Maximo Park – Our Earthly Pleasures

Dienstag, 27. März, 2007 at 8:03 (Pop, Rezensionen)

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Das Album A Certain Trigger von Maximo Park war wohl der Höhepunkt der aktuellen UK-Pop-Welle. Und da man gerade keine größeren und besseren Referenzen zur Hand hat, kopiert man sich auf Our Earthly Pleasures einfach selber. Leider haben Kopien meist die Eigenschaft, dass sie einfach nicht so gut sind wie das Original.

 

Die Spannungskurve der Popmusik aus Großbritannien, die vor wenigen Jahren durch Franz Ferdinands Debüt steil nach oben stieg, zeigt seit einiger Zeit in die entgegen gesetzte Richtung. Newcomer wie The Fratellis können die Erwartungen, das nächste große Ding zu sein, wenn überhaupt nur kurzzeitig erfüllen. Alteingesessene an der Spitze, wie die Kaiser Chiefs, legen höchstens mittelmäßige Alben vor. Auch Maximo Park bleiben von dieser Entwicklung nicht ganz verschont, besitzen allerdings genug Kreativität und Potential, um den Fall von ganz oben frühzeitig zu stoppen.

Our Earthly Pleasures hat im direkten Vergleich, der sich aufgrund der stilistischen Kontinuität aufdrängt, zu A Certain Trigger weniger und gleichzeitig auch mehr. Auf der Seite der Einbußen stehen: weniger abrupte Tempowechsel, weniger Singalong- und Mitgrölrefrains mit Stil, weniger hektische Pedal-to-the-Metal-Popmusik, weniger direktes Lebensgefühl verpackt in kurze, zackige Songs. Und damit vieles, was den Erstling über die Maßen auszeichnete. Auf der Habenseite stehen: die ungeheure Melodiedichte, die insbesondere die vielen Midtemponummern veredeln, und der Mut, auch mal recht gewöhnliche Popsongs schreiben zu können, ohne dabei zu tief in der Zitatenkiste wühlen zu müssen. Die Kontinuität, die die beiden Platten direkt miteinander verbindet, findet sich in den kleinen, feinen und präzisen Alltagsbeschreibungen von Sänger Paul Smith, frei nach Jochen Distelmeyers „Ich singe, was ich seh’“. Die ewigen Themen Liebe und Trennung bilden die Fixpunkte auf Our Earthly Pleasures. In der ersten Single Our Velocity liest sich dies „I’ve got no one to call in the middle of the night anymore. I’m just alone with these thoughts”, in Karaoke Plays singt Smith über den unerwarteten und plötzlichen Tod: „I came home, there were radio waves. I heard voices through the radio waves. I came home, you were nowhere to be found”. Diese Liste ließe sich ohne Weiteres fortsetzen.

Die Bilanz bei dieser Gewinn- und Verlustrechnung fällt für Our Earthly Pleasures letztendlich nicht positiv aus. Es bleibt aber weiterhin dabei, dass musikhistorische Querverweise bei Maximo Park sehr schwer fallen und sie somit kaum im Saft einer anderen Band vor sich hinschmoren, sondern für sich, ähnlich wie auch Bloc Party, eine eigene kleine Liga aufgemacht haben. Sie müssen und können sich nur noch an sich selber messen. Ohne das grandiose Debütalbum wäre Our Earthly Pleasures allerdings eine Platte, die aus dem großen, zeitgenössischen UK-Pop-Teich wahrlich nicht herausragen würde, sondern untergegangen wäre wie eine halb überfahrene Kröte. A Certain Trigger ebnet aber den Weg um den Zweitling besser einordnen und verstehen zu können. Our Earthly Pleasures ist dementsprechend ein gutes, aber kein überragendes Album geworden.

Kai Wehmeier

Offizielle Homepage:
http://www.maximopark.com

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