Duffy ~ Rockferry

Die “neue Dusty Springfield” (Metro), eine der “Neuen Amys” (The Times), “misrepresenting genuine soul music” (Sängerin Estelle) – wer Erfolg hat, wird ebenso innig verachtet wie hochgelobt. Das ist ein alter Hut und genauso wenig überraschend wie der Umstand, dass Aimee Anne Duffy am liebsten als Duffy und nicht als Dusty oder Amy (Winehouse) gesehen werden möchte.
Trotzdem (und auch das ist nicht neu) ist den HörerInnen bei der Entscheidung, ob sie sich Rockferry zulegen wollen, wenig mit der Einordnung “Duffy klingt wie Duffy” geholfen. Es ist nunmal wahrscheinlich, dass Springfield- und Winhouse-Fans auch am Debüt der Waliserin gefallen finden. Sofern sie nicht zu der Fraktion gehören, die darüber zu lästern, dass Sängerinnen wie Duffy, Adele und Gabriella Cilmi sich lediglich von der Amy-Welle mittragen ließen, sondern es begrüßen, dass in den Charts nicht nur Frauen in Gestalt von Sexkittens (Pussycat Dolls), Pseudo-Pinks (Kate Perry) oder Sarah Connor und Anhang vertreten sind.
Duffy selbst beschreibt ihre musikalischen Einflüsse als “things Orchestral and Classic, weird and wonderful. Blues, Stax and Motown, Nostalgia”. Das kann man bis auf das “weird” so auch stehen lassen, denn besonders kantig sind die Stücke nicht. Sie handeln meist von Liebe in ihren Nicht-Formen (unerwidert, ausgenutzt, hoffnungslos, beendet), klingen dank des häufigen Streicher-Einsatzes gerne etwas schnulzig und dank der – im besten Sinne – etwas quakigen Stimme der 24-jährigen ansonsten sehr retro nach 60er-Jahre Soul. Ob das folgende Attribut von Qualität oder Mangel an selbiger zeugt, liegt in den Augen der LeserInnen: Rockferry könnte der Soundtrack zu einem Film à la Bridget Jones sein – fehlt halt nur das Stück fürs Happy End.
Noch ein paar Fakten:
Mit 19 trat Duffy bei der walisischen Castingshow Waffactor an – was ihr noch heute peinlich ist. Sie belegte dort den zweiten Platz.
Entdeckt wurde Duffy von Jeanette Butler, die bereits The Cranberries und Pulp gemanaged hat. Auch die Produzenten von Rockferry sind keine Unbekannten: Bernard Butler (Ex-Suede-Gitarrist) und Jimmy Hogarth (produzierte u. a. James Blunt und KT Tunstall).
Duffy wird bei einigen Konzerten als Opening Act für Coldplay auf deren derzeitiger Nordamerika-Tour auf der Bühne stehen.
Fazit:
Musik, die man gefahrlos an Bekannte und weibliche Verwandte jeden Alters verschenken kann, und die man mit höchster Wahrscheinlichkeit von mindestens einer Bekannten oder weiblichen Verwandten zum nächsten Weihnachtsfest geschenkt bekommt.
||||| Solveig Wrage |||||
Video zu „Warwick Avenue“: