Bonnie „Prince“ Billy – Lie Down in the Light


So ist er, der gute, alte Will Oldham. Ohne großes Vorgeplänkel wird aus dem Nichts ein neues Album veröffentlicht. Keine PR, keine Marketingmaschine, nein, nicht einmal die kleinste Ankündigung braucht der Mann mit Gold auf der Zunge und der Dunkelheit im Herzen. Höchstes Understatement nennt man so etwas wohl.
„Twelve Songs“ ist alles, was man als Käufer über Lie Down in the Light erfährt, bevor die lästige Plastikfolie vollständig zerrissen den Weg in den Papierkorb gefunden hat. Die Lösung in Form von Songtiteln liegt auf dem Tonträger. Ums vermissen scheint es ihm diesmal zu gehen: You Remind Me of Something, Missing One und What’s Missing is heißen drei der Stücke, die in keinem Wort die Überraschung preisgeben, die sich in den 45 Minuten zwischen Saloongeklimper, Schifferklavier und tänzelnder Akustikgitarre breit macht. Bonnie „Prince“ Billy hat sich aus seinem kleinen lichtdichten Holzkistchen heraus getraut und hat festgestellt, dass die Welt da draussen doch nicht grundlegend böse und gemein ist. Einige Titel dürfen im Universum des Will Oldham ruhig euphorisch im positiven Sinne genannt werden. Die Liebe – natürlich, was sonst? – ist es, die Oldham ergriffen hat. Sie trägt den Namen Ashley Webber und begleitet den Barden bei einigen Stücken. Im ergreifendsten Duett So Everyone kulminiert die Kollaboration in einem Stoßgebet: „Now I want the world to see / Everybody look at me / I’m a good person and free / And she loves me“. Weitere Erklärungen sind hinfällig.
Apropos vermissen. Ein bisschen vermissen darf man den good old Oldham schon. Wo früher geweint wurde wird heute geschunkelt. Und nicht erst seit Florian Silbereisen wissen wir, dass auch das nur eine weitere Form der Verdrängung ist. Warum kann dieser Mann eigentlich keine schlechten Alben schreiben?
||||| Kai Wehmeier |||||