Conor Oberst ~ Conor Oberst

Samstag, 16. August, 2008 at 10:00 (Pop, Rezensionen, Rock) (, , , , , , , , )

Folgende zentrale Fragen gilt es anlässlich des neuen Soloalbums von Conor Oberst zu klären: 1. Braucht es dieses Soloalbum abseits der Bright Eyes überhaupt? 2. Braucht Conor Oberst diese Selbstverwirklichungsplattform tatsächlich? Und viel wichtiger: 3. Hat der junge Mann aus Omaha da nicht wieder einen Hammer rausgehauen?

Das Ende der Spurensuche zur Beantwortung dieser Fragen liegt zumindest zu Zweidritteln in Nebraska begraben, der Schaltzentrale von Saddle Creek und dem Künstlerkollektiv Bright Eyes. Wobei Künstlerkollektiv in diesem Zusammenhang natürlich immer etwas übertrieben war, führten doch letztlich alle Wege wieder zu Conor Oberst. Sicher, Mike Mogis und Nate Walcott waren immer die Regieassistenten des großen kleinen Oberst und trauten sich auf Cassadaga kurzzeitig den Wechsel auf den Chefstuhl zu. Die Fäden liefen aber immer bei Oberst zusammen. Dieser sagt sich nun für seinen „Alleingang“ von Saddle Creek los und scharte um sich die Mystic Valley Band, weil so ganz ohne ist ja auch blöd. Dass im Dunstkreis der Musiker eben jene Mogis und Walcott möglichst unerkannt herumschleichen, sei nur nebenbei erwähnt.

So trampelt Obersts Soloalbum auf den seit I’m Wide Awake, It’s Morning bekannten Pfaden zwischen Folk, Country und traditionellem Singer/Songwritertum, natürlich nicht ohne eine entscheidende Neuerung zu installieren: Der ironische Bruch mit den musikalischen Genres, die aber immer auch gleichzeitig eine gewisse Huldigung bedeuteten, fehlt bei den meisten Stücken auf Conor Oberst. Der Künstler hat sich langsam einfach damit arrangiert, dass er im eng begrenzten Bereich des musikalisch Gewöhnlichen etwas Besonderes sein kann. Dafür braucht es keine verquerten Melodieführungen und ewiglangen Texte. Nein, dafür braucht es lediglich eine Portion musikhistorischen Wissens und das große Herz am rechten Fleck. An Beidem bestand bei Oberst natürlich niemals auch nur der Hauch eines Zweifels.

Die eigentliche Größe dieses Soloalbums fußt auf fünf Kompositionen: Da wären die beiden ruhigen Akustikgitarrensongs Cape Canaveral und Milk Thistle, die als Opener und Abschlusstrack den großen Rahmen bilden. Dazwischen finden sich verstreut ein ähnliches Stück mit herzzereissendem Text, Lenders in the Temple, und die Folkbomben Eagle on a Pole und Moab, die auch auf Cassadaga einen Platz gefunden hätten. Garniert von allerhand skurrilem, sehr tradionellem Country (Sausalito) und recht straighten Rocksongs (Souled Out!!!) hat sich doch noch ein ironischer Bruch auf Conor Oberst eingeschlichen: I Don’t Want to Die (in a Hospital), ist einerseits der musikalisch wohl althergebrachtetste Country-Stampfer des Albums, andererseits textlich der aggressivste. Wie in frühen Tagen bricht es aus Oberst heraus bis die Stimmbänder zu explodieren drohen.

Letztlich fallen nur wenige gravierende Unterschiede zu einer gewöhnlichen Bright Eyes-Veröffentlichung auf: Nebem der weitgehend fehlenden Ironie wird es die Heterogenität der Songs sein, die in der Summe wie eine Sammlung und nicht wie ein durchdachtes Album wirken, die am ehesten ins Auge bzw. Ohr sticht. Um nun abschließend die Ergebnisse der repräsentativen Befragung bei einem Rezensenten noch einmal zusammenzufassen: Nein, Nein, und: Ja, verdammt!

||||| Kai Wehmeier |||||

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Video zu „Souled Out!!!“:

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