Snow Patrol - Run (Live At Glastonbury)

Louder, Louder! Slower, Slower! - Schottischer Schneetrupp im Sommer. Oder genauer gesagt im britischen Glastonbury. Also mitten im Grünen. Was dem Skispringer die Mattenschanze, ist unseren Musikern die große Wiese voller Geld, Gold und sorgenfreiem Leben. „Light up, light up/As if you have a choice/Even if you cannot hear my voice/I’ll be right beside you dear“. Kurz vor der Festivalsaison wurde unlängst Snow Patrols Album Final Straw wiederveröffentlicht. Vielleicht aus gutem Grund.
Sicherlich fanden sich auf Final Straw Songs, deren eingebaute Ewigkeit durchaus das eine oder andere Jahr überdauern würde. Doch wagte sich mit Run ein alles überstrahlendes Kleinod ins leuchtende Ganze. Eines, welches spätestens auf besagtem Festival in Glastonbury 2007 im gleißenden Sonnenschein den fälligen Beweis seiner Energie antreten wollte. So intensiv und berührend, dass Sänger Gary Lightbody (!), man muss diesen Kalauer jetzt einfach bis an den Bühnenrand führen, zur lebendigen Lichtgestalt mutierte. Und am Ende vor lauter Entrückung mit seinen beiden Armen kaum mehr ein noch aus wusste. Was in den vorangegangenen Minuten geschehen war? Lightbody, dieser Schlaks vor dem Herrn, steht geschlossenen Auges („And I can barely look at you/But every single time I do/I know we’ll make it anywhere/Away from here“) im rapsgelben Shirt inmitten seiner schottischen Jungs. Schon lange bevor Minute 4:43 anbricht und das unfassbare Solo seinen Lauf gen Himmelszenit nimmt, ist bereits klar, dass hier gerade Besonderes geschieht. Ihm gegenüber bezeugen das wohl mehrere Zehntausend Blumenkinder der Neuzeit. Luftschlagzeuger unterm Sonnenkäppi, Mädchen auf verschwitzten Schultern, Fahnen und manch kryptische Botschaft. Dazu alle Hände gen Himmel und ein Outro aus sämtlichen Kehlen. Vor lauter Ehrfurcht und Energie müssten genau jetzt und auf der Stelle die golden schimmernden Bühnenscheinwerfer erlöschen. Doch soweit kommt es dann doch nicht. Dass Lightbody indes hier gerade Geschichte geschrieben hat benötigt keinen weiteren Beweis. Denn so sicher, wie alle Kameras sich in relaxter Würde um die Band herum bewegen, so bestimmt muss in jenen sechseinhalb Minuten über Glastonbury im Sommer 2007 die Zeit stehen geblieben sein.
||||| Michael Kellenbenz |||||