Mord im Dunkeln - Autechre, 08.03.2008, Hafenklang-Exil in Hamburg

Dienstag, 18. März, 2008 at 6:00 Uhr nachmittags (Electronic, Konzerte, Rezensionen) (, , , , )

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Dass Autechre konventionelle Hörgewohnheiten auf dem Gewissen haben, ist hinlänglich bekannt. So bekannt, dass sich vor dem Hafenklang eine lange Schlange von Anhängern der avantgardistischen Bleeps- und Clonks-Götter gebildet hat, um noch eine der letzten 50 Karten an der Abendkasse zu ergattern. Alle wollen dabei sein, beim großen Umsturz musikalischer Traditionen. Dass es Autechre an diesem Abend auch auf die Konventionen eines herkömmlichen Live Gigs abgesehen haben, ahnen in diesem Moment wohl die wenigsten.

Entspricht der Auftritt eines Electro Acts durch die Regler-Schiebe- und Knöpfchen-Drehe- und Drückerei sowieso nicht den Gepflogenheiten eines Konzerts im klassischen Sinne, setzen Autechre noch einen drauf, indem sie dem Publikum jeglichen visuellen Reiz entziehen: Es ist stockfinster! Nicht nur, dass man Autechre, die wohl auf der Bühne sind und ihre Maschinen bedienen, nicht sehen kann, selbst Nebenfrau und Nebenmann, die eigentlich nur wenige Zentimeter entfernt sein können, bleiben von der Dunkelheit verschluckt. Die Botschaft ist eindeutig: Was hier zählt sind nicht die Protagonisten, sondern nur die Musik an sich.

Von der gibt es dann mit einer knappen Stunde Spielzeit allerdings viel zuwenig, als dass man sich voll darauf einlassen könnte: Die Spannungsbögen des improvisierten Sets bauen sich sehr langsam auf, um dann, sobald sie einen Höhepunkt erreicht haben, schon nach kürzester Zeit – na klar – komplett wieder zusammenzubrechen… und dann alles noch mal von vorne. Ihre eigenen Konventionen schaffen Autechre nicht zu überwinden. Dazu kommt, dass der mittlerweile ausverkaufte Saal völlig überfüllt ist und man durch die gegebene Dunkelheit ständig einen Ellbogen in die Rippen bekommt oder seinen eigenen Fuß auf oder unter einem fremden findet; rhythmische Bewegungen zur Musik sind kaum möglich.

Nachdem Autechre nach Beendigung ihres Sets, für einige Anwesende im Publikum sogar unmerklich, die Bühne verlassen haben, werden Stimmen laut, die von „Intensität“ sprechen, aber auch welche, die von „kurzer Spielzeit“ oder „viel zu kurzer Spielzeit“ oder gar von ,„unverschämt kurzer Spielzeit“ sprechen.

Jedenfalls will keiner etwas gesehen haben.

||||| Jochen Meyer |||||

Bild: Autechre in Aktion

1 Kommentar

  1. ROB sagte,

    Mittwoch, 19. März, 2008 um 4:32 Uhr vormittags

    geile Idee, das.

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