Wilco - Sky Blue Sky

Donnerstag, 12. April, 2007 at 7:55 Uhr nachmittags (Rezensionen, Rock)

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Fünf Studio Alben, ein Live Spektakel und die Verwaltung von Woody Guthries Erbe auf zwei Tonträgern: so lautet die Bilanz von Jeff Tweedys Band Wilco, die sich von Aufnahme zu Aufnahme neu formatiert. Nun ist eine neue Platte auf dem Markt. Das Cover des Albums zeigt eine Schar Vögel. Der Titel des Albums lautet Sky Blue Sky. Da stellt man sich natürlich Fragen. Blue im Sinne von Stahlblau? Oder betätigt sich Tweedy wieder als Archäologe der dunkleren Gefühlsregionen?

Der Opener Either Way ist die therapeutische Antwort, nämlich die Relativierung der Dinge: I will try my best to understand, proklamiert Tweedy. Egal was passiert, ob nun gut oder schlecht. Während Piano und Schlagzeug noch ziemlich gemächlich ihre Bahnen ziehen, laufen sich Orgel und Steel Pedal im Hintergrund warm. Im fantastischen Impossible Germany wird dann die Schlagzahl erhöht. Impossible wegen der Distanz, die die Beziehung unerträglich macht. Um sich das Spiel des Neu-Gitarristen Nels Cline vorzustellen: wie das weiße Rauschen des Störbildes, dass sich in ein gestochen Scharfes verwandelt. So verdammt glasklar umarmen sich die Gitarren und lassen sich wieder los. Dann wieder fallen die Licks sanft wie Ahornblätter auf Frotteehandtücher, begleitet vom jazzigen Streichen des Beckens.

Und so geht es über insgesamt zwölf Lieder weiter. Sky Blue Sky ist sicherlich Wilcos entspanntestes und auf eine gewisse Art reduziertestes Album, denn wenige Soundschichten reichen den Arrangements. Die Free-Jazz Elemente sowie die verschrobenen, noisigen Effektspielereien früherer Alben sind nicht mehr zu finden und der Cowboyhut wird nur noch im Lied Walken getragen. Dafür fransen die Songs in atemberaubenden Gitarrensoli aus um kurz vor Schluss wieder auf die Spur zu gelangen. Im letzten Song, On and on and on, zieht Tweedy sein Dire Straits T-Shirt an und lässt den Hörer unter einem elektrisierten violetten Himmel zurück, der Sterne ausschüttet und die letzten Motten in die Nacht begleitet.

Die „Independent Mainstream“ Wilco mit Hits wie Jesus etc. gibts auf Sky Blue Sky nicht. Falls das jemand bedauert oder Stagnation nennt: Stagnation auf hohem Niveau bitteschön.

Philipp Heubgen

Offizielle Homepage:
www.wilcoworld.net

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