The Shins - Wincing the Night Away

Donnerstag, 8. Februar, 2007 at 5:50 Uhr nachmittags (Rezensionen, Rock)

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Den Kommentar „Sie werden dein Leben verändern“, ausgesprochen von der atemraubenden und kopfhörertragenden Natalie Portman im Film Garden State, findet sich momentan auf ziemlich jeder Reklamefläche. Die Band, um die es geht sind The Shins, die ihr drittes Album Wincing The Night Away veröffentlicht haben. Das Marketing über die Omnipräsenz der Band auf unzähligen TV- und Filmsoundtracks laufen zu lassen ist nicht das Dümmste.Denn The Shins machen Musik, die man unmittelbar mit den schönsten Assoziationen, Emotionen- und eben auch Bildern verknüpft: Songs, die man jedem vorspielen möchte den man kennt und zu denen man dem Mädchen seines Herzens die Liebe gesteht. Zu denen man Sommertage mit Freunden am See verbringt und feststellt, dass die Sonne scheinbar niemals untergeht. Klingt kitschig, aber so sind die Augenblicke mit denen man Ball spielen kann, nunmal.

Die komprimierte Schönheit, die The Shins auf ihren Alben Oh, Inverted World und Chutes too Narrow verbreiteten, ließen den Hörer eine besondere Sorte Glück verspüren. Nämlich die, die einen nicht debil und handlungsunfähig zurücklässt, sondern an der Hand nimmt und mit einem durch die Straßen rennt. Das alles gut ist wie es ist, sogar noch besser. Soweit zum bisherigen Werk, das fast schon ein eigenes Genre begründete und trotzdem locker auf ein Mixtape passt. Vergleiche mit anderen sind eh überflüssig, die vier Amerikaner sind selber Referenz.

Die himmelstürmende Freude weicht nun einer subtileren Schönheit. Wincing the Night Away lässt sich nur bedingt mit „Die Nacht wegzucken“ übersetzen. Und überhaupt, man hat nicht den Eindruck, dass gegen die Nacht angesungen wird. Vielmehr haken sich The Shins bei ihr unter und erkunden ihre Geheimnisse. Auffällig ist, dass Sänger James Mercer seiner eigenen Stimme mehr Vertrauen schenkt und die Gesänge (Lala, Baba etc.) im Background deutlich reduziert wurden. Ebenfalls ein bisschen zu bedauern ist die Zähmung der ehemals treibenden Gitarren, die nun auf der Stelle treten. Die Beats, wie der Sound generell, kommen elektronischer und experimenteller einher, also frisch und gut. Aber irgendwie hinterlassen die Stücke eine Leerstelle. Das Album schafft den takeoff nicht, in jedem Lied kommt der Punkt, an dem man denkt „jetzt müsste es doch losgehen“.

Oder:

Gitarren, Chöre, Posaunen, Geigen: marsch.

Oder:

Gute Laune ich komme.

Oder:

Shins-Momente, ich bin bereit.

Tut es nicht. Eher ein andauernder Cliffhanger, der 40 Minuten auf eine Auflösung wartet. Hat man sich damit abgefunden und lässt die Erwartungen außen vor kann man durchaus in der Schönheit der calypsoartigen Unterwasserklangwelten baden und der verworrenpoetischen Lyrik ein Schmunzeln schenken.

Die Errettung der äußeren Wirklichkeit in gewohnter Radikalität jedoch bleibt aus.

(Aber Hey, das Artwork ist wieder großartig!)

Wincing the Night Away ist ein Kuss auf die Wange. Ein guter zwar, aber halt nur auf die Wange.

Philipp Heubgen

Offizielle Homepage:
http://www.theshins.com/

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