k-os – Atlantis: Hymns For Disco

Auch in der Musik gibt es Botschafter. Und ich meine damit ausnahmsweise nicht uns nerdige Vollblutrezensenten, die einiges tun würden, um der Welt ihre Lieblingsklänge näher zu bringen. Dieses Mal ist von den Musikern selbst die Rede, von k-os im Besonderen. Der Kanadier hat seine Wurzeln im Hip Hop, nistet sich aber in anderen Stilen ein, um eine Verständigung zwischen den Genres zu fördern. Sein Joyful Rebellion hat die weiten Grenzen des Hip Hop ausgelotet. Atlantis: Hymns For Disco überschreitet sie nun.
Wir wollen uns da nichts vormachen: Hip Hop ist nach wie vor ein Nischengeschäft. Zwar ist diese Nische in den letzten dreißig Jahren immens gewachsen, aber die Spaltung der Hörer in Liebhaber und Hasser hat weiterhin Bestand. Künstler wie The Fugees, Black Eyed Peas oder The Roots gaben irgendwann einmal ihr Bestes, um die starren Grenzen aufzuweichen. Mit diesem Grundgedanken geht k-os nun seinen eigenen Weg der Erleuchtung und entfernt sich dabei noch weiter vom Kern, als es die besagten Gruppen wagten. Zu behaupten, er würde über den Tellerrand blicken, ist eine freche Untertreibung. k-os tanzt schon lange auf der Tischdecke.
Mit Hip Hop hat sein neues Album maßgeblich den Grundansatz gemein: Nichts geht über einen guten Beat, der den Körper in Wallung bringt. Zwar wird der Beat gerne moderiert und mit Feinheiten bestückt, die jeder minimalistischen Rap-Pose locker den Garaus machen. Aber die Tanzbarkeit als solche bleibt stets erhalten. Einzelne Sprechgesangs-Parts sind auf diesem Album durchaus vorhanden, doch sie sind kaum das zentrale Thema. Eher werden sie als Sahnehäubchen an den Schluss eines Stückes gestellt, nachdem schon der Subterranean Homesick Blues über Raggae-Gesängen und Pulp Fiction-Melodien gebracht wurde, um in der nächsten Strophe den Beatles zu huldigen. Nachzuhören ist dies in Valhalla, einem der zitatfreudigsten Stücke, das aufzeigt, wohin die Reise gehen kann, wenn man nur will.
Überhaupt wird durch Atlantis – Hymns For Disco so einiges gezeigt. Allem voran, dass Eklektizismus ziemlich cool sein kann. Weiteres Beispiel gefällig? Born To Run ist eine Mischung aus Bloc Party(!) und Soul, gewürzt mit kurzen Soli von Latin-Guitar und Synthesizer. Am Ende des Stückes wird der Strophengesang noch einmal in Singer-Songwriter-Manier mit bloßer Akustikgitarrenbegleitung aufgegriffen. Hört sich verkopft an? Himmelherrgott, wenn dieses Album eines nicht ist, dann verkopft! Das muss hier noch einmal betont werden: Der Albumtitel ist wirklich kein Versehen!
Die Single Sunday Morning war der erste Track, den k-os für das Werk im Sinn hatte. Sie zeigt sowohl musikalisch als auch textlich schön seinen Denkansatz: Every day is saturday night, but I can’t wait till sunday morning. Tatwahrhaftig: Die vorgetragene Gesangsmelodie atmet sonntagmorgendliche Entspanntheit, der Beat hingegen ist ziemlich saturday night. Würde das Stück in der Diskothek gespielt, käme es einem fast schon zu schade dafür vor. Aber natürlich nur fast.
Und so laufen die dreizehn Stücke des Albums über Stock und Stein und fallen doch nie hin. Zwischendurch gibt es noch eine veritable Hommage an die Anfänge des Soul (The Rain), einen Crabbuckit-Nachfolger (Flypaper) und sogar ein paar Stücke, in denen durchgehend gerappt wird (besonders das mit Mundharmonika eingeleitete Ballad Of Noah ist hier erwähnenswert). Klar, sein sprachliches Rhythmusgefühl ist ausgeprägt, aber auch seine Singstimme überzeugt. Beides beherrscht k-os zu gleichen Teilen. Dazu kreiert er hervorragende Ohrwürmer – die Melodien dazu haut er im Dutzend raus. Und allesamt tragen eine derart positive Ausstrahlung, dass es sich hier um ein echtes Sommeralbum 2007 handelt. Diese Disco-Hymnen sind Open-Air-Hymnen.
Henning Baucke
Offizielle Homepage:
http://www.k-osmusic.com