Nas - Hip Hop is Dead

Montag, 18. Dezember, 2006 at 8:47 Uhr vormittags (Hip Hop, Rezensionen)

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Nas’ neues Album Hip Hop Is Dead ist raus und die Erwartungen sind hoch. Hip Hop Is Dead ist ebenso die neue gleichnamige Single und der Titel ist zwar nun grad nicht besonders originell, aber man horcht trotzdem auf. Und dann muss man herausfinden, dass Hip Hop Is Dead, der als große Revolutionshymne angelegte Track, vom dem Mann, der Hip Hop-Sellout gerade so groß repräsentiert wie kein zweiter, Mr. Will.I.Am, seines Zeichens Mitglied der Black Eyed Peas, den Track produziert hat und auch noch die Hook singt. Ich bin immer für versteckte Ironie zu gewinnen, aber das war wohl nicht so gemeint. Und geil ist der Beat auch nicht. Erst ein bisschen Orgel von DJ Shadow geklaut und die Drums hat man bereits auf 50 anderen Platten gehört. Sollte nicht mal Premier das neue Album produzieren? Besser wäre es gewesen. Irgendwie sind die Beats einfach nicht besonders cool, mit ein paar Ausnahmen, wie z.B. Still Dreaming.

Dann kommen wir mal zum guten Teil:
Nas ist immer noch der Street Poet und das Storytelling ist immer noch fresh. Oft sogar so gut, dass man die Beats einfach ignorieren kann. Wie wärs denn mal mit einem Spoken-Word Album? Das Feature mit Jay-Z, Black Republikans ist ziemlich cool, und wenn man mal so die ganze Beef Geschichte überdenkt, ein Feature, dass man so wohl lange Zeit nicht für möglich gehalten hat. Neben dem Jigga-Man dürfen noch Kanye, The Game, Kelis und Snoop Dogg ran und am Ende kommt dann doch noch ein ganz passables Album raus, aber ein Meilenstein ist es dann doch auch nicht.

Hip Hop ist trotzdem noch lang nicht am Ende und Nas lebt noch ein bisschen vom Legendenstatus.

Thomas Mader

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http://www.streetsdisciple.com/

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We are Scientists - Crap Attack

Samstag, 16. Dezember, 2006 at 1:26 Uhr nachmittags (Rezensionen, Rock)

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Nachdem uns We are Scientists mit With Love And Squalor dieses Jahr schon eine wahre Ohrwurmtorte auf den Tisch gestellt haben, legen sie jetzt noch mal nach und präsentieren uns mit Crap Attack ein „B-Sides, Videos, Remixes und Rarities“-Album, sowie eine DVD.

Fangen wir mal mit der CD an, die diesem Doppelpack beiliegt. Ganz in der Tradition von Rarities-Alben finden sich hier ein paar alternative Versionen regulärer Songs. Erkennbar sind diese auf Crap Attack durch den Namenszusatz „…under the Sea“. Da gibt es z.B. Nobody Move, Nobody Get Hurt Under the Sea oder The Great Escape Under the Sea; Unplugged-Versionen von With Love and Squalor-Songs und gleichzeitig der einzige Kritikpunkt an der Scheibe. Was als Rocksong mehr als gut funktioniert, schafft es in diesem Fall in der Akustikversion absolut nicht. Dröge plätschern diese Songs vor sich hin und nehmen dem Album einiges an Dynamik. Zum Glück ist das aber zu verkraften, denn Songs, wie Ram it Home, Mucho Mas, Hippipolla oder History Repeats bügeln diesen Faux-Pas sofort wieder aus. Zudem gibt es noch ein paar Coverversionen, die die drei New Yorker Wissenschaftler auf ihre ganz eigene Weise interpretieren. Art Bruts Bang, Bang Rock n Roll geht da locker schonmal als Song durch, den man auf’s erste Hören vielleicht Iggy & The Stooges zuschreiben würde und mit Bela B‘s Sie hat was vermisst kommt eine Freude auf, die vergleichbar ist mit der, die sich seinerzeit beim Lauschen von Mike Pattons Der Schutzenfest entfaltet hat. Wobei sich die deutsche Aussprache in diesem Fall schon fast auf Roger Whittaker-Niveau befindet, aber wir haben es hier ja auch mit Wissenschaftlern zu tun und nicht mit Tüftlern.

Nachdem die CD eigentlich schon den Griff in Plattenregal rechtfertigt, liegt dem Paket aber noch eine DVD bei, die diesen unvermeidlich macht. Wo gibt es das noch, dass eine Band zu jedem Song auf ihrem aktuellen Album ein Video dreht und diese dann sozusagen als Bonus einer CD beilegt? Insgesamt 13 Musikvideos zu Songs von With Love and Squalor gibt es hier zu erkunden und wer schonmal des Nächtens einige Klingeltonwerbungen über sich hat ergehen lassen und dann das Glück hatte ein Video der Scientists zu sehen, weiß, dass sich hier noch Leute Gedanken machen über die visuelle Präsentation ihrer Songs.

Eine Attacke auf die Ohren ist diese CD auf jeden Fall, ein Angriff auf die Augen zusätzlich auch noch, Schrott hingegen auf gar keinen Fall. Über ein zwei kleine Schwächen kann man getrost hinweg sehen, denn einmal mehr beweisen die drei New Yorker, in ihrer spleenigen Art und Weise über welches musikalische Spektrum sie verfügen.

Jean-Christophe Bocquier

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Jurassic 5 - Feedback

Samstag, 16. Dezember, 2006 at 12:38 Uhr nachmittags (Hip Hop, Rezensionen)

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Subtrahiert man Blingbling, Bitches und Gangsta-Attitüde vom amerikanischen HipHop des beginnenden 21. Jahrhunderts – ja, was bleibt da noch übrig? Will Smith? Wer so denkt, hat die Rechnung ohne Jurassic 5 gemacht. Ihr drittes Album Feedback zeigt nämlich, dass es auch dieser Tage noch nicht unmöglich geworden ist, HipHop und gute Laune zu kombinieren. Keine Klischees und keine Vom-Hustler-zum-Plattenmillionär-Geschichten. Mal keine selbsternannten Pimps, die sich mit leichtbekleideten Damen, pardon: bitches,  dekorieren während sie sich darüber echauffieren, dass die Bräute es nur auf das Geld abgesehen haben. Und das, obwohl die mittlerweile nur noch vier MC und einen DJ-starke Crew South Central stammt, dem Vorort L.A.s, der durch die Kämpfe zwischen Gangs wie den Bloods und den Cribs zu zweifelhafter Berühmtheit kam. Die Band, die sich Anfang der 1990er Jahre formierte, müsste sich die Geschichten vermutlich nicht einmal aus den Fingern saugen. Doch stattdessen zeigen sich die Herren eher befremdet durch das Verhalten ihrer Kollegen und fragen, wie es bloß dazu kam, dass man den Mädchen früher sagte, dass man sie liebt, und sie heute Huren nennt (End Up Like This). „Jurassic 5 won’t apologize for not making gangsta rap music“, heißt es auf der Homepage der Crew. Ist auch nicht nötig. Feedback beweist, dass es auch ohne abgedroschene Messages geht – und manchmal auch ganz ohne. Was nicht bedeutet, dass der Rap hier zu einer Aneinanderreihung gängiger Phrasen und leerer Worthülsen verkommt. Wo es an (tiefschürfendem) Inhalt fehlt wird originell gereimt und zitiert. Auch was das im Genre üblichen Sampling angeht haben Jurassic 5 eine glückliche Hand. Ob Prince, Al Green oder andere Stücke aus den 1970ern (z.B. Gotta Understand, Baby Please) – die verarbeiteten Stücke tragen zu einem nicht geringen Teil zum Old School-Feeling des Albums bei.

Fazit: Ein Gute-Laune-Album durch und durch, bei dem man ohne schlechtes Gewissen die Texte ausblenden und lässig im Takt der Musik mit dem Kopf nicken kann.

Solveig Wrage

Offizielle Homepage:
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Beck - The Information

Samstag, 16. Dezember, 2006 at 12:31 Uhr nachmittags (Electronic, Rezensionen)

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Wer behauptet Beck sei auf seinem neuen Album The Information weniger Folk als auf den Alben zuvor, der hat wohl nicht richtig hingehört. Beck macht Folk, wie einer der Folk liebt, macht Elektro, wie einer der Folk liebt, rappt, wie einer der Folk liebt und ist immer noch für diejenigen, die Dylan nicht mögen und sich dafür böse Blicke einfangen der Notnagel, denn wenn man ein „Aber Beck find ich gut.“ nachschiebt, dann kann man sich ab und zu noch vor  Prügeln retten.

The Information hält keine großen Überraschungen für den Hörer bereit. Wildes Turbosampling, Telefonklänge, DJ-Gecutte oder White-Boy Rap, das alles kennt man schon und irgendwie wäre es vielleicht zuviel der Überraschung gewesen, wenn das plötzlich anders gewesen wäre. The Information ist trotz alledem ein gutes Album, das seinen Charme erst nach ein paar Mal hören offenbart, aber auch dann nur bei genauerem Hinhören. Grosse Hits, die man auf Guero noch hier und da finden konnte, bleiben auf The Information aus, dafür bildet das Album ein sehr harmonisches Ganzes aus dem kein Stück herausfällt oder negativ auffällt.

The Information ist kein Album um sich für eine Party aufzuheizen oder um mal wieder richtig in seinem Zimmer abzuspacken, dass sich die Nachbarn wundern. The Information ist eher für regnerische Sonntage, lange Autofahrten bei Nacht oder für Morgende mit Freund/Freundin im Bett. Und wenn ein Album so eine Stimmung erschaffen kann, dann lohnt sich der Kauf doch schon.

Thomas Mader

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http://www.beck.com/ 

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Princess Superstar - My Machine

Dienstag, 12. Dezember, 2006 at 10:50 Uhr vormittags (Electronic, Hip Hop, Rezensionen)

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Zeitmaschinentthematik, Uptempo- und Doubletimebeats. Das Intro weist in das Supernatürliche ein. “I’m gonna do something never seen before” ist die erste Ansage dieses Longplayers. Mrs Kirschner spielt mit Telepathie und der Unzweckmäßigkeit zu sprechen. Für Rap klingt das jedoch sehr gut.

Das Album spielt in der Zukunft und Frau Superstar wird zur berühmtesten Persönlichkeit die lebt, weil sie einen Supercomputer erfand und ihre Nachkommen alle Superstar heißen. Erwähnte ich dass sie berühmt ist, sie vergisst nicht es zu erwähnen.

Der “Flow” vom Vorgängeralbum IS ist auf diesem auch zu finden. Immer ein wenig hektisch, manchmal betont offbeat und wenn du ihr Freund wärst, würdest du dich nicht mit ihr streiten wollen. Dann wieder ausdrückliche On-beat Passagen, die Frau weiß zu betonen, und hin und wieder rappt sie in gekonnter BabySprache auf die minimal abwechselungsreichen Instrumentale ihre Passagen über Fame, Klone und die obligatorischen Duplikate ihrer selbst . Experimentelle Standards reichen standardisierten Experimenten die Hand ohne wie schon gehört zu klingen. Anspieltipp hierfür z.B. Track 6: On Top Bubbles. Wer Superstar kennt, hört ihren Style deutlich raus und wird dennoch nicht gelangweilt.

Ihre Vorliebe zu gelegentlichen Stilgrenzüberschreitungen fröhnt sie bei dieser LP auf Housebeats mit psychedelischer “Don’t you love me”-Hook in Mysterious Hanger. Wohingegen die von Bad Girls in NYC eher nach Kelis klingt (inklusive Distortion und Background Screams). Und immer wieder Anspielungen auf ihre Duplicants und aktuelle Showgrößen. Für nervöse Zeiten gibt es den Quitting Smoking Song zum mitsummen.

Im Vergleich zu den vorigen Erscheinungen klingen die Produktionen deutlich technoider, pumpen aber auch um einiges mehr an geraden BPM’s in die Ohrmuscheln. Yeah. “I need a real big dance hit to feel nice”. Zum Schluss noch einige Adjektive die zu dieser CD passen: abgespaced, funky, electro, female (ja), solide, neu, alt, future, old-school und tollklasseprima.

Könnte sogar als Weihnachtsgeschenk für einige Teenager durchgehen. Teilweise klingt der Sound wie Telekommander mit gutem Sprechgesang, Kool Keith mit zweitem X-Chromosom, Andre 3000 und Big Boi in einer Person, Mos Def ohne Filme, Fat-Girl-Slim, Mike Ladd und seine Infesticons oder einfach anspruchsvollerer Independent Post-Millennium Rap.

Wer nur Bad Babysitter (die Single mit Video vom letzten Album) kennt, sollte das dadurch gemachte Bild wegwerfen und in My Machine einsteigen und in die Geschichte der Zukunft starten. Viel Glück!

Hendrik Bloem

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http://www.princesssuperstar.com/

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The Beatles - Love

Dienstag, 12. Dezember, 2006 at 12:07 Uhr vormittags (Pop, Rezensionen)

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Ein neues Album der Beatles. “Love is old/ Love is you because the sky is blue it makes me cry”. Welches Album kann ein solches Wort wie Love als Titel tragen? Es sind die Beatles.
Eine Zusammenstellung großer Lieder. Für mich, dessen Eltern eher Stones und The Who hörten genau das Richtige für die Abende alleine oder mit vielen. Für das Auto im Sommer oder den MP3-Player während der Busfahrt im Winter.
Wunderschön und passend gesetzte Übergänge, die einen Beatles Laien wie mich aus Zeiten von Mixtapes, Samplebeats und sonstigen Verwurstungen nur ahnen lassen wann einer neuer Song beginnt. In der Sprache der Jungs:

Ich ging zurück, weil ich mit Julia über Eleanor Rigby sprach und sie mir gestand: “Ich bin ein Walross und will deine Hand halten”. Ich fuhr bereits ihr Auto, gab ihr mein Wort, dass nichts was ich tun würde ihren Sonnenkönig beschädige. Irgendetwas störte sie trotzdem. Es war eine Wohltat für Herr Drachen, dass sie sagte: ” Ich will dich”, denn in dem Durcheinander machte sie es mir schwer, aber ich bekam Hilfe. Also bin ich ihren Blackbird gestern ewig durch die Erdbeerfelder gefahren. “Mit dir oder ohne dich” sagte ich zu ihr, “weiß morgen sowieso keiner mehr”. Ausser Lucy aus dem Himmel, mit den Diamanten aus dem Garten von diesem riesigen Tintenfisch, ich glaube Octopuss hieß er. Ich nannte sie Lady Madonna und sie steckte mir, dass sie es mochte, wenn die Sonne hierher kam und ihr inneres Licht zum scheinen brachte. Sie kam oft zusammen mit ihrer lieben Prüdheit und heulte wie ein Baby. Heulte um die Revolution, damals in der UdssR als meine Gitarre sanft geweint hatte und einen Tag in dem Leben von Jude und der Seargent Pepper’s Lonely Hearts Club Band schilderte. Sie erzählte nie viel, aber pflegte “alles was du brauchst”, zu sagen, “ist Liebe”. Und so brauchte ich sie. Love, the Beatles.

Hendrik Bloem

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Isobel Campbell - Milk White Sheets

Montag, 11. Dezember, 2006 at 11:01 Uhr vormittags (Rezensionen)

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„Ein Wechselbad der Gefühle“ ist eine dieser pathetischen Formulierungen mit denen eine Unmenge von sogenannten Marketing-Experten neue Filme, Bücher oder CDs anpreisen. Warum kommt mir diese selten dämliche Beschreibung ausgerechnet bei Isobel Campbells neuem Album Milk White Sheets in den Sinn? Enttäuschung, die pure und bittere Enttäuschung! O Love is Teasin’ heisst der Opener des Albums der mich in äußerste Schreckzustände versetzte und zunächst das Schlimmste erahnen ließ. Nicht, dass diese mit Akustik-Gitarre ausgestattete inselig-angelsächsisch wirkende Volksballade schlecht ist, nein, aber ist der Opener einer CD nicht meist auch eine Art Ouverture und damit Vorgeschmack auf das was da noch kommen mag? Die nackte unbarmherzige Angst umklammerte mich, dass es eines dieser Alben werden könnte, in denen sich ein Künstler mal wieder auf die Wurzeln der Musik besinnt und mit viel Reduktion zurück zum Ursprung will. Viel Stimme, viel Gitarre und viel Lagerfeuer, oh nein!

Doch dann das, der zweite Track. Willows’ Song, ein Hoffnungsschimmer. Gemeinsam mit dem einsetzenden pulsierenden Percussion-Rhythmus haben sich auch meine vor Angst aufgestellten Nackenhaare wieder gesenkt. Ein Song wie aus einem Guss. Jetzt war wieder klar, warum sich dieses zweite Album von Isobel Campbell neben ihr erstes Album Amorino ins CD-Regal gesellen sollte. Eine einfallsreiche Orchestrierung, ein pulsierender Rhythmus und der nüchtern verhaltene Stimmeinsatz treiben den Song in einer stetig währenden Steigerung immer weiter voran. Ein spannendes und aufreibendes Crescendo. Ein richtig guter Song – aber auch ein kurzes Vergnügen. Leider wechselt das Bad noch einmal die Temperatur und den Rest der CD in einen tiefgefrorenen Zustand der Langeweile. Eine Ausnahme ist noch der Song Are You Going to Leave Me (Track 11), der mit seiner ebenfalls sehr konsequenten Rhythmisierung einen Moment des Winterschlaferwachens bewirkt und auch die Ohren öffnet für die zwei letzten ebenfalls noch recht gelungenen der 13 Songs auf dieser CD. Als ganzes Höralbum ist dieses Album eine konsequente Nichtempfehlung. Wer ein zweites Amorino erwartet sei erst recht gewarnt – aber auch ohne Erwartungshaltung sind die Songs die Isobel Campbell komponiert hat einfach zu schwach und manche geradezu nervtötend ärgerlich. Der entsetzlich dahinsäuselnde Song Beggar, Wiseman or Thief wäre als dauerbeschallende Endlosschleife eine hervorragende Foltermethode für unartig nörgelnde Musikkritiker. Trotz dieser Gefahr ein Tipp: wer sich mit der auf Solopfaden wandelnden Isobel Campbell anfreunden will, der sollte sich ihren wunderbaren Erstling Amorino zulegen.

Mike Beilfuß

Offizielle Homepage:
http://www.isobelcampbell.com/

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Katie Melua - Piece By Piece

Donnerstag, 7. Dezember, 2006 at 5:59 Uhr nachmittags (Pop, Rezensionen)

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Alben wie Piece By Piece machen eine Beurteilung schwer. Man kann nichts wirklich Schlechtes darüber sagen – auch über Katie Melua nicht. Aber man überschlägt sich beim Hören nicht vor Begeisterung und fragt sich, wie die Welt ohne dieses Album auskam. Der Nachfolger von Call Off The Search ist halt ganz nett. Die kraftvolle und zugleich fragile Stimme der gebürtigen Georgierin ist durchaus markant. Auch die Leidenschaft für das, was sie tut, möchte man der 22-jährigen nicht absprechen. Vier der zwölf Stücke hat Melua selbst geschrieben, eines davon als Reaktion auf den Irak-Krieg (Spider’s Web). Da war sie gerade 18 Jahre jung. Ansonsten dreht es sich in verschiedenen Variationan um die Liebe. Manches ist sehr kitschig (Thank You Stars, Nine Million Bicycles) und theatralisch, was vermutlich nicht zuletzt an Meluas Produzenten, Mike Bratt liegt. Der englische Musiker und Komponist war unter anderem maßgeblich an der Komposition des Phantom der Oper beteiligt. An anderer Stelle versucht sich Melua am Blues (Blues In The Night, ein Cover des Titelsongs aus dem gleichnamigen Film und On the Road Again, im Original von Canned Heat). Schade, dass es davon nicht mehr auf dem Album zu hören gibt. Denn auch wenn Melua den orchestralen Folk-Pop drauf hat, so wird ihre Musik durch eine „Blues“ige Note doch etwas interessanter. Gleiches gilt auch für den Jazz, der auch gerne in mehr als drei Stücken vertreten sein dürfte (Shy Boy, Halfway Up The Hindu Kush, Blue Shoes). Um Pop und Kitsch nicht völlig in Misskredit zu bringen, sei noch Just Like Heaven erwähnt. Die Cover-Version des The-Cure-Songs ist nämlich beides und trotzdem sehr (traurig-)schön.

Fazit:
Piece By Piece ist nicht gerade der Inbegriff eines Must-have. Unter den Folk/Pop/Jazz-Musikerinnen ist Katie Melua deswegen trotzdem nicht die Schlechteste.

Solveig Wrage

Offizielle Homepage:

http://www.katiemelua.de

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Mr Lab! - And Now It’s Time To Go

Dienstag, 5. Dezember, 2006 at 6:08 Uhr nachmittags (Electronic, Rezensionen)

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Mr Lab! - das ist Yves Labbé - ist Franzose und würde lieber Engländer sein. Deswegen bringt er ein als Elektronik getarntes Britpopalbum (oder anders herum) auf den Markt, und auch deswegen liefert er damit die ungeheißenen Vergleiche zu Air, the other French band, der anderen französischen Band also, die auf englisch singt. Ich mache mir nun den Spaß herauszuarbeiten, welche Elemente des Vergleichs wirklich zutreffend sind - denn eigentlich steht dieser auf losem Grund. Da wollen wir uns nichts vormachen. Aber andererseits…

Also zuerst das „Andererseits“: Genau wie seine Landsleute von Air produziert Mr Lab! wunderschöne Elektronik fürs Wohnzimmer, zumindest gemeinhin, oder zumindest im Halbschatten betrachtet, in welchem sich die Bonbonfarben von Airs grazilsten Kuschelpopmomenten nicht von der dunkelblauen Feinkosmetik auf And Now It’s Time To Go unterscheiden lassen. Beides ist jedenfalls herrlich entspannend, wenn es etwa zum Ausklang des Tages dahinfließt, oder wenn es zur besinnlichen Unterstreichung eines ausgeglichen Ambientes beiträgt. Ach ja: Und wie Air liefert auch Mr Lab! weitaus mehr als betulichen Hintergrundwohlklang.

Die Elektronik Yves Labbés ist genauso ausgefuchst und ausgeklügelt wie dezent. Das bedeutet: Einerseits beruft man sich auf Melodien des Britpop (wobei die britische lad-Attitüde hier vollkommen fehlt), oder auch auf Singer-Songwriter-Momente (wir sind inzwischen bei den Unterschieden zu Air angelangt…), andererseits ist man zwischen Loops, Samples und Effekten zu Hause, und zwar derart heimisch, dass man es nicht für nötig erachtet, seine Raffinesse unter Beweis zu stellen, indem man die sinnlichen Stücke durch verfremdende Störgeräusche entstellt. Nein, Mr Lab! ist da erwachsener. Auch auf And Now It’s Time To Go blubbert und surrt es elektroniktypisch an mehreren Ecken aus der Programmierbox. Indes ist es erstaunlich, wie gekonnt diese Geräusche eingesetzt werden. So wird auf eine originelle digitale Soundvielfalt zurückgegriffen, diese wird aber durchweg songdienlich eingesetzt und bleibt meist nur im Hintergrund hinter elektrischen Orgelklängen und dem französelnden näselnden Gesang. Dieser ist wiederum arg unspektakulär, und stört somit nicht, aber stellt einen Schwachpunkt dar. Und wenn wir schon bei Kritik sind: Der Begeisterungseffekt der Klangauswahl auf And Now It’s Time To Go wäre noch ein bisschen enormer, wenn es etwas voller produziert worden wäre. Vor allem die elektrischen Gitarren wurden durch zu viele Filter gejagt. Alles Minimalitäten, freilich.

Denn dafür finden sich wiederum diese wunderschönen, besinnlichen Stellen, an denen die Elektronik gänzlich von der akustischen Gitarre abgelöst wird. Paradehaft ist hier das herausragende Stück Never Said zu nennen, das zudem ein schönes episches Songformat wiederbelebt, nämlich den Dreiteiler (siehe hierzu meine Lieblingsdreiteiler Bohemian Rhapsody, Aqualung oder auch Paranoid Android). Das andere großartige Stück auf der CD ist Dream On, welches sich zum Ende hin süffisant steigert. Hierzu reicht übrigens gerade mal ein einzelner Melodieeinsatz nach knapp drei Minuten. Es muss eben nur der richtige sein! In solchen Momenten wird es dann auch mal dynamischer, damit hier niemand einlullt.

Die restlichen Stücke halten nicht ganz dieses hohe Niveau, glitschen aber kaum in Behäbigkeit ab. Lediglich Earth & Us und He’s The One sind vielleicht etwas zu einfach gestrickt. Ach, und noch einmal, wenn wir schon bei Schwachpunkten sind: Mit dem Übergang von dem ersten auf den zweiten Track werde ich einfach nicht warm

Henning Baucke

Offizielle Homepage:
http://www.mr-lab.com

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