Portishead - Third

Fickmusik nannte eine Kollegin vor kurzem das bisherige Schaffen von Portishead. Kann man sicherlich so sehen, muss man aber nicht. Zumal die knackige Umschreibung den bisherigen drei Alben - das Livealbum Roseland NYC wird an dieser Stelle einfach mitgezählt - nur leidlich gerecht wird. Und nun ist das passiert, was bis vor wenigen Jahren noch unmöglich erschien: ein neues Album, Halleluja!
Die unglaublich großen Erwartungen an Third kamen nicht aus dem Nichts. Zehn Jahre sind seit dem letzten Lebenszeichen der Band aus Bristol vergangen, sechs seit Beth Gibbons wunderbarem Soloalbum Out of Season, zwei seit der Ankündigung, es werde ein neues Album der Band geben, und rund sechs Wochen seitdem das Video zu ersten Single Machine Gun veröffentlicht wurde. Insgesamt sollen die Arbeiten an Third drei Jahre gedauert haben. Das Warten hat sich mehr als gelohnt, denn das sperrige Biest eines Albums wird nicht weniger als die Platte des Jahres werden.
Natürlich hat das ganze Trara der letzten Monate rund um Album und Band dazu beigetragen, schon einmal vorsorglich die Hitliste der Alben 2008 nach dem Release von Third schließen zu können. Allerdings ist die Platte dem Druck und den Erwartungen gewachsen und macht aus allen bisherigen Meinungen kurzerhand Konfetti. Hier ist nichts mehr, das an die wohlige, unterkühlte Kopulationsatmosphäre der bisherigen, leicht angebarjazzten Alben erinnert. Konnte man sich früher zu einem bierseligen - wie man heute sagt - chillen treffen oder mitunter mit dem Kopf zur Musik nicken oder sogar tanzen, so wird man heute von Beth Gibbons, Adrian Utley und Geoff Barrow weitestgehend mit sich alleine gelassen. Das will doch keiner hören. Kunstkacke!
Third ist ein so grandioses Album geworden, weil es die erste Platte ist, die sich traut, das schier übermächtige und wunderliche Kid A nicht nur aus der Ferne voller Untergebung zu bestaunen. Third tritt aus der Ansammlung an Seltsamkeiten der britischen Popmusik hervor, langsam und behutsam auf den eigentümlichen Spielkumpanen zutrippelnd. Bis es bemerkt, dass dieses komische Ding unter der abweisenden Oberfläche ein pumpendes Herz besitzt, es einfach umarmt und Beide Hand in Hand davon hüpfen. Portisheads drittes Werk ist nicht weniger unzugänglich und abweisend als der ältere Bruder aus der Feder Thom Yorkes und Konsorten.
Kein Ton der umschmeichelt, kaum ein warmer Farbklecks findet sich auf Third. Statt dessen dominieren die unwirklichen, rappelnden und kratzigen Beats, die aus dem Nichts kommen und unbemerkt wieder verschwinden. Die bohrenden Gitarren, seltsam in den Hintergrund gemischt. Beth Gibbons, die nicht so recht weiß, ob sie sich mit dem Sound anfreunden soll und lieber weiter hinten in Sichtweite der Saiteninstrumente bleibt. Kühle, lange Synthieflächen. Nervenzerreißende Störgeräusche. Ein Song, dessen Stromzufuhr mittendrin einfach abgestellt wird, just bevor man ein Aufbrechen des Eises erwartet. Und dazwischen: ein neunzig Sekunden langer sanfter Folksong zur Gitarre.
Third ist eine Unverschämtheit eines Albums geworden, das die bisherigen Ansprüche an die Band ad absurdum führt und Portishead auf ein neues Level hievt. Endgültig sind sie raus aus dem, was früher Trip Hop genannt wurde. Dieses Album besiegelt die Narrenfreiheit. In 30 Jahren wird man nicht mehr nur ehrfurchtsvoll über Radiohead sprechen, wenn man sich an die erste Dekade des neuen Jahrtausends erinnert. Portishead werden dabei sein, ganz vorne.
||||| Kai Wehmeier |||||
Offizielle Homepage
Portishead@MySpace
Video zu “Machine Gun”
kel sagte,
Sonntag, 4. Mai, 2008 um 2:27 Uhr nachmittags
hey zusammen, ich finde hier auf der seite keinen kontakt zu euch. evtl meldet sich mal wer oder öffnet mir die verklebten augen…?
grüsse
kel
concert-news.de
mixtapemagazin sagte,
Sonntag, 4. Mai, 2008 um 7:04 Uhr nachmittags
Servus,
Zu unserem Kontaktformular gelangst du, wenn du in der rechten Leiste nach unten scrollst.
Gruß,
mm
Mange sagte,
Donnerstag, 19. Juni, 2008 um 5:33 Uhr vormittags
Somehow i missed the point. Probably lost in translation
Anyway … nice blog to visit.
cheers, Mange.