Lily Allen - Alright, still…

Alright, still… ist ein guter Grund, Popmusik zu hören – und auch dazu zu stehen. Letzteres fällt ja ab und zu ein bisschen schwer, weil man eigentlich weiß, wie uncool es ist, sich von Musik beschwingen zu lassen, die keinem weh tut. Aber das Debüt von Lily Allen zeigt, dass beides geht: „Leichte“ Musik und Texte, die nicht völlig sinnfrei sind.
Vielleicht sind es gerade die Kontraste, die Alright, still… zu einer Ausnahme machen. So gesehen ist LDN (in England die erste Single, in Deutschland erst nach Smile erschienen) bezeichnend für das ganze Album: Der stylishe Typ im Park – ein Zuhälter; der hilfsbereite Junge – ein Dieb. Nur wer einen zweiten Blick auf den schönen Schein wirft, erkennt darin die Fassade und sieht die Abgründe, die sie verdeckt. Mal swingt die Melodie, betört die zarte Stimme der Engländerin – und ist doch eigentlich nur Ausdruck ihrer Schadenfreude über den Ex, der sie betrogen hat und nun am Boden zerstört anruft (Smile). Ein anderes Mal klingt die Musik, als wäre sie für einen Disney-Themenpark komponiert worden (Alfie). Aber ob es dort Musicals über kleine Brüder gibt, die zuviel kiffen und große Schwestern, die besorgt fragen, „Wie zum Teufel willst du jemals flach gelegt werden, wenn du den ganzen Tag mit Computerspielen verbringst“? Die Diskrepanz zwischen „Verpackung und Inhalt“ ist allerdings bei weitem nicht der einzige Gegensatz auf Alright, still…: Ironische bis hämische Abrechnungen mit Verflossenen gibt es nicht zu knapp (Smile, Not Big, Shame For You). Aber eben auch eine klavierbegleitete, melancholische Erinnerung daran, wie es am Anfang einer inzwischen zerbrochenen Beziehung war (The Littlest Things). Mal mokiert sich Allen über abfuhrresistente, besoffene Typen im Pub (Knock ‘Em Out), mal über die Tussi im Club, die den Zickenkrieg mit ihr sucht (Friday Night). Musikalisch reicht die Bandbreite von Swing bis Ska, die 21-jährige singt und flucht mit elfengleicher Stimme – und rappen tut sie auch gelegentlich.
Egal ob Pop, Swing, Ska, Gesang oder Rap: es funktioniert. Das liegt nicht zuletzt daran, dass stets jede Menge Gelassenheit und eine Spur Sarkasmus im Spiel sind. Eine CD, die man sich kaufen und nicht verstecken sollte.
Solveig Wrage
Offizielle Homepage:
http://www.lilyallenmusic.com/