Pure Reason Revolution – The Dark Third

Mittwoch, 12. März, 2008 at 8:41 (Rezensionen, Rock) (, , , , )

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Drei letztjährig erschienene Progrock-Alben haben mich bisher begeistern können. Zum einen Frames von Oceansize, das Wikipedia in die liebevoll erschaffene Sparte „New Prog“ einsortiert. Dann wäre da Doomsday Afternoon von Phideaux, das epische Komposition ohne Innovation, aber in beispielloser Vollendung bietet. Und drittens The Dark Third von Pure Reason Revolution, das mittlerweile schon zweijährigen Geburtstag feiert, da seiner Veröffentlichung in Deutschland ein herrliches Hin und Her mit verschiedenen Tracklisten auf US- und UK-Ausgaben des Albums – flankiert durch überschneidende EPs – vorweg ging. Wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Nachbar eine andere Version besitzt als Sie!

Um erst einmal den Titel aufzuklären: The Dark Third orientiert sich thematisch an jenen Zeiträumen, die mit Schlaf ausgefüllt werden; und wenn man kein Elitesoldat oder Unternehmensberater ist, dürfte dies etwa ein Drittel der Lebenszeit sein. Entsprechend verträumt ist auch die Musik (und entsprechend gegensätzlich zum Cover, das zwei aufgebrachte Kämpferskulpturen zeigt, die mit Star-Wars-Lasern um sich blitzen): Gemächlich wird sie eingeleitet, betulich wird sie gesteigert. Manchmal entlädt sie sich in einem kleinen Gewitterchen, das sich in seinem Ausmaß aber schon deswegen zurückhält, weil – wie wir alle wissen – zu viel Unruhe zum Aufwachen führt.

Eine der großen Leistungen von The Dark Third besteht darin, dass es gelingt, die ihm innewohnende geradezu Enya-hafte Anschmiegsamkeit an einigen sorgsam platzierten Stellen ins leicht Metallische zu steigern, voilà: Es fällt kaum auf! Das Album ist wie aus einem Stück gegossen, was vor allem in Hinblick auf die verschiedenen Tracklisten der verschiedenen Albumversionen bemerkenswert ist. Die Titel gehen ganz organisch ineinander über, und ihre Töne werden mit Pink-Floyd-hafter Gelassenheit in die Länge gezogen. Bei dieser Musik bleibt Platz zum Atmen.

Eine zweite große Leistung von The Dark Third liegt darin, dass es alle diejenigen, die nach dieser kurzen Beschreibung Reißaus nehmen, zurückgewinnt. Man sollte dem Album nämlich eine Chance geben, denn ich habe ja noch gar nicht gesagt: Es ist unheimlich harmonisch! Pure Reason Revolution schaffen es doch tatsächlich, in einer Atmosphäre, in der eigentlich nichts passieren kann, jede Menge passieren zu lassen. Auch wenn die Atemzüge eines Schlafenden länger als gewöhnlich sind: Mit jedem dritten dieser Atemzüge schwebt eine himmlische Melodie herbei. Das ist nicht bloß ätherisch oder esoterisch, sondern schlichtweg eingängig. Und auch wenn die Band das Stigma fast aller Progrock-Künstler mit sich trägt – mittelmäßiger Gesang und etwas Kitsch -, so wissen sie doch mit dem Kitsch umzugehen. Und der Gesang wird durch seinen Einsatz im Mini-Chor (2 Personen, 60 Spuren) über seine Beschränkungen hinaus gehoben. Dass zudem auch noch die Produktion ziselierte Sounds beiträgt, die sich als Motive im Kontext verweben, ist nichts anderes als eine Einladung zur Euphorie. Ich will noch nicht schlafen, ich bin ganz wach!

Ich bin gespannt, in welche Richtung die Band sich entwickeln wird. Da die Halbwertszeit dieses Debüts beträchtlich ist, wäre es unsinnig, dessen Stil fortzusetzen. Jedenfalls kann The Dark Third völlig losgelöst im Raum stehen bleiben – etwas zum Zurücklehnen und Genießen. Endlich wieder eines dieser Alben, die Drogen ersetzen.

||||| Henning Baucke |||||

Pure Reason Revolution@MySpace

Video zu The Intention Craft:

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