Mr Lab! - And Now It’s Time To Go

Dienstag, 5. Dezember, 2006 at 6:08 Uhr nachmittags (Electronic, Rezensionen)

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Mr Lab! - das ist Yves Labbé - ist Franzose und würde lieber Engländer sein. Deswegen bringt er ein als Elektronik getarntes Britpopalbum (oder anders herum) auf den Markt, und auch deswegen liefert er damit die ungeheißenen Vergleiche zu Air, the other French band, der anderen französischen Band also, die auf englisch singt. Ich mache mir nun den Spaß herauszuarbeiten, welche Elemente des Vergleichs wirklich zutreffend sind - denn eigentlich steht dieser auf losem Grund. Da wollen wir uns nichts vormachen. Aber andererseits…

Also zuerst das „Andererseits“: Genau wie seine Landsleute von Air produziert Mr Lab! wunderschöne Elektronik fürs Wohnzimmer, zumindest gemeinhin, oder zumindest im Halbschatten betrachtet, in welchem sich die Bonbonfarben von Airs grazilsten Kuschelpopmomenten nicht von der dunkelblauen Feinkosmetik auf And Now It’s Time To Go unterscheiden lassen. Beides ist jedenfalls herrlich entspannend, wenn es etwa zum Ausklang des Tages dahinfließt, oder wenn es zur besinnlichen Unterstreichung eines ausgeglichen Ambientes beiträgt. Ach ja: Und wie Air liefert auch Mr Lab! weitaus mehr als betulichen Hintergrundwohlklang.

Die Elektronik Yves Labbés ist genauso ausgefuchst und ausgeklügelt wie dezent. Das bedeutet: Einerseits beruft man sich auf Melodien des Britpop (wobei die britische lad-Attitüde hier vollkommen fehlt), oder auch auf Singer-Songwriter-Momente (wir sind inzwischen bei den Unterschieden zu Air angelangt…), andererseits ist man zwischen Loops, Samples und Effekten zu Hause, und zwar derart heimisch, dass man es nicht für nötig erachtet, seine Raffinesse unter Beweis zu stellen, indem man die sinnlichen Stücke durch verfremdende Störgeräusche entstellt. Nein, Mr Lab! ist da erwachsener. Auch auf And Now It’s Time To Go blubbert und surrt es elektroniktypisch an mehreren Ecken aus der Programmierbox. Indes ist es erstaunlich, wie gekonnt diese Geräusche eingesetzt werden. So wird auf eine originelle digitale Soundvielfalt zurückgegriffen, diese wird aber durchweg songdienlich eingesetzt und bleibt meist nur im Hintergrund hinter elektrischen Orgelklängen und dem französelnden näselnden Gesang. Dieser ist wiederum arg unspektakulär, und stört somit nicht, aber stellt einen Schwachpunkt dar. Und wenn wir schon bei Kritik sind: Der Begeisterungseffekt der Klangauswahl auf And Now It’s Time To Go wäre noch ein bisschen enormer, wenn es etwas voller produziert worden wäre. Vor allem die elektrischen Gitarren wurden durch zu viele Filter gejagt. Alles Minimalitäten, freilich.

Denn dafür finden sich wiederum diese wunderschönen, besinnlichen Stellen, an denen die Elektronik gänzlich von der akustischen Gitarre abgelöst wird. Paradehaft ist hier das herausragende Stück Never Said zu nennen, das zudem ein schönes episches Songformat wiederbelebt, nämlich den Dreiteiler (siehe hierzu meine Lieblingsdreiteiler Bohemian Rhapsody, Aqualung oder auch Paranoid Android). Das andere großartige Stück auf der CD ist Dream On, welches sich zum Ende hin süffisant steigert. Hierzu reicht übrigens gerade mal ein einzelner Melodieeinsatz nach knapp drei Minuten. Es muss eben nur der richtige sein! In solchen Momenten wird es dann auch mal dynamischer, damit hier niemand einlullt.

Die restlichen Stücke halten nicht ganz dieses hohe Niveau, glitschen aber kaum in Behäbigkeit ab. Lediglich Earth & Us und He’s The One sind vielleicht etwas zu einfach gestrickt. Ach, und noch einmal, wenn wir schon bei Schwachpunkten sind: Mit dem Übergang von dem ersten auf den zweiten Track werde ich einfach nicht warm

Henning Baucke

Offizielle Homepage:
http://www.mr-lab.com

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