Black Rebel Motorcycle Club – Baby 81

So manches Mal stellt sich ein Schritt zurück letztendlich als ein Schritt nach vorn heraus. Baby 81 zu unterstellen, das Album sei ein Rückschritt geworden würde der Sache im Kern nicht gerecht werden, trifft jedoch das große Ganze.
Das Debütalbum der Band aus San Francisco war nicht nur einfach ein Album, es war eine Standorterklärung. Coole boys in Leder und mit Sonnenbrille aus den Staaten zeigten der restlichen Rockwelt und den anderen Retrobands den Effe-Finger. Die Musik klang ehrlich und schmiegte sich an Outfit und Auftreten an: kühle, distanzierte und selbstbewusste Songs die das Gefühl eines gepflegten Arschtrittes transportierten. Der Zweitling fuhr im selben Fahrwasser und war und ist kaum von Relevanz um den Black Rebel Motorcycle Club zu verstehen. Rechtzeitig vor der Bedeutungslosigkeit wurde das dritte Album Howl veröffentlicht, das an der Oberfläche lediglich einen sanften Bruch mit dem bisherigen Backkatalog vermuten ließ. Tatsächlich war der Bruch aber größer. Der Black Rebel Motorcycle Club spielte plötzlich ungemein warme und einladende Songs, die die drogengeschwängerte Aura der vorherigen Tracks zurück ließ und mit Gospel, Folk und Singer/Songwritergesten überraschte. Howl sollte aufgrund der gefühlten Nähe zum Hörer das bisher beste Werk dieser Band werden.
Baby 81 verlässt nun den Pfad der Erkenntnis wieder und lehnt sich an den ersten beiden Alben an. Blues und Wände aus psychedelischen Fuzzgitarren dominieren das Klangbild, leichte Einflüsse vom Punk sind auch noch aufzufinden. Der Opener Took Out A Loan ist hierfür das beste Beispiel: die fransige Bluesgitarre wird angetrieben von einem marschierenden Drumsound, die Lyrics – bedeutungsresistent wie fast immer – drehen sich um dasselbe Motiv. Der Inhalt war noch nie die Stärke des Black Rebel Motorcycle Clubs, konnte aber immer wieder durch das Bandstatement aufgefangen werden: coole Jungs brauchen kein Hirn. Coole Jungs müssen cool sein, das reicht. So funktioniert Took Out A Loan, ebenso wie Berlin und Weapon of Choice. Einige Ausläufer von Howl sind auch auf Baby 81 zu finden, Killing the Light zum Beispiel, das mit einer Gospelsequenz spielt, oder All You Do Is Talk, das von einer kirchlichen Aura umspült wird.
Eine minimale Entwicklung auf Baby 81 beschreibt ein Track wie Not What You Wanted. Dieser kommt in einer bis dato nicht gekannten poppigen Leichtigkeit daher, dass man fast nicht glauben möchte, dass hier der Black Rebel Motorcycle Club am Werke ist. Am Ende steht, dass Baby 81 nicht wirklich viel Überraschendes zu bieten hat und die Jungs von der Motorradgang lieber den sicheren Weg über den einsamen Highway fahren. Von coolen Jungs sollte man eigentlich mehr Wagnislust erwarten dürfen. Hoffentlich haben Sie eine Straßenkarte dabei, manche Wege können sich nämlich plötzlich als Einbahnstraße entpuppen.
Kai Wehmeier
Offizielle Homepage:
www.blackrebelmotorcycleclub.com/
Patrick Tewes sagte,
Freitag, 25. Mai, 2007 um 2:41
Bei allem Respekt für deinen Musikgeschmack, aber ich kann dir nur rudimentär zustimmen. Bei aller Sympathie für HOWL, dass ich auch sehr sehr gerne gehört habe, dort finden sich vielleicht eine oder zwei wirklich starke Hooklines, die es bei Baby 81 bei eigentlich jedem Song gibt. Ich hatte bei dem Album schon das Gefühl, das wars jetzt mit der Band, den fallen keine Hits mehr ein („Weight of the World“ und noch ein oder zwei andere mal ausgenommen) also wird der Sound verändert, um das irgendwie zu kaschieren.
Meines Erachtens ist „Baby 81″ das bis jetzt beste Album, da es weder so lange Hänger hat wie „Take em on, on your own“, das gerade zur Mitte hin ganz schön an Qualität verliert, und ist abwechlungsreicher als das Debüt, dem es etwas an starken Rocksongs fehlte. Und vor allem: Hits. Von den 13 Tracks sind locker 8-10 mögliche Singleanwärter. „Cold Wind“ ist fast schon ein Grunge-Song (man denke beim Hören einfach mal an Alice in Chains), dann kommt mit “ Not what you wanted“ ein poppiges Hippielied mit unwiederstehlichen Melodien, „Need some Air“ hat diese BRMC untypyisch hecktisch geniale Schlagzeug und die OHH Punk-Chöre, „Killing the light“ ist eines der besten Stücke der Band überhaupt ( wobei sich viele von diesem Album auf diese Stelle bewerben), „American X“ mit 9 Minuten Spielzeit erinnert im psychedelischen Mittelteil herrlich an die Doors oder Can und „Am I only“ schliesst das Album mit einer schönen Erinnerung an HOWL ab. Ich finds toll, und ich glaube auch, dass die Fans sehr glücklich werden.
Warum ausgerechnet BRMC musikalisch eine „Revolution“ starten sollten, verstehe ich auch nicht ganz. Die Band hat ihren Sound gefunden, ziehen ihre Sache durch, egal welche Trends gerade die größtenteils komplett verblödete Pseudo Garagen-Disco- Rock- Fraktion in Europa und Amerika nachjagt. Sie stehen auch für ein bestimmtes Image, zu dem auch die nicht immer gerade intellektuellen Texte passen, und haben jetzt schon das vierte starke Album hintereinander veröffentlicht. Das hat ihnen vor ihnen von den Post-90er Bands keine geschafft.