Pharrell - In my Mind

Pharrell Williams Album In My Mind hält nicht, was der Titel verspricht. Das ist die wohlwollende Auslegung. Es ist natürlich auch möglich, dass da einfach nicht viel mehr im Kopf des N.E.R.D.-Mitbegründers vorgeht, als das, was auf dem Album zu hören ist.
Gut, bei dieser Art von HipHop/Pop stehen die Texte nicht unbedingt im Vordergrund. Für Nicht-Muttersprachler sind sie sowieso nicht ohne weiteres verständlich. (Wenn man jedoch diverse Datenbanken für Songtexte durchsucht, wird schnell klar, dass es den Insidern bzw. denen, die sich dafür halten, nicht besser geht.) Soviel lässt sich allerdings sagen: Pharrell besingt vor allem seinen Erfolg (Can I Have It Like That, How Does It Feel), den Weg zu seinem Erfolg (Best Friend) und Menschen – ok: Frauen – die sich in seinem Erfolg sonnen wollen (Raspy Shit). Auch die obligatorische „Wenn ich es schaffe, kannst du es auch“-Botschaft darf nicht fehlen (You Can Do It Too), ebensowenig wie eine Danksagung an den Lieben Gott (Our Father). Es ist vermutlich überflüssig zu erwähnen, dass „es schaffen“ bedeutet, dem bösen Drogen- und Gangsta-Milieu zu entrinnen.
Manchmal kann es aber auch von Vorteil sein, nicht jedes Wort mitzubekommen – so kann man zu der Musik tanzen und den Anflug von Sexismus, die hie und da aufflackert, ignorieren. Oder wie nennt man das nochmal, wenn Frauen vorrangig als Lust-Objekte oder Tussis, die es nur auf den Ruhm und das Geld des Mannes abgesehen haben, beschrieben werden? Schwieriger ist es da schon das „N-Wort“ auszublenden, was gefühlte alle drei Takte fällt. Schon klar, die Bedeutung ist nicht rassistisch, sondern so etwas wie „Alter“. Aber mal ganz abgesehen von political correctness: Es nervt einfach.
Ansonsten ist das Album von im Genre des Pop üblichen seichten Love-Songs geprägt, gerne auch in Kollaboration mit anderen Künstlern, wie z.B. Snoop Dog (That Girl), Jay-Z (Young Girl), Nelly (Baby) oder Kanye West (Number One). Doch auch die sind ziemlich unspektakulär. Einziger Lichtblick: Angel klingt ein bisschen nach den Jackson Five und macht gute Laune.
Auch wenn man dem Album eine gewisse Tanzbarkeit zugestehen muss, bleibt die Bilanz enttäuschend. Irgendwie hat man dem Mastermind mehr zugetraut. Schließlich konnte er zusammen mit Chad Hugo als Produzenten-Duo The Neptunes sogar Britney Spears einigermaßen erträglich machen. Ohne gleich von „Inzest“ reden zu wollen: Der Über-Produzent, der sich selber produziert… da fehlt wohl ein bisschen Input.
Solveig Wrage
Offizielle Homepage:
http://www.pharrellwilliams.com/