10:03 „Rage Hard“ oder Die Mutter aller Maxis!

Löschen und spul zurück: 1988 the Year Schwachsinn broke. Bronski Beat tanzten den Smalltown Boy auf einer Länge von 9:00 Minuten. Der geschüttelte Lonely Boy auf mindestens drei Vorstadtbahnstationen gestreckt. Krude Breaks im mitunter instrumentalen Nichts auf dem Format einer kompletten LP. Wem half eigentlich die, schon in den Siebzigern erfundene, maximal breite Rille?
Wohl am ehesten dem Verkauf. Jäger, Sammler, Nerds. Was waren die drei kompakten Minuten Radioformat gegen die hochdynamisch wertvolle „Diskoversion“. Ähnelte so ein wenig diesen Filmen mit dreidimensionalen Effekten. Die Maxi als akustische 3-D-Brille also? Hört man mal Visages Fade To Grey (1983) als Beispiel. Diese eher blutarme, langweilige, sich wiederholende Abfolge ein und derselben Parole. Aufgepumpt auf 6:38 und mit allerlei Kawumm versehen schon eine ganz andere Hausnummer. Schummler waren diejenigen, welche sich versuchten mit Verlängerungen um die 10 (!) Sekunden im Vergleich zur Original-Single Land zu gewinnen. Eine ausgewachsene Maxi/12“ hatte in der Regel bitte erst ab frühestens Minute 6:00 ihre Daseinsberechtigung. Abgesehen davon war so mancher Plattenleger froh um jede solcher verlängerter Pinkel- oder Kontaktepflegepausen. Als eines der besten Anti-Beispiele dürfte seinerzeit das gemeinsame Vince Clarke/Eric Radcliffe/Feargal Sharkey-Projekt The Assembly zu erwähnen sein. 3:43 Never Never bedeuteten ganze sieben Sekunden bezahlte Mehrarbeit. Etwas mehr Enthusiasmus legte Clarke da schon mit Yazoo’s Don’t Go ins Vinyl. 8:26 herrliches Splatatter rund um die zunehmend ekstatische Frau Moyet! Nicht von schlechten Produzenten auch die 7:42 währende akustischer Fernbeziehung mit Alphaville in Sounds like a Melody, welches ohne zusätzlich aufgeschwemmtes Intro direkt zur Sache kommt und sich erst allmählich im grandiosen Mittelteil aufschwingt. Ganz ohne jede Frage aber gilt nur eine dieser Tanzflur-Bomben bis heute als auf ewig unerreicht: Frankie Goes To Hollywood lieferten mit Rage Hard im „Young Person’s Guide Into The 12 Inch Mix“ die erfolgreiche Bastelanleitung gleich mit: „Move with me inside the strange world into the 12“! Where nothing is as it seems. Where everything has it’s place and there’s a place for everything. And anything can happen!“. Wenn nach gefühlten zig Minuten Patchwork und einer Führung durch beinahe sämtliche Sounds („The godlike Bassguitar“, „The Anticlimax“) alles im eigentlichen orgiastischen Track kumuliert, ist alles, aber auch alles gesagt!
||||| Michael Kellenbenz |||||
Move with me inside the strange world of the 12″ : the boy in the bubble sagte,
Samstag, 10. Januar, 2009 um 3:28
[...] obwohl ich die praktisch alle noch auf Vinyl im Schrank stehen habe. Spätestens nach dieser legendären, erweiteren Version von Rage Hard war klar, dass ich keine der oft drei, vier Maxiversionen auslassen konnte. Note to self: Unbedingt [...]