Snow Patrol – Eyes Open (Special Edition)

Sonntag, 8. Juli, 2007 at 5:57 (Pop, Rezensionen, Rock)

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Neulich auf Amazon.de schrieb ein Snow Patrol Fan folgendes: „Für mich ist Snow Patrol so weit weg von Folkrock und BritPop, wie ein hervorragendes Steak von einer Currywurst von der Bahnhofsbude!“ Vielleicht liegt es ja daran, dass ich schon zu lange Vegetarier bin, vielleicht aber auch an meinem Eindruck von Eyes Open, das mir der Steak-Vergleich als sonderbar im Kopf hängen blieb. Denn steht ein Steak nicht für Substanz? Einen ausgeprägten Eigengeschmack? Womöglich gar für Blut? Und was, bitte schön, haben diese Attribute mit Snow Patrol zu tun – ausgerechnet Snow Patrol, dem Inbegriff der freundlichen Band von nebenan, die niemandem weh tut, an der man aber auch nicht viel zu beißen hat und deren Songs ungefähr soviel Gefahr bergen wie eine kuschelige Fleecedecke?

Fest steht: Mit Folkrock und BritPop haben Snow Patrol wirklich nicht viel gemeinsam. Wären sie sich dessen bereits vollends bewusst, würden sie wohl mehr Stücke wie das stimmungsvolle Shut your eyes mit seinem hypnotischen Rhythmus und einem Hauch von Melancholie schreiben, Stücke, die sich nicht dafür schämen Pop zu sein, nein, die diese Idee stattdessen leidenschaftlich umarmen. Denn dank dem ausgeprägten Melodieverständnis dieser Band, sind exakt solche Stücke ihre große Stärke. Leider sind Snow Patrol selbst bislang offensichtlich anderer Meinung. Auf Eyes Open verfolgen sie daher über weite Strecken einen ähnlichen Ansatz wie beispielsweise Coldplay oder Starsailor, zwei Bands, die in der Nische zwischen Indie-Songwriting und radiotauglichen Popmelodien heimisch geworden sind ohne je ihre Glaubwürdigkeit einzubüßen. Nur wirkt das Songwriting Snow Patrols bedauerlicherweise blass und aufgesetzt, sobald es beginnt ein Auge auf die Indie-Szene zu werfen. Dann entstehen solch unfreiwillig komischen Momente wie in Hands open, wo es heißt „put Sufjan Stevens on, and we’ll play your favorite song, „Chicago“ bursts to life…” und für eine Sekunde ist man glatt versucht diesem guten Rat Folge zu leisten und sofort zum Plattenregal zu eilen, um Illinoise hervorzukramen. Dabei ist Eyes Open an und für sich kein schlechtes Album. Sein Problem ist einfach, dass es krampfhaft versucht viele Farben miteinander zu vermischen, ohne sich klar zu machen, dass auf diesem Wege letzten Endes fast immer ein undefinierbares braun oder grau herauskommt. Die 14 Lieder der neu aufgelegten Special Edition am Stück zu hören, wird daher zumindest für mich auf Dauer zur Geduldsprobe. Beim besten Willen und egal wie oft mir vorgesäuselt wird: “Tell me that you’ll open your eyes”, ich kann es nicht ändern, irgendwann während dieser langen 58 Minuten und 13 Sekunden fallen sie mir stets wieder zu. Hoffentlich sieht das beim nächsten Snow Patrol Album bereits anders aus. Eine sehr schöne Zeile aus Headlights on dark roads prophezeit immerhin: „For once I want to be the car crash, not always just the traffic jam.” Vielleicht steckt ja doch mehr Blut in dieser Band, als man auf den ersten Blick sieht. Wer weiß?

S. Ilona Rieke

Offizielle Homepage:

http://www.snowpatrol.com/

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