Herr von Grau ~ Blumenbeet 2.0

Dienstag, 9. September, 2008 at 4:14 (Hip Hop, Rezensionen) (, , , )

Wenn in den letzten Jahren ein Konzept im Deutschrap missverstanden, missinterpretiert und missbraucht worden ist, dann ist das wohl unumstritten das Konzept Ironie. Gangsterrapper quer durch die Republik rechtfertigten sich bei Kritik an ihren Texten fast durch die Bank mit der Behauptung, alles sei doch nur ironisch gemeint gewesen, und mal nachzufragen, ob die Herren überhaupt wissen, was Ironie denn bedeutet, darauf kamen weder Alice Schwarzer noch Maybrit Illner, und den Fans war’s eh egal, die sprangen in diversen Foren gleich auf den Zug mit auf.

Dass es aber auch anders geht, das beweist Herr von Grau im Allein-, bzw. im zu-zweit-Gang, denn Dj, Produzent und Abmischer Kraatz ist neben Rapper Herr von Grau auch noch mit an Bord. Bereits im Bandnamen deutet sich an, was sich wie ein roter Faden durch die gesamte Platte Blumenbeet 2.0 zieht. Nämlich, dass man es hier mit echter tiefgründiger Ironie zu tun hat und man sich auch bei wiederholtem Anhören mancher Texte oder auch nur Textpassagen sicher sein kann, wie denn manche Aussagen gemeint sind.

In Der große Schmerz wird z.B. der Tod des Kanarienvogels Hansi betrauert, wodurch einerseits sehr schön verdeutlicht wird, dass, wenn Rapper trauern, sei es um Homies, Hunde, oder in diesem Falle auch Kanarienvögel, und dies in Liedform verpacken, sie oft nur sehr knapp an schnulzigen Pop-Hymnen vorbeischrammen, andererseits fragt man sich aber auch, ob es nicht vielleicht doch einen echten Hansi gegeben hat.

Ähnlich verfährt Herr von Grau mit lockeren Themen wie einer Hommage an den verschrobenen Soundmann Peter, Partykönigin Disko-Doris oder mysteriöse Arztbesuche, aber auch mit ernsteren Themen, wie Datenschutz, elterlichen Problemen und Depression, und liefert ein außergewöhnliches und sehr individuelles Album für alle, die auch mal über den Rap-Tellerrand blicken können und wollen.

Herr von Grau hat definitiv die Themen, aber auch die Beats, die sonst keiner hat. HipHop, Elektro, Pop, über alles wird ordentlich geflowt und das Storytelling wird ganz groß geschrieben. Dass Herr von Grau aber nicht nur was zum zuhören und nachdenken ist, haben sie mit ihrem diesjährigen Auftritt auf dem Fusion Festival bewiesen.

Um es abschließend mit den Worten von Herr von Grau-Dj Kraatz zu sagen: Auf diesem Album ist kein Battletrack und das ist auch gut so.

Checkt auf dem Album auf jeden Fall auch das grandiose Outro.

Mehr Infos gibt’s unter: http://www.myspace.com/herrvongrau, und checkt Herr von Grau live beim 3. Geburtstag vom Suess und Sauer Club am 20. September in Berlin!

||||| Thomas Mader |||||

Video zu Der große Schmerz:

2 Kommentare

  1. lady sagte,

    sau geiles ding! bin schon so auf das neue gespannt!
    cool geschrieben.

    xxladyxx

  2. Hendrik Bloem sagte,

    Hehehe,
    Herr von Grau is lustig.

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