Tenacious D – The Pick of Destiny

The Pick of Destiny, so lautet der Titel des im Februar erscheinenden Albums von Tenacious D. Es ist zugleich der Soundtrack zum gleichnamigen Film, der die Entstehung der Band als Legende auf die Kinoleinwand bannt. Wie so oft geht das Wortspiel des Titels („pick“ bedeutet sowohl „Plektron“ als auch „Wahl“) bei der Nicht-Übersetzung ins Deutsche verloren: Der Film wird hierzulande als „Kings of Rock“ erscheinen. Den Rest des Beitrags lesen »
Clap Your Hands Say Yeah – Some Loud Thunder

Die Hölle, das sind die Anderen? Jein. Die Hölle, das ist der Indie-Tanzclub, und damit auch die Anderen, schenkt man Alec Ounsworth glauben. Das hier eine klare Breitseite gegen die eigene Kernkundschaft gefahren wird, ist nicht zu überhören und macht sich während der ganzen 47 Minuten bemerkbar, nicht nur im semitanzbaren Satan Said Dance. Konsequente Hitverweigerung würde man so etwas wohl im Fachjargon nennen. Den Rest des Beitrags lesen »
Love Songs, Obviously. Kristofer Aström, Maria Taylor und Wolke im Römer in Bremen, 26.01.2007


Den musikalischen Auftakt der „ Sit Down And Sing Tour“ machen Wolke, die Leuten gefallen mögen, die auch gerne mal Klee und 2raumwohnung hören. Dem Großteil des Publikums ist das Bier zu diesem Zeitpunkt jedoch wichtiger als der doch sehr seicht-belanglose Elektropop. Dies ändert sich glücklicherweise mit dem Auftritt von Maria Taylor. Den Rest des Beitrags lesen »
The Vincent Black Shadow – …Fears In The Water

Es gibt einen guten Grund, das Debüt von The Vincent Black Shadow nach erstmaligem Hören sofort in die Ecke zu feuern. Dieser liegt namentlich in der Stimme von Sängerin Cassandra Ford, die ganz außerordentlich dem Organ der Überall-dabei-Dame Gwen Stefani gleicht. Da werden genusswillige Menschen schnell mal unruhig. Natürlich weiß ich, dass die Ähnlichkeit zwischen den beiden rein zufällig ist. Niemand kann etwas dafür. Und das ist noch kein Grund, die Musik zu verdammen. Aber trotzdem: Die gute Cassandra hätte eben ein paar Jahre früher zur Welt kommen sollen. Dann wären ihr die No Doubt-Vergleiche erspart geblieben, die nun zu ihrem Unmut unvermeidbar sind. Jetzt bleibt mir nur zu fordern: Im hohen Bogen rauswerfen! Persönliches Pech eben für Cassandra: Sucht euch eine neue Sängerin und spielt ein zweites Album ein! Ein Hoch auf die neoliberale Bandpolitik.
Soweit also zu meiner Erstreaktion. The Vincent Black Shadow findet seinen Urkeim im Vancouver Symphony Orchestra. Mit seiner langjährigen Mitgliedschaft bei den Philharmonikern sorgte Raymond Kirkham für das musikalische Familienumfeld, das schließlich seine drei Söhne anleitete, selbst aktiv zu werden. Irgendwie kam dann noch der Name eines Motorrades aus Fear And Loathing In Las Vegas ins Spiel, eine Pianistin und eine Sängerin stießen hinzu, fertig war die Band. Als musikalisches Hauptgenre einigte man sich auf die Unkategorisierbarkeit. Von Jazz, Rock, Pop bis hin zu Gothic sollte dies und das möglich sein, damit der Musi-Papa auch stolz sein könne auf seine Recken.
Das klingt doch alles schon mal gar nicht übel. Mir jedenfalls sind Jungrocker mit musikalischer Früherziehung tausendmal lieber als dahergelaufene Chaoten, die ihre mangelnden Fähigkeiten über die Imageschiene als Rock’n’Roll-Killing-Machine auszubürsten versuchen. Schließlich geht es hier immer noch maßgeblich um die Musik. Diese pendelt auf …Fears In The Water gerne mal in Richtung leichter Jazz-Akzente aus, sei es geschmeidiger Bar-Vocal oder protzender Big-Band-Swing. Außerdem ist ein gewisser Hang zum Gothic nicht zu verleugnen. Die Instrumenten-Auswahl hält jedenfalls einige Exemplare parat, die häufig in diesem Genre anzutreffen sind (Cembalo, Streicher, Klavier, jaulende Halloween-Keyboards); auch mancher Refrain ist zu mannigfaltigen Gothic-Metal-Bands mit Frauengesang denkbar (etwa Lacuna Coil, denen das Wort Pop zumindest nicht vollkommen fremd ist). Das Fundament liegt jedoch auf nach vorne preschendem Rock und verspielten Zwischentönen.
Das Herausforderung liegt nun in der Kombination der verschiedenen Elemente. Dieses ist nicht einfacher, als es sich anhört. Entsprechend das Ergebnis eine haarige Angelegenheit. Fast das ganze Album ist von einer gewissen Hastigkeit geprägt. Die Instrumentaltruppe um die Kirkham-Brüder scheint dem immanenten Metrum der Songs geradezu wegrennen zu wollen. Bass, Gitarre und Drums hetzen ständig zu schnell voran, was dem Groove die Entfaltung nimmt. Manchmal führt dies zu aufregenden Ergebnissen wie den Big-Band-artigen Rocktracks Metro und This Road Is Going To Nowhere. Doch häufig wünscht man sich ein bisschen mehr Besonnenheit in die Stücke hinein. Selbst die leichteren Bar-Jazz-Nummern (Don’t Go Soft, Ghost Train Out), die durchaus vielversprechende Ansätze bieten, können es kaum abwarten zum Refrain zu kommen.
Und über all dem „thront“ dann die Stimme der Quasi-Gwen Stefani. Anstatt zu singen, schreit diese rockfrautauglich ins Mikrophon. Dies ist nicht gerade ehrenhaft, wenn man bedenkt, dass sich gerade aus den kurzen Breaks ein gesundes handwerkliches Können der Instrumentalisten ablesen lässt. Potential ist also zweifellos vorhanden. In ihren lauen Momenten wird dies für die Untermalung mittelmäßiger Refrains verpulvert. In ihren besten Momenten hingegen sind The Vincent Black Shadow eine Jazz spielende Rockband. Wobei mir eine Jazzband, die rockt, noch lieber gewesen wäre.
Henning Baucke
Offizielle Homepage:
http://www.bodogmusic.com/tvbs/
Someone Still Loves You, Boris Yeltsin – Broom

“Rock the Library” lautet die Parole auf Broom, dem Debütalbum von Someone Still Loves you, Boris Yeltsin. Auch wer bei Bands mit langem Namen tendenziell schreckhaft zusammenzuckt, kann sich freuen, dass das Debüt der vier Amerikaner mit erheblicher Verspätung den Weg nach Deutschland gefunden hat. Denn um bei der Bibliothek zu bleiben: der (Klang)Teppich, der in dieser verlegt wird ist wahrlich bezaubernd. Nicht auf Teufel komm raus modern, sondern der Typ Teppich, auf dem man sich beim Betrachten von Kinderfotos wieder findet. Die Dreiminutenstücke auf Broom glänzen durch einen organischen, warmen Sound. Dafür sorgen unaufdringliche Gitarrenläufe, verspielte Melodien und der wohldosierte Einsatz des Pianos. Das sich SLYBY genau mit dem Backkatalog der Fab Four beschäftigt haben ist eher Kompliment als Vorwurf, auch drängen sich Vergleiche mit den Shins, The Glass Floor und den frühen Pavement auf. Dabei oszilliert der Gesang von John und Philip zwischen einem fröhlichen (!) Conor Oberst und dem Typen vom Black Rebel Motorcycle Club. Der Umgang mit – wen wunderts – der großen Liebe erfolgt melancholisch – charmant: “we did what we could to save this house from falling, but it burns because its wood and you´ll never call me darling” heißt es in House Fire. Alles in allem liefert die „drittbeste Band aus der Weller Street in Springfield, Missouri“ ein unprätentöses Kleinod ab, dass leider schon nach 28 Minuten sein Ende findet. Übrigens ziert der Song Oregon Girls bald eine OC California Folge…aber das haben Death Cab for Cutie ja schließlich auch unbeschadet überstanden.
Offizielle Homepage:
Autorenpoll 2006
Was ist noch überflüssiger als ein Kropf? Richtig: ein Autorenpoll, in dem die Schreiberlinge dieser oder jener Publikation ihre Meinungen in das Volk schmeißen, das sich angewidert abdreht oder wahlweise mit dem nackten Finger zeigt und höhnisch lacht. Kein …Trail of Dead? Ketzer! Mars Volta auch nicht? Auf den Scheiterhaufen! Da unsere Zunft aber nichts besseres in den Monaten Dezember und Januar zu tun hat – und uns beim besten Willen keine bessere Einleitung einfallen will – hier nun auch unsere Meinung, die ihr natürlich ungefragt übernehmen und lieben müsst.
Viel Spaß und ein gutes, neues Jahr wünscht Euch das Mixtape-Team.
Jamiroquai – High Times: Singles 1992-2006

Selbst als jemand, der ihre Musik mag, muss man zugeben, dass Jamiroquai sich irgendwie immer gleich anhören. Aber eben auch immer gleich gut. So gesehen ist der Kauf eines Greatest-Hits-Albums sogar angebracht. Denn wer hat tatsächlich alle sechs Alben der vergangenen 14 Jahre Jay Kay und Band Zuhause in der Vitrine stehen? Eben. Es lässt sich jedoch nicht leugnen – es sind auf jedem der Alben gute Stücke. Womit man wieder bei der Eingangsthese angelangt ist: Es gibt Fälle, in denen der Kauf ist ein Best-Of-Albums nicht nur verzeihlich sondern sogar sinnvoll ist. Natürlich nur, sofern man die nicht doch schon alle Alben besitzt. Sicher, „das Beste“ (respektive „the Greatest“) ist zweifellos subjektiv und dementsprechend weitgefasst. Gerade bei so getauften Produkten der Musikindustrie muss man sich dann auch des öfteren fragen, ob für diese eine spezielle Sonderform der Definition von „das Beste“ gilt. Deswegen muss es an dieser Stelle heißen: Derlei Vorwürfe kann die Rezensentin High Times: Singles 1992 – 2006 jedoch nicht machen. Too Young To Die, Virtual Insanity, Cosmic Girl, Canned Heat, Love Foolosophy, Corner Of The Earth – ihre Lieblingslieder sind tatsächlich auf dem Album zu finden. Und dann sind da noch die beiden neuen Stücke, die auf einem Greatest-Hits-Album niemals fehlen dürfen, um auch diejenigen zum Kauf zu animieren, die tatsächlich alles von Emergency On Planet Earth bis Dynamite ihr eigen nennen: Runaway und Radio. Was gibt es dazu zu sagen? Funkiger, groovender Disco-Sound – so, wie man den Mann mit Hut und seine Band kennt und schätzt.
Fazit: Eingefleischte Fans werden sich die CD sowieso kaufen. Für alle, die Jamiroquai mögen, aber noch kein Album besitzen, bietet High Times einen schönen Querschnitt durch die vergangenen 14 Jahre musikalischer Band-Geschichte.
Solveig Wrage
Offizielle Homepage:
http://www.jamiroquai.de/
Damien Rice – 9

Damien Rice liefert mit seinem zweiten Album 9 den Soundtrack für eine melancholische Stunde, sieben Minuten und 41 Sekunden. Wie auch schon auf seinem Debüt O singt Rice leidenschaftlich im wahrsten Sinne des Wortes. Begleitet wird er dabei nicht nur von der üblichen Besetzung einer Band (also Gitarre, Bass, Drums, Backgroundsängerin), sondern auch noch Cello und Geige. Seine Stimme klingt wie eine Mischung aus David Grey und Bright Eyes und auch musikalisch lassen sich Ähnlichkeiten nicht von der Hand weisen. Rice Lieder erzählen von Liebe, die enttäuscht hat oder selbst verraten wird. Diese Aussage lässt sich vermutlich über die meisten Lieder aus dem Genre Singer-Songwriter-Folk/Alternative treffen. Anders als die meisten seiner Kollegen klingt der Ire jedoch niemals aalglatt oder gar kitschig, selbst dann nicht, wenn der sprichwörtliche Himmel voller Geigen hängt (The Animals Were Gone). Mit seiner Stimme führt er auf 9 nahezu jede denkbare Facette der Verzweiflung vor: Leise und gebrochen oder aber laut und dem Schmerz entgegenschreiend (Coconut Skins, Me, My Yoke Ad I) – Musik als Katharsis. Das einzig Überflüssige an 9 ist die gut zehnminütige Resonanz eines Tones am Ende des letzten Stücks – Bonustrack kann man das wohl kaum nennen, Klangkulisse ebensowenig. Das ist jedoch nur ein kleiner Wehrmutstropfen, der dem Album ansonsten keinen Abruch tut. Schließlich kann man ja die Stop-Taste betätigen. Oder wieder zum Anfang, 9 Crimes, springen.
Fazit: Wer einer kleinen winterlichen Depression etwas Gutes tun will, sollte den Kauf von 9 ernstlich in Erwägung ziehen.
Solveig Wrage
Offizielle Homepage:
http://www.damienrice.com/