein Mikrofon.

Dann Schluss. Aus. Vorbei. Licht an. Alle raus. Vielleicht sind Pearl Jam noch Backstage, als man sich an die U-Bahn-Schlange anstellt.

Set 1
Go, Save You, Animal, Do The Evolution, Rearviewmirror, Elderly Woman Behind The Counter In A Small Town, Severed Hand, World Wide Suicide, Marker In The Sand, Even Flow, Present Tense, Big Wave, Grievance, Daughter(W.M.A.), Green Disease, Black, Porch

Encore 1
Given To Fly, Come Back, I Believe In Miracles, Crazy Mary, Alive

Encore 2
Last Kiss, Footsteps, Lukin, Comatose, Why Go, Baba O’Riley, Yellow Ledbetter

Anna Plecher

Offizielle Homepage:
http://www.pearljam.com/

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V.A. - LateNightTales: Air

Sonntag, 24. September, 2006 at 4:57 Uhr nachmittags (Electronic, Pop, Rezensionen, Rock)

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Paris: Eine riesige Wohnung; in einem dezent beleuchteten Raum liegt ein Flokati, beim Blick durch das Fenster breitet sich auf der anderen Strassenseite eine Fassade aus Fensterläden mit kleinen gusseisernen Balkonen vor einem aus. Dumpfes Stimmengewirr drängt vom Boulevard in den Raum. Nachtschwärmer, die sich aus den nahe gelegenen Clubs zum gemeinsamen Chill-Out zusammenrotten. Das Ambiente des Raums entspricht den gängigen Klischees von Kitsch. Die Möbel sind weitestgehend aus Plastik konstruiert, das in grellen Farben lackiert wurde. Auf dem großen Glastisch steht neben einer Flasche Wein, zwei Gläsern und einem massiven Aschenbecher die mechanische Figur eines hawaiianischen Hula-Mädchens, das sich im Takt der Musik bewegt, die aus der anderen Ecke des Raumes kommt. Da, wo ein kleiner Phonoschrank mit einem Plattenspieler steht, der sich neben einem riesigen Regal voller Schallplatten befindet. Vor diesem Regal hocken zwei Personen, die immer wieder Platten aus nämlichen heraus ziehen, zur Seite legen, auf den Plattenteller legen oder gleich wieder zurück schieben.
So, oder auf jeden Fall so ähnlich muss es sich zugetragen haben als Nicolas Godin und Jean Benot Dunckel von Azuli Records angesprochen wurden ihre musikalisches Gute-Nacht-Märchen zu erzählen, die Songs zusammen zu stellen, die sie bewogen haben, formiert als Air, Musik zu machen. Die schon fast legendären LateNightTales gehen mit Air nach illustren Musikern, wie Belle & Sebastian oder Zero7 in eine neue Runde.
Es ist immer ein zweischneidiges Schwert, wenn bekannte Musiker aufgefordert werden ein Mixtape ihrer Lieblingsmusik zu erstellen. Oftmals riechen solche Compilations nur so nach musikalischen Ausverkauf: “xyz präsentiert die 20 besten Songs…“. Allzu oft wird man bei solcherlei Zusammenstellungen das Gefühl nicht los, dass die Musik vom Label ausgesucht wurde und dem empfehlenden Musiker eine ordentliche Stange Geld für das Hergeben seines Namens gutgeschrieben wurde. Ähnlich der DJ Kicks-Reihe aus dem Hause K7 braucht man sich bei den LateNightTales aber keine Sorgen zu machen.
Und schon gar nicht im Fall von Air. Die Songauswahl präsentiert sich derart homogen, dass man das Gefühl bekommt die beiden französischen Musiker hätten in ihrem Leben nichts anderes gemacht als Mixtapes zu erstellen. Die Bandbreite der Songs so ist weit gefächert, von Rock- über Filmmusik bis hin zu Elektro, Jazz und Klassik aus den verschiedensten Epochen, dass man schon fast neidisch auf den musikalischen Background der Pariser Soundtüftler werden kann. Da finden sich neben The Cures All Cats are Grey und Black Sabbath Space-Rock Ausflug Planet Caravan, in perfekter Harmonie mit Nino Rotas O‘Venezia Venaga Venusia, Georges Delerues Theme de Camille, Cat Powers Metal Heart, Minnie Ripertons Loving You, Lee Hazelwoods My Autumn‘s Done Come, Elliot Smiths Let‘s Get Lost und Ravels Pavanne pour une enfante défunte.
Aus Anstand den versammelten Musikern gegenüber, hätte ich jetzt eigentlich die kompletten 18 Tracks der CD hier aufzählen müssen, mache ich aber nicht. Denn diese CD muss einfach gehört werden. Von Leuten, die Air schon immer mochten, solchen, die die Musik von Air schon immer besser verstehen wollten und sowieso von denen, die sich mit der Aufschrift „Musikliebhaber“ etikettieren.
Ich werde mich jedenfalls jetzt wieder auf meinen Flokati zurück begeben, mir ein Glas feinsten Rotwein einschenken, vielleicht ein paar Zigaretten rauchen und mir dabei ein ums andere Mal Airs LateNightTales durch den Gehörgang rauschen lassen.
Bonne nuit!
Jean-Christophe Bocquier

Offizielle Homepage:
http://latenighttales.co.uk/

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Gnarls Barkley - St. Elsewhere

Donnerstag, 21. September, 2006 at 8:04 Uhr nachmittags (Hip Hop, Pop, Rezensionen)

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„Mr. Barkley says Hello“ eröffnete Cee-Lo Green den Auftritt von Gnarls Barkley auf dem diesjährigen Hurricane Festival. Aber wer ist überhaupt dieser Mr. Barkley? Jetzt, da Danger Mouse und Cee-Lo Green unter seinem Namen Furore machen, lässt er sich nur schwer ergoogeln. Irgendwo, so auf Seite 37 findet man ein Porträt der Band (www.star-channel.de/bands/g/gnarls-barkley/), das versucht diesem Phantom auf die Spur zu kommen. Doch außer ein paar höchst zweifelhaften Informationsschnipseln erfährt man auch hier nicht viel. Mag sein, dass Mr. Barkley existiert und tatsächlich ein geheimnisvoller Freund Mariah Careys, Michael Jacksons und des Musikkritikers Lester Bangs ist. Vielleicht ist er aber auch nur der Versuch von Danger Mouse und Cee-Lo Green die eigene Legendenbildung zu fördern.

Das die Schöpfer von St. Elsewhere das nötig hätten, ist jedoch mehr als fragwürdig. Das Produzenten-Genie und der Sänger mit der außergewöhnlichen Stimme haben mit ihrem Album den ganz großen Coup gelandet. Die Texte handeln unter anderem von Monstern im Schrank (The Boogie Monster), Feng Shui, Drogenkonsum (On The Line) und Nekrophilie (Necromancer). Ein wiederkehrendes Motiv ist die Qual, der zu sein, der man ist, und damit verbundene Fluchtversuche vor sich selbst (Crazy, St. Elsewhere, Just A Thought, Transformer, Who Cares). Ein Thema, bei dem Pathos vorprogrammiert scheint, doch glücklicherweise texten Brian Burton (Danger Mouse) und Thomas Calloway (Cee-Lo Green) dafür zu humorvoll und schräg. Kombiniert mit Cee-Los Stimme und den schrillen Arrangements von Danger Mouse kommt dabei ein Musikstil heraus, der sich in Worten nur sehr kläglich und annäherungsweise als PopSoul(HipHop) beschreiben lässt. Viel genauer trifft es jedoch das Bild auf dem Cover: Ein Atompilz, aus dem unter anderem ein Astronaut, ein Bombe, ein Tiger, Palmen, zerklüftete Felsen und die Skyline einer Stadt vor einem Sternenhimmel hervorwuchern. Sehr schön – schön bunt, schön durchgeknallt, schön laut und manchmal ganz schön depressiv. Und nicht zuletzt ein bisschen unheimlich.
Fazit: Auch auf die Gefahr hin zum inflationären Gebrauch dieses speziellen Superlativs beizutragen – St. Elsewhere ist für mich das Album des Jahres 2006. Auch wenn es erst Oktober ist.

Solveig Wrage

Offizielle Homepage:
http://www.gnarlsbarkley.com/

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Música Colombiana - Ein musikalischer Reisebericht

Mittwoch, 20. September, 2006 at 5:44 Uhr nachmittags (Wort)

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Nachdem ja bei Mixtape schon der grosse Brasilien-Hype ausgerufen wurde, kommen wir nun zu einem Land, bei dem eher fraglich ist, ob es noch zu Ruhm und Ehre kommen wird, obwohl es das musiktechnisch sicherlich verdient hätte. Kolumbien.
Kolumbien ist mehr als uns die Tagesschau und die Homepage des Auswärtigen Amtes glauben machen will. Kolumbien ist mehr als Koks und Escobar, mehr als Paramilitares, Entführungen und Guerilla, mehr als Montoya und Pibe Valderama, und zum Glück auch mehr als Shakira, Juanes und Reggaeton.
Sicherlich ist Salsa DIE traditionelle Musik in Kolumbien und wer nicht tanzt outet sich gleich als Gringo. Es findet sich zum Glück aber immer eine Kolumbianerin, die einem mehr als gerne den ein oder anderen Tanzschritt beibringt. Und wenn man sieht, wie die Damen die Hüften schwingen, hält einen eh nichts mehr auf den Sitzen.
Studien zufolge gibt es in Kolumbien mehr als 1000 traditionelle Rhythmen, unter anderem Vallenato, Bambuco, Llanera, Pacífico etc.
Besonders empfehlenswert unter der traditionellen Musik ist der Pacícifo, die Musik der schwarzen Bevölkerung Kolumbiens aus dem Chocó, der einem mit wilden Trommeln das Blut zum kochen bringt und stark an die brasilianische Musik der Bahía erinnert.
Toto la Momposina ist die wohl bekannteste Künstlerin dieser Musik und eine lebende Legende in Kolumbien. Den Rest des Beitrags lesen »

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The Automatic - Not Accepted Anywhere

Montag, 18. September, 2006 at 9:04 Uhr nachmittags (Rezensionen, Rock)

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Seit einiger Zeit tingelt immer wieder mal ein Video Namens Monster durch das hiesige Musikfernsehen. Meistens leider zu Zeiten, zu denen man eher selten vor dem Fernseher sitzt, geschweigedenn darauf hofft einen Vertreter der aussterbenden Spezies Musikvideo über die Röhre flimmern zu sehen. Die Band, die dahinter steht nennt sich The Automatic. Interessanterweise kommt diese mal, ob des „The“ im Namen, nicht aus dem Londoner Umfeld, nein nicht einmal aus England, sondern aus Wales, ein Land das in den letzten Jahren immer wieder mal mit einigen interessanten Bands aufwarten konnte (z.B. McLusky, Lostprophets oder den Super Furry Animals).
Musikalische Rockfrüherziehung scheint auf dem britischen Eiland wesentlich besser zu funktionieren als in unseren Gefilden. Die vier Musikanten von The Automatic sind allesamt noch nicht dem Teenageralter entwachsen und schauen bereits auf ein paar Karrierehighlights zurück. So gehörten sie zum Line-Up des diesjährigen Reading- und Leeds-Festivals, haben einen Plattenvertrag bei B Unique (u.a. Kaiser Chiefs) gesigned, Fatboy Slim hat sie geremixed und zudem haben die vier Waliser im Sommer mit Not Accepted Anywhere ein Album auf den Markt geschmissen, dass es in die oberen Ränge der britischen Charts geschafft hat. In den hiesigen Gefilden wird es noch ein wenig dauern bis The Automatic ihr Album in den Plattenläden feil bieten (31.12.2006). Lohnt es sich also auf den teuren UK-Import zurückzugreifen?

Auf jeden Fall! Es wäre nicht einmal anmaßend den Sound von The Automatic mit dem der Kaiser Chiefs oder Maximo Park zu vergleichen. Im Gegenteil, genügend Schnittmengen gibt es zu Hauf. Das soll jetzt nicht heißen, dass The Automatic ein bloßer Abklatsch sind, denn es gibt ebenso Alleinstellungsmerkmale in ausreichender Menge. So gehen The Automatic wesentlich härter mit ihren Gitarren ins Gefecht, das Keyboardspiel Alex Pennies klingt wie etwas, das man nicht allzu häufig zu Ohren bekommt und die Tatsache, dass James Frost im Hintergrund bei fast allen Songs als zweiter Vocalpart mit heiserer Stimme brüllt, ist eher ein Merkmal, das einem von Hardcore-Bands bekannt vorkommt. Nicht umsonst geben The Automatic als eines ihrer musikalischen Vorbilder die Blood Brothers an.
Sicherlich macht sich auf Not Accepted Anywhere das relativ junge Alter der Bandmitglieder noch bemerkbar. Musikalisch könnte an manchen Stellen ruhig noch ein wenig geschliffen werden. Auch die Texte sind eher schlichter Natur. Nichtsdestotrotz rockt das Album wie Hulle und sollte auf keiner Tanzfläche der Indie-Clubs dieser Welt fehlen. Als Anspieltipp seien den Herrn DJs die Songs Raoul und Keep Your Eyes Peeled empfohlen.
Lässt sich jetzt nur noch hoffen, dass The Automatic nicht von der Knochenmühle britischer Hypekultur zermahlen werden und sie auf ihrem nächsten Longplayer gereift zeigen können, was sonst noch so in ihnen steckt. Potential ist auf jeden Fall genug vorhanden.

Jean-Christophe Bocquier

Offizielle Homepage:
http://www.theautomatic.co.uk/

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“It’s all good!” - J. Sands von Lone Catalysts und El Sensei von The Artifacts im Ting! Club - Ein Interview, Bremen 12. September 2006

Sonntag, 17. September, 2006 at 9:44 Uhr nachmittags (Interviews)

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Der 12.09.06 war ein Dienstag. Dienstag ist nicht der beste Tag zum Weggehen und das wohl nicht nur in Bremen. Ich wohne in der Neustadt. Mein Mitbewohner ist ein Ruffneck. Die Nachbarn von oben haben sich schon mehrfach über den Bass beschwert, dabei ist er noch auf Minimum. Inzwischen sind sie ausgezogen, vermutlich kamen mehrere Dinge zusammen. Wir hätten also auch zu Hause bleiben, und die Anlage aufdrehen, schreien und mit dem Besen gegen die Decke klopfen, Tee und Bier trinken und uns einen Film ansehen können.
Mein Mitbewohner wusste aber was Besseres: Der Ting! Club hatte groß angekündigt „The True School of Hip Hop” sei in Bremen. MCs aus allen möglichen Gegenden der amerikanischen Ostküste hatten vor, sich an diesem Dienstagabend in Bremen zu versammeln. Meinem Mitbewohner war sofort klar, da musste was im Busch sein. Ich kam mit. Sadat X von Brand Nubian sollte kommen, El Da Sensei von The Artifacts, J-zone, Lone Catalysts aka J. Rawls & J. Sands, Asheru of Unspoken Heard und Vakill waren angekündigt.
Wir machten uns auf den Weg und während wir so fuhren, schien im Ting ein MC nach dem anderen anzurufen. Alle zweihundert Meter sagte einer ab. Wir konnten es nicht wissen, beeilten uns aber intuitiv. Als wir die brachliegenden Rolltreppen hinter uns gebracht haben, waren es nur noch zwei MCs, die uns die wahre Schule des Hip Hops näher bringen sollten.
Immerhin J.Sands von Lone Catalysts und El da Sensei von The Artifacts. Den Rest des Beitrags lesen »

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Brasileiro-Sound – Ordem war gestern, Progresso ist heute!

Sonntag, 17. September, 2006 at 6:35 Uhr nachmittags (Wort)

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Erst das Trikot, dann die Sneakers, jetzt die Musik: Warum es gerade cooler ist sich mit brasilianischer Musik zu versorgen, als mit grün-gelben Trikots.

Oi heißt Hallo. Aus so manchem Winkel des populären Musikdschungels ruft es derzeit Oi. Oioioi – triple oi! Nur Wyclef Jean krakelt immer noch sein haitiheiseres „Shakira, Shakira“ in altbewährter Poptarzanmanier. Die Trendgeier von Black Eyed Peas haben die Beute natürlich längst geortet und in ihrer pubertär anmutenden, jedoch natürlich rein materiell orientierten Vorschnelligkeit in die immer noch MTVschauende, pickelausdrückende Weltgemeinschaft verspritzt: „Oohhwaaadijaaadajooh!“ Immerhin hatte dieser fragliche Verbesserungsvorschlag zu Jorge Ben Jor’s Mas Que Nada einen Sinn – nun wissen es auch die allerletzten: Der Hispano Hype scheint zwar noch lange nicht um zu sein, schon kündigt sich der Brasileiro-Sound an! Hip Hop Liebhaber, die nicht wissen was letztens bei Room Raiders oder Date My Mom war (Auflösung: beides aktuelle MTV-Sendungen), sind vielleicht beim reinlauschen in das neue Jurassic 5-Album Feedback darüber gestolpert. Oi! Auch da lässt unter anderem, Vertrautem, ein Track mit Vinicius de Moraes von sich hören, der wohl zu den ungewöhnlicheren Instrumentals des neuen Albums gehört.

Natürlich ist die Attraktivität der portugiesisch singenden Hälfte Südamerikas nicht ganz so neu. Seit Michael Jackson, wohl teilweise auch fassungslos über das Desinteresse der Musikwelt am Brazileiro-Sound, 1996 feststellte „They don’t really care about us“ und die, zugegeben schlechtere, Zweitversion des Videos in Salvador de Bahia drehte, läuft es nicht nur jeden Tag im beliebten Café an der Avenida São João, sondern auch die Popwelt hat allmählich Geschmack an Brasilien gefunden. Den Rest des Beitrags lesen »

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Jan Delay - Mercedes Dance

Donnerstag, 14. September, 2006 at 6:24 Uhr nachmittags (Hip Hop, Rezensionen)

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Mit Mercedes Dance hat Jan Delay das Rad nicht neu erfunden. Aber er hat den Funk für sich als Musiker entdeckt, und das Resultat ist eine ziemlich runde Sache.

Albumtitel, Layout und die schicken Anzüge weisen ja bereits „dezent“ auf den roten Faden der CD hin: Disco, Funk und Glamour. So hören sich die Tracks dann auch tatsächlich an, vor allem durch den Einsatz von Saxophon, Trompete und Trombone. Stillsitzen kann man bei fast keinem Stück, und mit Klar und Raveheart liegt Partymusik in ihrer Reinform vor.

Allerdings sollten die HörerInnen sich durch das Glitzergewand nicht täuschen lassen. Die Texte sind gespickt mit Referenzen, deren Sinn man erstmal nachschlagen muss und Jan Delay gibt sich nachdenklich wie eh und je. Insgesamt bestätigt sich die Ankündigung, die er im Intro macht: „Schmeiss keine Steine mehr, schmeiss jetzt Discokugeln/Nee, war’n Gag/Ich tu noch jammern und meckern“. Die Deutschen werden bei ihm zu Kartoffeln, die an Geschmacklosigkeit leiden. Er macht Anspielungen auf das Dritte Reich („Der Flavour ist braun und der Groove, der ist Marsch/Und wir haben keinen Stock, sondern ‘nen Wald im Arsch“) und bequengelt die heutige Kulturarmut („Ja, wir scheißen auf Mucke, wollen lieber Bausparen/Darum haben andre Bob Marley und wir haben Klaus Lage“). Er singt von seelenlosen Menschen, die ebensolche Objekte kaufen (Plastik), von seinem Unverständnis für Fishbone-Klamotten-Käufer und Beim-Schuh-des-Manitu-Lacher  – und  erkennt „Wer weniger weiß/Der kann besser schlafen“ (Ahn’ ich gar nich’).

Wenn Jan Delay jedoch von Kirchturmkandidaten singt, die genug davon haben, ständig von allen verarscht zu werden und jetzt zurückschlagen, dann nervt der erhobene Zeigefinger und die Botschaft wirkt vor allem abgedroschen. So auch bei Feuer, das  der Mensch - na was wohl - sich im Herzen bewahren soll. Es sei dem selbsternannten Superstyler No. 1 verziehen, ebenso wie einige Anspielungen, deren geschmackliche Treffsicherheit etwas fragwürdig ist: Mal ist die Rede von Beats und Melodien, „die burnen wie Rolf Töpperwien“ (Intro). Auch haben wir „lang nicht mehr so geile Beats bekommen/ die Scheiße knallt wie im Libanon“ - äh, wie bitte? Besser nicht auf die Goldwaage legen.

Die Coverversion von Rio Reisers Für immer und Dich und die Kollaboration mit Udo Lindenberg (Im Arsch) sind wieder auf der Plus-Seite zu verbuchen. Beide sind im Gegensatz zum Rest des Albums eher ruhig, und  mit Im Arsch als letztem Titel wird der Hörer beinahe mit einer kleinen Depression zurückgelassen, doch irgendwie hätten diese Stücke auch nicht fehlen dürfen.

Fazit: Es ist nicht alles Discokugel, was glitzert. Jan Delay hat musikalisch wieder mal was neues ausprobiert – und das hört sich gut an. Wenn es um die Inhalte geht, ist er aber noch ganz der Alte – und das ist auch gut.

Solveig Wrage

Offizielle Homepage:
http://www.jandelay.de

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Audioslave - Revelations

Mittwoch, 13. September, 2006 at 9:42 Uhr vormittags (Rezensionen, Rock)

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Gerade mal ein Jahr ist es her, dass Audioslave ihren zweiten Longplayer Out of Exile an den Start gebracht haben. Die Enttäuschung nach dem vielversprechenden Debüt wog seinerzeit schwer. Und sicherlich wiegt ebenso schwer auch immer noch die Tatsache, dass Chris Cornell nicht Zack de la Rocha ist. Vielleicht ist es nun beim dritten Album Revelations aber auch endgültig der Punkt gekommen, an dem man sich von Rage against the Machine verabschieden und Audioslave als das ansehen sollte was es ist: Eine Fusion von großartigen Musikern, die zwar noch in Grundzügen an ihre vergangenen Bandmitgliedschaften erinnern, jedoch vielmehr auf Eigenständigkeit bedacht sind als auf eine Kopie von Erfolg durch eine Kopie ihrer selbst.
Demnach sollten Menschen, die Audioslave noch nie mochten, trotzdem aber auf eine Wiedergeburt von R.A.T.M. warten, auch hier die Finger bei sich behalten. Neben Cornells markanter Stimme ist es vor allem mal wieder Tom Morellos Gitarrenspiel, das sämtliche Songs dominiert. Statt jedoch ein Akkordfeuerwerk abzubrennen, bleibt sein Sound sehr ausgewogen und erstaunlich funky. Schon im Opener Revelations vermengen sich langsame Passagen mit harten Riffs und der Song verbreitet Lust auf das was da noch kommen mag. Und das weiß wirklich zu gefallen. Man merkt dem Album regelrecht an, dass Audioslave schon eine Zeitlang mit dem Material auf Tour waren. Die Tracks wirken sehr ausgereift und das groovig-funkige Schema der Songs funktioniert perfekt ohne, dass Stakkatos und betonharte Gitarrenwände außen vor bleiben. Einen Faux-Pas findet man auf dem Longplayer nicht einmal im Ansatz. Tom Morello liefert auf Revelations wohl seine beste Leistung seit The Battle of Los Angeles ab.
Inhaltlich die größte Überraschung ist, dass statt wie bisher nur in der Schublade „Cornells kleine Anekdotensammlung“ herumzukramen auch politische Themen zum Ausdruck kommen. So setzt sich etwa Wide Awake mit dem Desaster auseinander, das Hurricane „Katrina“ in New Orleans hinterlassen hat und dem damit verbundenen gelähmten Engagement der Bushregierung.
Eine Offenbarung, wie der Albumtitel suggerieren mag, ist Revelations nicht. Nichtsdestotrotz ist es jedoch ein hervorragendes Rockalbum. Nichts für die einsame Insel, aber auf jeden Fall ein musikalischer Genuss, der sich insbesondere durch das Genie Tom Morellos definiert, das immer besser mit dem Gesang Chris Cornells harmoniert.

Jean-Christophe Bocquier

Offizielle Homepage:
http://www.audioslave.com

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LOADED - “Rien ne va plus” im ELZ, Bremen, 16. September 2006

Dienstag, 12. September, 2006 at 3:24 Uhr nachmittags (Konzerte)

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Da die Veranstalter der Loaded Partyreihe auf unseren letzten Artikel und eine Mail unsererseits an sie geantwortet haben, liegt es nun an uns näher auf die Antwort einzugehen. Zum einen ein Lob an die Veranstalter, dass sie sich die Anregungen und Verbesserungsvorschläge der Besucher zu Herzen nehmen und umgehend geantwortet haben. Es scheint jedenfalls mehr als eine E-Mail bei Roughntough eingegangen zu sein. Es lebe das Internet. Danke auch an diejenigen, die Beschwerde- und Verbesserungsmails geschickt haben.

Ein Beschwerdepunkt war die äusserst versiffte Toilette. Sicher, die Veranstalter können nichts machen, wenn die ein oder andere Pappnase die ganze Rolle auf einmal in die Schüssel wirft. Aber ein Toilettenwagen war dann vielleicht doch nicht genug. Oder vielleicht hätte man lieber eine Klofrau anstellen sollen, um das Schlimmste zu vermeiden.

Ein weiterer Kritikpunkt war die lieblose Dekoration, der ansonsten coolen Location. Uns wurde in der Antwortmail versichert, dass es sich bei RoughnTough um ein Unternehmen mit nur einer Handvoll Mitarbeiter handelt, die sich mit einer besseren Dekoration schlichtweg arbeitskrafttechnisch überfordert sah und schon alle Kräfte aufbot, um den Platz so herzurichten, wie er an dem Abend war. Wer soll das denn glauben? Für einen Fünfer mehr hätten sich sicher auch die Bardamen erbarmt noch ein Tarnnetz, oder das ein oder andere Palmblatt aufzuhängen.
Darauf, dass im Chillout nicht genügend Sitzplätze waren, dass es keine Playlist gab und dass es nur Jever zu kaufen gab, wurde von den Veranstaltern nicht eingegangen. Mal sehen, was sich bis zum 16. September so verändert hat.

Der hohe Preis wurde wohl auch von mehrere Besuchern kritisiert. 20 Euro sind viel, das ist wahr, aber man muss den Veranstaltern auch zugestehen, dass man für sein Geld auch viel gute Musik geboten bekommt. Der Eintritt zur Aftershowparty könnte aber schon im Preis mit inbegriffen sein.

Am 16. September geht Loaded also in die zweite Runde und glänzt wieder mit D&B Schwergewichten, wie Hype, Adam F. und Dope Ammo. Mat Lamont, NAPT und Norris Windross sind für die Breaks am Start und Michi Lange und Sven Strenger für die Housefreunde im Einsatz. Die Open-Air Area wird wegen der großen Beliebtheit beim letzten Loaded noch mit zusätzlichen Acts verstärkt und es riecht nach einer guten Party.
Auch wenn sich viele nach dem letzten Mal beschwert haben, fett war es doch trotzdem und jeder verdient ne zweite Chance.

Thomas Mader

Offizielle Homepage:
http://www.roughntough.de

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Iron Maiden - A Matter Of Life And Death (Eloge und Kritik)

Sonntag, 10. September, 2006 at 11:46 Uhr nachmittags (Rezensionen, Rock)

 

Es ist doch so: Auf nicht wenige von uns übten Iron Maiden in der Jugend eine außerordentliche Faszination aus. Diese befremdliche Bandsymbolik, dieser Todeskitsch, dieser Untote namens Eddie, der den Teufel aufspießt. Dieser Status als Inbegriff des Heavy Metal, den sie im Gegensatz zu Metallica bis heute halten können. Anfang der Neunziger fand mein ganzer Freundeskreis Iron Maiden cool, aber niemand fand Judas Priest cool, obwohl Judas Priest ähnlich gestrickt waren und mit „Painkiller“ ein wuchtiges Comeback feierten. Seltsam.

Iron Maiden-Alben auseinanderzuhalten, das war für viele Menschen die erste Berührung mit Metaphysik. Zu gleich sahen die Cover aus, zu ähnlich schienen die Riffs, um sie einordnen zu können, geschweige denn ein Lieblingsalbum zu bestimmen. Aber es musste natürlich sein, und ich war natürlich faul und entschied mich einfach für das Album, das ich schon am längsten kannte (Fear Of The Dark) und erntete ein paar Buhrufe seitens der vermeintlichen Die-Hard-Fraktion. Dafür konnte ich den kompletten Soloteil von Afraid To Shoot Strangers mit dem Mund nachdüdeln, während ich in der Schule nur den „Erlkönig“ auswendig lernen musste.

Nun schickt es sich natürlich nicht, von den „guten, alten Zeiten“ zu reden, wenn diese zum einen noch gar nicht lange her und zum anderen noch längst nicht vorbei sind. Seit ihrem vielgepriesenen Comeback-Album Brave New World, das ja nur ein Comeback ihres Sängers Bruce Dickinson war, gesellen sich Maiden wieder zur Speerspitze des modernen Heavy Metal. Sie tourten um die Welt, rockten live in Rio und legten sich mit Sharon Osbourne an, die ihnen beim Ozzfest den Strom abdrehen wollte.

Es folgt Album Nummer vierzehn. Beim Hören ihres neuen Werkes muss fairerweise eingeworfen werden, was zwischenzeitlich immer wieder in Vergessenheit gerät: Es stimmt einfach nicht, dass Maiden-Alben immergleich klingen. Das war schon in den Achtzigern nicht so, und erst recht im direkten Vergleich von A Matter Of Life And Death und The Number Of The Beast fallen wesentliche Unterschiede auf.

A Matter Of Life And Death ist das wohl bisher düsterste Album der Band. Das liegt nicht nur an dessen weitgehender Thematisierung von den Leiden des Krieges, sondern auch an den Gesangslinien, den Melodien und den Tonfarben, die nicht mehr so flirrig und verspielt wie einst daherkommen, sondern zäh und kräftig sind. Das ist leider nicht immer so erfreuend wie beim bedrohlich auftrumpfenden Brighter Than A Thousand Suns: Wer die CD einlegt und sofort nach Gitarrenluftsprüngen in der Art von Invaders oder Aces High lechzt, wird nicht nur vom Opener Different World enttäuscht sein. Iron Maiden haben hier einen Gang heruntergeschaltet von „sehr schnell“ auf „mittelschnell“. Diese Entwicklung, die schon auf Dance Of Death erkennbar war, macht sich schmerzhaft bemerkbar.

Andererseits ist das zweite Death-Album in Folge weit davon entfernt, ein absoluter Tiefpunkt zu sein. Zwei Bestandteile ragen besonders heraus. Zum einen wäre da die Stimme von Bruce Dickinson, die viel mehr ist als nur eine „Sirene“. Im Gegenteil: Im bisher kaum gekannten Maße gesellt er sich auch in tiefere, bedächtige Stimmlagen und reizt die Variabilität seines Organs sehr gut aus. Zum anderen die Produktion von Kevin Shirley – noch nie klang die Band so druckvoll wie hier. Allein daraus lässt sich schon erkennen, dass Iron Maiden nicht in den Achtzigern stecken geblieben sind. So wirken auch jene Songs, die noch am ehesten im alten Maiden-Stil konzipiert sind, frisch und eigen, und eben diese Stücke gesellen sich vorne in ihrem Oeuvre ein.

Es ist im Übrigen gar nicht mal selbstverständlich, dass ich nun gerade die konventionelleren Stücke mit den großangelegten Refrains (For The Greater Good Of God, These Colours Don’t Run und The Pilgrim) am stärksten finde. Auf den Vorgängeralben war das stellenweise andersrum. Doch schon die neuen Songlängen von durchschnittlich siebeneinhalb Minuten sprechen eine deutliche Sprache und geben zu bedenken, dass manches Stück Gefahr rennen könnte, zu lang zu geraten. Und so ist es dann auch: Nach einem ruhigen, etwa zweiminütigen Intro folgt meist ein Umschlag in härtere Gefilde, um am Ende wieder den ruhigeren Rahmen zu finden. Das funktioniert zwar ein bisschen besser, wenn man sich das Album am Stück anhört, da auf diesem Weg die ruhigen Einklänge durch die ruhigen Ausklänge des vorhergehenden Titels legitimiert werden. Aber es ist nichtsdestotrotz eine durchschaubare Songwriter-Taktik, und zudem erinnert es an das ungeliebte The X-Factor. Auch der Strophengesang könnte um ein bis zwei Minuten gekürzt werden, denn im Grunde freut man sich sowieso ganz besonders auf die dreistimmigen Gitarrenduelle, die dann meistens auch fantastisch sind.

Einen Meilenstein, wie Maiden sie in den Achtzigern am Fließband schufen, konnten sie mit A Matter auf Life And Death nicht setzen. Wohl aber ein Ausrufezeichen, mit dem sie klarstellen, dass ihnen noch einmal ein ganz großer Wurf gelingen wird! Entgegen allen Unkenrufern, die sich über 25 Jahre alte Knackerbands lustig machen, ist dieses Flaggschiff nämlich immer noch relevant. Das finden nicht nur Coheed and Cambria.

Henning Baucke

Offizielle Homepage:
http://www.ironmaiden.com

 

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The Roots - Game Theory

Samstag, 9. September, 2006 at 8:39 Uhr vormittags (Hip Hop, Rezensionen)

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Haben The Roots das wirklich nötig? War ein Wechsel von MCA zum Black Music-Monster Def Jam vonnöten, dem Label, auf dem so illustre Entertainer wie Rihanna und LL Cool J gesignt sind, und bei dem Jay-Z ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat? Nein, wohl nicht. Man möchte den Mannen um Questlove und Black Thought einfach keinen Ausverkauf vorwerfen wollen. Und die Label-Kollegen kann man sich halt auch nicht immer aussuchen. Die Wahl eines anderen, kleineren Labels wäre allerdings ein schönes Zeichen gewesen.

Haben The Roots das wirklich nötig? Können sie sich nicht einfach auf ihre eigenen Stärke, respektive sich selber besinnen, anstatt sich der Kollaborationswut hinzugeben, die seit geraumer Zeit überhand nimmt? Nein, sie haben das natürlich nicht nötig und ja, in gewisser Weise besinnen sie sich auf ihre Stärken. Es finden sich keine der üblichen Verdächtigen auf Game Theory wenn es um das Thema Kollaboration geht: Weder ein Timbaland, noch ein Jermaine Dupri oder Pharrell kommen hier zum Zug. Statt dessen: Malik B., Maimouna Youssef und Nouveau Riche. Also alles im grünen Bereich.

Haben The Roots das wirklich nötig? Müssen sie sich von einem altklugen Rezensenten kritisieren lassen ob ihres Wechsels hin zum Major und sich hinterfragen lassen ob ihrer Kollaborationen? Nein, auch das natürlich nicht. Die musikalische Integrität der Roots steht über all diesen Fragen und Zweifeln. Auch wenn dabei, wie auf Game Theory, dann und wann stinknormale Rapsoul-Nummern wie Clock With No Hands oder das abschließende Can’t Stop This herausspringen. Selbst diese befinden sich qualitativ auf einem Level, das sich weit über der Reißbrettkreativität der wohl meisten anderen Def Jam-Acts bewegt. Die stärksten Momente des Albums finden sich immer dann, wenn die schon angesprochenen Kollaborationen auf ein Minimum reduziert werden und dabei Songs wie der Titeltrack Game Theory, Take It There, das trip-hoppige Atonement und vor allem Don’t Feel Right, ein veritabler Hit, größer als The Seed 2.0, entstehen. Auch wenn dem Album gegen Ende ein wenig die Luft auszugehen droht, bleibt festzuhalten, dass in diesem Jahr wahrscheinlich kein besseres Black Music-Album aus den USA auf den Markt kommen wird. Hieran ist die Krise abzulesen, in der sich viele dieser so genannten Künstler befinden, denn Game Theory ist keineswegs die beste Platte der Roots, lediglich eine sehr gute.

Kai Wehmeier

Offizielle Homepage:
http://www.theroots.com/

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The Thermals - The Body The Blood The Machine

Freitag, 8. September, 2006 at 8:34 Uhr nachmittags (Rezensionen, Rock)

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The Body The Blood The Machine, das dritte Kind von The Thermals, wird die Fangemeinde in zwei Lager spalten. Auf der einen Seite wird es die geben, die von der Unordnung, der rohen und so gut wie unproduzierten Songs auf den Vorgängeralben More Parts Per Million und Fuckin A so begeistert waren, dass sie gelangweilt sein werden. Auf der anderen Seite werden andere ihren Finger erheben und sagen: endlich Produktion, endlich Struktur und zehn richtige Songs am Stück. Nebenbei: produziert hat diesmal Brendan Canty, der einigen von Fugazi bekannt sein dürfte. Diese Personalie dürfte eigentlich schon verdeutlichen, dass man es auf The Body The Blood The Machine nicht mit normalen Popsongs zu tun hat. Nur im Vergleich mit den Vorgängern wurde der schraddelige Indie-Punk um einige Noten begradigt, um einige Melodien und Hooks angereichert und mitunter auf fünf Minuten ausgedehnt. Das mag vielleicht nicht jedem gefallen, aber ein offenes Ohr für die nach wie vor exakten, kritischen und dringlichen Lyrics von Hutch Harris sollte eigentlich auch diese Menschen versöhnen.Drei Auszüge gefällig? Bitteschön:

so we’re packing our things / we’re building a boat / we’re gonna create the new master race / ‘cause we’re so pure, oh lord we’re so pure

locusts, tornadoes, crosses and nazi halos / they follow, they follow / […]i might need you to lead / and part the sea so we can cross / if they follow us still / i might need you to kill

you need to let go / we’re more equal / we’ll move you people off the planet / ‘cause goddamn, we need the fuel!

Die Songs heißen Here’s Your Future, I Might Need You To Kill und Power Doesn’t Run On Nothing. Es darf kurz jubiliert werden und dann schnell noch mal auf repeat drücken, bitte.

Kai Wehmeier

Offizielle Homepage:
http://www.thethermals.com/

Free Song Download:
The Thermals - A Pillar of Salt 

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Raise Your Hand and Clench Your Fist! Rise Against in der Markthalle, Hamburg, 29.08.2006

Freitag, 8. September, 2006 at 8:29 Uhr nachmittags (Konzerte)

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Die letzten Geschäfte in der Hamburger Innenstadt haben gerade ihre Türen geschlossen, die städtischen Lebensformen ziehen sich wie immer um diese Zeit in die Randgebiete und ihre Wohnviertel zurück. Den einzigen Grund an einem Dienstag Abend im Dunstkreis der Innenstadt zu bleiben sollte wie so oft die Markthalle in Gestalt dreier höchst gehandelter Melodycore-Formationen bieten: BERRI TXARRAK, A Wilhelm Scream und als Hauptact natürlich Rise Against. Auf dem kurzen Weg vom Hamburger Hauptbahnhof hinauf zur Markthalle konnte einem schon mulmig werden. Wie lange ist es her, dass man innerhalb von fünf Minuten von gut einem Dutzend jugendlicher Bandshirt-, Baseballcap- und Vansträger um Eintrittskarten angebettelt wurde? Und überhaupt: Wie schnell haben es Rise Against doch geschafft von einem kleinen Insidertipp zu einem Act aufzusteigen, der mal eben die Markthalle bis auf den letzten Stehplatz füllt? Der Abend sollte einige Erkenntnisse liefern. Pünktlich um 20:30h betreten BERRI TXARRAK die Bühne und haben ebenso wie die anschließend spielenden A Wihelm Scream mit einer unglaublich schlechten Aussteuerung zu kämpfen, letztere darüber hinaus auch noch mit sich selber. Alles in allem zwei nicht weiter erwähnenswerte Auftritte. Aber schön, dass ihr es versucht habt.

Um kurz nach 22h bekommt die Meute endlich wonach sie lechzt: Rise Against kommen auf die Bühne und spielen eine ebenso mitreißende wie schweißtreibende Setlist: State of the Union als Opener und das anschließende Black Masks and Gasoline sind ein sichere Bank, Like the Angel, Life Less Frightening, Tip the Scales und Anywhere But Here mittlerweile Klassiker, dazu noch hier und dort ein paar Songs vom aktuellen Longplayer The Sufferer and the Witness und besänftigt konnte die Melodycore-Gemeinde nach euphorischen 75 Minuten von dannen gehen. Es ist schon erstaunlich, wie einfach es mittlerweile für Rise Against ist Hit an Hit zu reihen – wenn man dazu einmal Hit sagen darf –, ohne dass ein qualitativer Abfall zu bemerken wäre. Die Zutaten zu diesem Erfolg sind eigentlich sehr simpel: Man nehme ein wenig Aggressivität, eine gute Hookline, eine Portion an politischen Parolen und die empor gereckte Faust und voilá: fertig ist das Süppchen für den durchschnittlichen 17jährigen Fat Wreck-Fan, der Rise Against den Wechsel zu einem Major gerade noch so verzeihen konnte. Warum auch beleidigt sein? Es war doch gerade Siren Song of the Counter Culture, das Majordebut, das als Referenz des Genres und der Band zu gelten hat. So war es auch nicht verwunderlich, dass gerade zu Songs dieses Albums die meisten Fäuste, die verschwitztesten blanken Oberkörper zu sehen und das lauteste Gegröle zu hören war. Der Erfolg sei ihnen gegönnt, waren zuletzt doch selten Aggressivität und Melodie so wunderbar vereint wie hier. No place that I’d rather be than right here, right now.

Kai Wehmeier

Offizielle Homepage:
http://www.riseagainst.com/ 

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