Kings of Leon – Because of the Times

Donnerstag, 22. März, 2007 at 11:13 (Rezensionen, Rock)

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“I’ll be that person ’til my dying day, I try so awful hard, but I can’t change…” verkünden die Kings of Leon in Black Thumbnail und treffen damit auch hinsichtlich ihrer Musik den Nagel auf den Kopf. Denn trotz aller Versuche etwas Neues auszuprobieren bleibt der 70er Jahre Garage-Bluesrock der Band auch auf ihrem dritten Album letztendlich irgendwo in den staubigen Straßen der Südstaaten stecken. Schade, denn das Potential zu mehr war da.

Der Opener, Knocked Up, ist das beste Beispiel dafür; um ehrlich zu sein, ist es sogar genau der Song, von dem ich immer gehofft habe, dass ihn die Kings of Leon irgendwann einmal schreiben würden. Eine über siebenminütige Songperle mit überraschenden Wendungen, Tempo und Gefühl, die es schafft auch in den ruhigen Passagen – die nach wie vor keine Stärke der Band sind – die Spannung zu halten und bestes Roadmovie-Feeling zu verbreiten. Ein intensiver Song, dem das Trockene, das Raue der Musik gut zu Gesicht steht und der sich weder auf den Purismus noch auf die Floskeln anderer Kings of Leon Songs zurückzieht. Ein tolles Stück Musik! Fast kann man den Staub der Straße schmecken, und man ist nach diesem verheißungsvollen Start äußerst gespannt darauf zu erfahren, wohin einen die musikalische Reise des Followill-Clans auf dem dritten Album, Because of the Times, noch führen wird. Die Antwort darauf ist allerdings eher ernüchternd: leider nie mehr in solche Höhen wie in besagtem Eröffnungsstück. Zwar gibt es speziell in der ersten Albumhälfte noch einige gute Lieder, die vor allem in den rockigen, an das Debüt erinnernden Passagen Stärke beweisen, aber schnell schleicht sich wieder die alte Kings of Leon Formel ein, die besagt, dass ein paar herausgeschriene Vocals, staubtrockene Gitarren und eine bluesig rumpelnde Rhythmus-Sektion völlig ausreichend sind, um zusammen mit einigen halbgaren Lebensweisheiten – vorzugsweise über die Tücken und Qualitäten verschiedenster Frauen – die Grundlage für mitreißende Rocksongs zu bilden. Ja, die Geschichte ist voll von Irrtümern dieser Art.

In der zweiten Hälfte des Albums ändern die Kings of Leon dann nochmals ihren Kurs und die Musik knüpft an vielen Stellen an den ruhigeren Countryrock der Vorgängerplatte an. Leider fehlt der Band aber bislang gerade im Bezug auf die leisen Töne die emotionale Tiefe und das musikalische Fingerspitzengefühl, um das Abgleiten der Lieder in zähfließende Langeweile zu verhindern; daher ist es zwar schade, aber nicht wirklich verwunderlich, dass sich Because of the Times zum Ende hin immer mehr im bandeigenen Treibsand festfährt. Was die Kings of Leon jedoch stets davor bewahrt gänzlich in die Mittelmäßigkeit abzugleiten oder zum Hintergrundgeräusch zu verkommen, ist auch auf der neuen Platte die prägnante Stimme Chaleb Followills, die alles niederwalzt, was sich ihr in den Weg stellt. Bei anderen Bands wäre dies der Todesstoß für jegliche musikalischen Feinheiten, bei den Kings of Leon hingegen ist der eigenwillig penetrante Gesang das Lebenselixier der Musik; durch ihn gewinnen an vielen Stellen selbst die abgedroschensten Phrasen und Akkorde noch an Leben und Authentizität. Besinnen sich die Kings of Leon nun auf ihre Stärken, besteht die Hoffnung, dass sie auf dem nächsten Album ein paar mehr Stücke vorlegen werden, die die Klasse von Knocked Up erreichen. Dass sie es können, haben sie bereits bewiesen – ob sie solche Veränderungen aber tatsächlich anstreben, bleibt den Sturköpfen aus Tennessee freilich selbst überlassen.

S. Ilona Rieke

Offizielle Homepage:

www.kingsofleon.com

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