Prince - Planet Earth

Montag, 20. August, 2007 at 4:56 Uhr nachmittags (Pop, Rezensionen)

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Es klingt als hätte Prince seine Selbstverständlichkeit wieder gefunden. Für mich war Prince auf dem Höhepunkt seiner Karriere als ich geboren wurde. In meinem Bewusstsein galt er immer als der “große” Prince, der unglaubliches geleistet hatte und auf den immer noch alle warten. Darauf warten, dass er wieder etwas Unglaubliches tut. Höreindrücke zu den einzelnen Tracks gibt es hier …


Planet Earth
Schöne, breit orchestrierte Musik im weiten Stereoklang. Jedes Lied eine Welt. Ganz im Stile früher Machwerke geht Prince im ersten Song zu Werke. Ich finde ja, dass Prince eh immer etwas Michael Jackson-haftes hatte. Nur, dass Jacko die größten Erfolge hinter sich zu haben scheint und in der Lebenskrise steckt, die Prince jetzt vermutlich endgültig überwunden hat.

Guitar
I love you baby, but not like i love my guitar. Bluesige Riffs und typischer Rock, wie er in den späten 80er Jahren und zu Beginn der Neunziger war. Mir bleiben die Roxette-Vergleiche zwar im Halse stecken, aber sie liegen bei diesem Song nicht weit entfernt. Zum Glück ist das Album vielseitig.

Somewhere Here On Earth
Ein gefühlvoller, mich schweben lassender Song lässt mich dem Künstler ganz nah sein. Ich fühle mich Prince sehr verbunden. Und ich denke “Prince, du bist nicht alleine”. Tusengeklimper hin oder her, es klingt nicht nur in den gesprochenen Sätzen zwischen dem Gesang so, als würde dieses Lied nur für mich gesungen werden.

The One U Wanna C
ist wieder Rock mit Claps. Gutfühlmusik für das Auto. Ich wette die Nummer würde eine Prima Single abgeben. Alle Shania Twain Fans ( von denen ich nicht glaube, dass es sie wirklich gibt ) würden das Radio aufdrehen und alle spießigen Mittvierziger, die Prince früher für einen schwulen Freak gehalten haben, vergäßen augenblicklich ihre Vorurteile und würden mit herunter gekurbeltem Fenster durch die Waschanlage fahren.

Future Baby Mama
ist feinster Soul. (Da RnB für mich nichts mit Erykah Badu oder seriöser Kunst zu tun hat, gebrauche ich dieses grausame Kürzel nicht für diese Musik.) Slow und sexy, ein liebevolles Versprechen an die zukünftige Mutter meiner Kinder. Zu dieser Schönheit gezeugte Kinder dürften Germanys Next Top Model wie die Hungerhaken aussehen lassen, die sie ja auch sind. Fett!

Mr. Goodnight
herrlich smooth. So lässig. Seit diesem Track will ich Robbie Williams und Prince in einer Rap-Crew. Das wäre ein Traum. Zitat: “All over the world/ they call me Prince/ but you can call me/ Mr. Goodnight”. Und der weibliche Background räkelt sich unter seiner tiefen, gesprochenen wie hohen und gesungenen Stimme. Auch wenn der Ausgang des Liedes mir ein wenig zu pathetisch ist, gefällt es mir sehr gut.

All The Midnights In The World
würde ich dagegen schon fast beatlesk nennen. Wo man mit dem Kopf von links nach rechts schaukelt und sich zur Akustikgitarre und dem Piano in die Arme nimmt und im Chor grinst. Aber zum Glück nur 2:21 Minuten. Das lässt sich aushalten.

Chelsea Rogers
ist fett! Ich hoffe, die mir unbekannte Dame nimmt das nicht persönlich. Aber geiler Beat. Selbst gespielt, im Sinne von: kein digitales Drumset. Rhythm Guitar im teilweisen Auftakt, Bläser. Ach hör einer an: “Chelsea Rogers was a model, but she really was Rock’n'Roll”. Wenn das hier Rock and Roll ist, dann bin ich jetzt auch Rock and Roll-Fan! Es könnte fast Disko sein, jedenfalls würde ich mich drüber freuen, es mal in einer zu hören.

Lion Of Judah
ist gleichsam von der Stimmung als auch vom Text eher kitschig, was wohl an der biblischen Symbolik liegt. Seinen Schmerz bekommt man sehr gut zu hören und zum Ende der vier Minuten geht es auch schon wieder.

Resolution
Der harmonische Ausklangsong. Alles in allem ist es ein sehr atmosphärisches Album. Man hört leicht das Rauschen im Hintergrund. Es klingt wirklich nach. nicht viel Effekthascherei. Der pure Sound, kein Konservenscheiß, Musik aus dem Computer.

Es ist vermutlich gut so, dass Prince eben nie wie Kindergärtner-Michael zum King of Pop gekrönt wurde. Vielleicht macht er nun die Musik, mit der man als Hörer alt werden kann. Ein Künstler, der einen das Leben lang begleitet und immer wieder Alben macht, weil er eben das am besten kann. Jemand der für und vielleicht auch wegen der Musik leiden musste und das eben am besten zum Ausdruck bringen kann, wenn er Musik macht.

In diesem Sinne: Der Planet Erde hat seinen Prinzen wieder. Hoffen wir, dass er auf diesem Planeten bleibt.

Hendrik Bloem

Offizielle Homepage:
www.3121.com

1 Kommentar

  1. Boy George 24 sagte,

    Donnerstag, 30. August, 2007 um 1:55 Uhr nachmittags

    Ja sauber. mein Lieblingsalbum in der Rezi. Das ist doch mal was. Kann den Kommentaren zu den Titel gößtenteils nur zustimmen. Nur was zur Hölle ist beatlesk und Bibelmetahporik??

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