Monster Magnet - 4-Way Diablo

Dienstag, 25. März, 2008 at 8:47 Uhr vormittags (Rezensionen, Rock) (, , , )

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Wisst Ihr noch? Damals? Monster Magnet? Artworks auf den sich eine vielarmige, einäugige Stier-Gottheit (mit was auch immer) gefüllte Spritzen in die Venen trieb, T-Shirts mit dem Aufdruck „School free drug zone“ und den fettesten, verstrahltesten Psychedelic-Rock den die 80er bzw. 90er je hervorgebracht haben!?

Monster Magnet schienen nicht nur mit dem Image der mit Drogen vollgepumpten Spaceheads zu spielen, sondern dieses auch wirklich zu leben. So prangten zum Beispiel im Booklet von Spine of God die Worte „It’s a satanic drug thing… you wouldn’t understand“ unter dem verfremdeten, schwarz-weißen Foto eines langhaarigen Bongrauchers. Eine Warnung die aber auch gleichzeitig implizierte, dass hier eine verschworene Gemeinschaft am Werke war, die sich von den Nichtkonsumenten klar abgrenzte und die nicht mal ansatzweise versuchte, sich zu erklären, geschweige denn sich zu rechtfertigen. „I’ve got mushroom clouds in my head…“ bekannte Hohepriester David Wyndorf in dem Song All Friends and Kingdom Come und wirkte auch ansonsten so, als ob er unsere Realität zugunsten einer LSD-indizierten öfter mal verlässt.

Trotz oder wegen (?) ihres immensen Drogenkonsums schafften es Monster Magnet mit dem bereits erwähnten Spine of God (1991) und Dopes to Infinity (1995) mindestens zwei der besten Psychedelic Rock-Alben der Neunziger, vielleicht aller Zeiten zu erschaffen, bevor die ausufernden Jamparts zugunsten straighten Rockarrangements auf ein Minimum reduziert wurden. Auf dem 1998 veröffentlichten Album Powertrip rochen Monster Magnet dem zu Folge nicht mehr nach zugequalmter Dopehöhle, sondern stanken nach bierseligem Rockschuppen, und genau dort funktionierten dann simple Rocksongs wie Spacelord oder Powertrip auch ganz wunderbar. Es soll ja sogar Leute geben, die Monster Magnet nur mit diesen Hits in Verbindung bringen und von dessen drogengeschwängerter Vergangenheit gar nichts zu ahnen vermögen.

Naja, Dinge ändern sich… oder vielleicht doch nicht ganz, insofern, dass Wyndorf nun zwar nicht mehr mit Psychedelica sein Hirn überflutet, aber sich dafür schon mal selbst, mit ein paar Schlafmitteln zuviel, ins Koma versetzt, wie im Jahre 2006 geschehen. Spätestens hier zeigt sich doch recht deutlich, dass in gewissen Fällen eine klare Abgrenzung zwischen Image und gelebter Wirklichkeit der eigenen Gesundheit mehr als zuträglich sein kann. Aber jetzt geht es ihm wirklich wieder besser, ja sogar richtig gut und er nimmt wirklich keine Drogen mehr und hat auch gleich ein neues Album dabei.

Gut für Wyndorfs Gesundheit und für die Authentizität von Monster Magnet, dass es sich bei 4-Way Diablo nicht um einen Aufguss der psychedelischen Phase der Band handelt. Der mit Powertrip eingeschlagene Weg wird konsequent fortgesetzt. Songs wie Slap in Your Face und Wall of Fire werden wohl auch heute die bierbäuchige, langhaarige Headbangerfront auf die besudelte Tanzfläche des ranzigen Rockschuppens locken, aber schon im Alternative Club nebenan wird man wohl nur gelangweilt gähnen oder die Zeit nutzen, um sich Getränke zu ordern. Doch selbst in der Metaldisco wird man wohl lieber auf Spacelord oder am Besten gleich auf ein Original (AC/DC) zurückgreifen oder Jemanden, der es einfach besser macht (Danko Jones), auflegen: 4-Way diablo klingt nämlich im höchsten Maße rückständig, geradezu altbacken, jedes Riff wie schon tausendmal gehört. Darüber können auch nicht Songs wie 2000 Lightyears From Home oder I’m Calling You hinwegretten, in denen das Tempo merklich gedrosselt wird und Wyndorf doch tatsächlich ein paar Spacesounds aus seinem verstaubten, fliegenden Koffer auspackt. Im Gesamtkontext des Albums wirkt dies einfach nur unpassend, ebenso wie die saubere, fast klinisch wirkende Produktion, die im absoluten Widerspruch zum anachronistischen Sound steht.

Die Zeiten in denen Monster Magnet stilprägend und wegweisend waren sind hiermit endgültig vorbei. Aber wirklich interessieren tut das wahrscheinlich eh Niemanden mehr, sind doch schon die beiden Nachfolgealben zu Powertrip komplett untergegangen. Vielleicht ist das ja auch ganz gut so für Herrn Wyndorf, so muss er gar nicht mehr erst auf Tour gehen und bleibt dem exzessivem Leben dort fern. Ist doch eigentlich auch ne ganz nette Vorstellung: Wyndorf im Ohrensessel vor dem Kamin in dem gemütlich ein Feuer prasselt. Vielleicht seine Memoiren schreiben oder noch passender einen Science Fiction Roman; Pullover stricken und ab und zu mal am Portwein nippen. Wäre das nicht etwas für Sie, Herr Wyndorf ?

||||| Jochen Meyer |||||

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4 Kommentare

  1. ROB sagte,

    Mittwoch, 26. März, 2008 um 4:29 Uhr vormittags

    Na auf jeden Fall würde dieses Cover-Art sich sehr schön auf meinem bierseligen Buch machen, oder?

    LG
    R.

    PS: Da hab ich doch durch diese Rezension gleich gelernt, dass man “bierselig” nur mit einem “e” in “-selig” schreibt. Hätte gedacht, das hat was mit “Seele” zu tun. Kommt aber wohl einfach von “selig”. Apropos, Jochen… es ist so o oohne dich…

    PPS: Schöne Grüße aus Tokio. Die Kirschblütenzeit beginnt gerade und es wird so richtig schön frühlinghaft. Toll.

    PPPS: Dieser Satz steht hier einfach nur, um es auf die Spitze zu treiben. Jetzt aber SCHLUSS.

  2. ROB sagte,

    Mittwoch, 26. März, 2008 um 4:31 Uhr vormittags

    PPPPS: Muss jetzt doch nochmal sein. Ich meinte natürlich auf meinem bierseligen BAUCH!! Vielleicht sollte man den Kommentar erst nochmal lesen und dann posten. Sorry.

  3. ROB sagte,

    Mittwoch, 26. März, 2008 um 2:04 Uhr nachmittags

    hihi

  4. belafleck sagte,

    Donnerstag, 10. April, 2008 um 8:17 Uhr nachmittags

    Wie sagt man so schön: “No junk, no soul”

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