Der Typ, der nie übt! - Niels Frevert, 07.04.2008, Gebäude9 in Köln

Dienstag, 8. April, 2008 at 3:53 Uhr nachmittags (Konzerte, Pop, Rock) (, , , , )

07.04.08 – Niels Freverts Bandtourauftakt im Gebäude9 in Köln. Toiletten in der ersten und zweiten Etage. Und im Erdgeschoss roch es nach Keller. Das muss man erst mal schaffen. In der Annahme, dass sich die Statiker vorher vom Zustand des Gebäudes überzeugt hatten, stand man Schlange. Ich musste kurz überlegen, ob ich das vermisst hatte. Ja, hatte ich. Glaube ich.

Ich trug keine Armbanduhr, daher kann ich nur schätzen, in welchem zeitlichen Rahmen sich der Abend abgespielt hat. 21h Paul Dimmer Band – eine dreiköpfige 5-Mann-Band. Haben begeistert und den Abend sehr schön eingestimmt. Es wurde schnell klar, dass Freverthörer hier nicht unkundig weghören. Songs wie Pausen vom Debütalbum der Band wurden nach wenigen Tönen vorfreudig bebeifallt. Die Herren sind Vertreter des ruhigeren, entspannteren Fachs. Man hätte also meinen können, dass Niels im Anschluss mit einem akustischen Set im Soundgewand seines aktuellen Albums Du kannst mich an der Ecke rauslassen fortsetzen würde. Aber nicht nur wir, sondern auch Frevert selbst scheint das Rocken vermisst zu haben. Denn: er hat!

Es begann gegen 21:56h mit Baukran noch ruhig ganz im Stil der Platte, auch wenn der Mischer des Gebäude9 von Anfang an auf Lautstärkenmaximierung setzte. Laut war es, wenn auch nicht unbedingt nötigerweise. Das Set aber steigerte sich bis zum vielleicht krönenden Doppelgänger-Abschluss gegen 23:24. Der Song hat seit der 97er Tour nicht mehr so gerockt. Und auch all die anderen Songs, die live bislang nur im Niels-mit-Telecaster*-Gewand zu hören waren, knallten ganz hervorragend: Seltsam öffne mich, Einwegfeuerzeugstichflamme, Tiefkühltruhe und Co….

Der Sänger schien zunächst sehr nervös. Keine Publikumsinteraktion, keine Ansagen. Ein schüchtern verhuschtes „Danke“ musste reichen, wenn überhaupt. Erst als er seine A-Gitarre komplett verstimmte, und den Song nach zwei Sekunden deswegen abbrach, wurde er endlich locker. Und ab dem Moment lief’s. Vielleicht flutscht es jetzt bei den nächsten Shows ohne Probleme, nachdem diese Hürde nun genommen ist und die Band die Feuertaufe bestanden hat. Vielleicht stellt er dann auch die Band vor, die den Abend ganz wunderbar mit ihm bestritten hat. Spätestens in Hamburg am 12.04. hat sich dann sicher alles eingegroovt (Stand letzte Woche: noch 117 Restkarten von 1.000!). Der NDR schneidet mit, um die Tour für die Ewigkeit festzuhalten.

Zur Setlist, die ich unten vollständig aber in falsch erinnerter Reihenfolge zusammengetragen habe, bleibt noch zu sagen: die Band hat 20 Songs geprobt und genau die 20 Songs haben sie auch gespielt. Echte Überraschungen, wenn ich das mal so (so blöd beleidigt es klingen mag) formulieren darf, gab es nicht. Keine Cover-Version (von Ich möchte mich gern von mir trennen, der ab sofort ein Frevert-Song ist, abgesehen), keine Raritäten, nichts aus der Zeit vor 1997. Aber allemal die wahrscheinlich beste Songauswahl der drei Alben für diese Band.

*R.I.P.

Setlist:
Baukran
S.O.S.
Polyacryl
Glückskeks
Du kannst mich an der Ecke rauslassen
Ich möchte mich gern von mir trennen
Tag ohne Namen
Niendorfer Gehege
Einbahnstraßen
Der Typ, der nie übt (Worum es eigentlich geht)
Wann kommst du vorbei
Genug ist genug, Gnu
Einwegfeuerzeugstichflamme
Durchsichtiger Blues
Seltsam öffne mich
Tiefkühltruhe
Aufgewacht auf Sand
Waschmaschine
Du musst Zuhause sein
Doppelgänger

||||| Phil Friederichs |||||

Inoffizielle Website: www.tuetensuppe24.de
Offizielle Homepage
Niels Frevert@MySpace

Video zu “Du kannst mich an der Ecke rauslassen”

3 Kommentare

  1. Svenja sagte,

    Dienstag, 8. April, 2008 um 4:09 Uhr nachmittags

    Hey! Knorker Konzertbericht! Gefällt mir sehr gut! :-)

  2. rudy kaals sagte,

    Donnerstag, 10. April, 2008 um 5:54 Uhr nachmittags

    Danke für das Bericht. Das Lied ist großartig. Freue mich auf nächsten Freitag, dann spielt er hier!!

  3. frauke sagte,

    Samstag, 12. April, 2008 um 1:15 Uhr nachmittags

    Schöner Konzertbericht :)
    Von Nervosität in Berlin keine Spur.
    Das gewissenhafte Gitarrenstimmen wurde zum Runninggag und “Ja Niels, wir wissen das zu schätzen!”
    Die Band hat er den Gästen leider auch diesmal vorenthalten.
    Insgesamt klasse Sound, liebe zum Detail und eine angenehme Vorband, was ja selten ist.
    Ein paar vorgestrige haben mit den üblichen Nationalgaleriewünschen genervt.
    Nicht das ich seine Wortwahl nicht auch schon mit 17 geliebt habe, aber ein bisschen mehr Begeisterung für Niels Kunst von heute kann man doch erwarten.
    Wusste gar nicht wie sehr mir seine Stimme gefehlt hat.
    In diesem Sinne rede doch ein bisschen mehr mit uns Niels, wir mögen was du machst.

Einen Kommentar hinterlassen