
Sei es im Zusammenhang mit Mangas, Cosplay oder Tokyo Hotel, immer öfter geistert der Begriff „Visual Kei“ ohne näher erklärt zu werden durch die deutsche Medienlandschaft. Doch Mixtape setzt der Verwirrung ein Ende und startet einen umfassenden Erklärungsversuch:
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Löschen und spul zurück: 1988 the Year Schwachsinn broke. Bronski Beat tanzten den Smalltown Boy auf einer Länge von 9:00 Minuten. Der geschüttelte Lonely Boy auf mindestens drei Vorstadtbahnstationen gestreckt. Krude Breaks im mitunter instrumentalen Nichts auf dem Format einer kompletten LP. Wem half eigentlich die, schon in den Siebzigern erfundene, maximal breite Rille? Den Rest des Beitrags lesen »
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Das Schönste an Ruhm ist seine Übertragbarkeit. Man muss gar keinen langen Werdegang durchlaufen, um von ihm kosten zu können. Denn Ruhm pflanzt sich über Bekanntschaften fort. Es reicht schon vollkommen, jemanden zu kennen, der jemanden kennt, um sich selbst auch ein bisschen gekannt vorzukommen. Wenn ich jemanden kenne, der Weltrekorde schwimmt, dann fühle ich mich durch ihn ein bisschen berühmt und vielleicht auch ein bisschen athletisch. Den Rest des Beitrags lesen »
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Jeder Künstler muss sich diese Gretchenfrage stellen: „Wie hältst du es eigentlich mit der öffentlichen Präsenz?“ So einfach sie sich formulieren lässt, so ganzheitlich ist ihr Hintergedanke: Wirtschaftlichkeit, Image und künstlerisches Selbstverständnis sind die Ausgangspunkte für die Entscheidung darüber, welche Häufigkeit des öffentlichen Auftretens angeraten ist. Den Rest des Beitrags lesen »
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Nachdem ja bei Mixtape schon der grosse Brasilien-Hype ausgerufen wurde, kommen wir nun zu einem Land, bei dem eher fraglich ist, ob es noch zu Ruhm und Ehre kommen wird, obwohl es das musiktechnisch sicherlich verdient hätte. Kolumbien.
Kolumbien ist mehr als uns die Tagesschau und die Homepage des Auswärtigen Amtes glauben machen will. Kolumbien ist mehr als Koks und Escobar, mehr als Paramilitares, Entführungen und Guerilla, mehr als Montoya und Pibe Valderama, und zum Glück auch mehr als Shakira, Juanes und Reggaeton.
Sicherlich ist Salsa DIE traditionelle Musik in Kolumbien und wer nicht tanzt outet sich gleich als Gringo. Es findet sich zum Glück aber immer eine Kolumbianerin, die einem mehr als gerne den ein oder anderen Tanzschritt beibringt. Und wenn man sieht, wie die Damen die Hüften schwingen, hält einen eh nichts mehr auf den Sitzen.
Studien zufolge gibt es in Kolumbien mehr als 1000 traditionelle Rhythmen, unter anderem Vallenato, Bambuco, Llanera, Pacífico etc.
Besonders empfehlenswert unter der traditionellen Musik ist der Pacícifo, die Musik der schwarzen Bevölkerung Kolumbiens aus dem Chocó, der einem mit wilden Trommeln das Blut zum kochen bringt und stark an die brasilianische Musik der Bahía erinnert.
Toto la Momposina ist die wohl bekannteste Künstlerin dieser Musik und eine lebende Legende in Kolumbien. Den Rest des Beitrags lesen »
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Erst das Trikot, dann die Sneakers, jetzt die Musik: Warum es gerade cooler ist sich mit brasilianischer Musik zu versorgen, als mit grün-gelben Trikots.
Oi heißt Hallo. Aus so manchem Winkel des populären Musikdschungels ruft es derzeit Oi. Oioioi – triple oi! Nur Wyclef Jean krakelt immer noch sein haitiheiseres „Shakira, Shakira“ in altbewährter Poptarzanmanier. Die Trendgeier von Black Eyed Peas haben die Beute natürlich längst geortet und in ihrer pubertär anmutenden, jedoch natürlich rein materiell orientierten Vorschnelligkeit in die immer noch MTVschauende, pickelausdrückende Weltgemeinschaft verspritzt: „Oohhwaaadijaaadajooh!“ Immerhin hatte dieser fragliche Verbesserungsvorschlag zu Jorge Ben Jor’s Mas Que Nada einen Sinn – nun wissen es auch die allerletzten: Der Hispano Hype scheint zwar noch lange nicht um zu sein, schon kündigt sich der Brasileiro-Sound an! Hip Hop Liebhaber, die nicht wissen was letztens bei Room Raiders oder Date My Mom war (Auflösung: beides aktuelle MTV-Sendungen), sind vielleicht beim reinlauschen in das neue Jurassic 5-Album Feedback darüber gestolpert. Oi! Auch da lässt unter anderem, Vertrautem, ein Track mit Vinicius de Moraes von sich hören, der wohl zu den ungewöhnlicheren Instrumentals des neuen Albums gehört.
Natürlich ist die Attraktivität der portugiesisch singenden Hälfte Südamerikas nicht ganz so neu. Seit Michael Jackson, wohl teilweise auch fassungslos über das Desinteresse der Musikwelt am Brazileiro-Sound, 1996 feststellte „They don’t really care about us“ und die, zugegeben schlechtere, Zweitversion des Videos in Salvador de Bahia drehte, läuft es nicht nur jeden Tag im beliebten Café an der Avenida São João, sondern auch die Popwelt hat allmählich Geschmack an Brasilien gefunden. Den Rest des Beitrags lesen »
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„Sei schlau! Bleib Dumm!“, so lautete der hier kürzlich veröffentlichte Artikel über Vorteile des kollektiven Ignorierens, der allerdings nicht ohne Antwort bleiben kann. Die mehr oder weniger privaten Ansichten von Morrissey und insbesondere Mariah Carey bildeten die Hauptstützen des Textes, und es lässt sich sagen, dass zumindest die Aussagen von Morrissey hinsichtlich des Vegetarierdaseins kontrovers behandelt werden können. Andererseits: wer, außer militanten Fleischessern – die ja eh keine guten Menschen sind – würde sich über Morrisseys Aussagen aufregen wollen. Auf der anderen Seite stand das tumbe Auftreten des Popprinzesschens Carey. Der Hinweis, „Sei schlau! Bleib dumm!“ hat Frau Carey selbst beherzigt und so ziemlich zur Perfektion getrieben. Dass diese Aufforderung dann aber für den Musikkonsumenten vielleicht ein bisschen zu einfach daher kommt, lässt sich gut an zwei Beispielen aus der jüngeren Vergangenheit illustrieren:
Zunächst einmal sei auf Richard Patrick verwiesen, ehemals Mitglied der Nine Inch Nails und Kopf der Band Filter, die mit ihrem letzten Album „The Amalgamut“ laut eigener Aussage (oder nur der von Herrn Patrick?) eines der besten Alben überhaupt veröffentlichte. Spätestens hier hätte auch dem neutralen Beobachter auffallen müssen: es stimmt etwas nicht. So trug es sich zu, dass zur Promo-Interview-Tingeltangelfahrt durch Deutschland – der 11. September 2001 war kürzlich geschehen – Herr Patrick mehrere Interviews gab, in denen der bekannte Künstler weniger durch Informationen zu den jüngst beendeten Aufnahmen zum bereits genannten Megaalbum auffiel, als durch hysterischen Verfolgungswahn und Todesangst ob der konkreten Bedrohung, die durch den islamischen Terror ausgeht. Wie ein kopfloses Huhn soll Patrick durch das Zimmer gerannt sein, in heller Aufregung darüber, dass es immer noch Menschen gibt, die den nahenden Untergang nicht erkennen würden. Der geistige Dünnpfiff, der im weiteren Verlauf des Gespräches noch aus dem Herren heraussprudelte, lässt zumindest fragen: Will ich Käufer diesem Menschen, der den Eindruck erweckt, er könne ein Sprecher der Bush-Administration sein und wolle im Zuge dessen den ganzen islamischen Raum mit dem Christentum beglücken, und der darüber hinaus wahrscheinlich zu Hause seine NRA-Mitgliedschaft (finanziert von meinem Geld?) in Gold gerahmt stehen hat, ja, will ich solch einem Deppen – abgesehen von der Qualität der Musik – mein Geld in die Taschen stopfen? Nein, natürlich nicht! Apropos Filter: Was macht die Band eigentlich momentan? Oder anders: In welcher medizinischen Abteilung sich Richard Patrick wohl gerade aufhält?
Wahrscheinlich nicht in derselben, in der sich Pete Doherty herum treibt. Doherty ist im Augenblick sicherlich das beste Beispiel dafür, dass man als Musikkonsument nicht einfach nach dem Motto „Augen/Ohren zu und durch“ verfahren sollte. Ist die Sau, die momentan durch das Dorf respektive über den Boulevard getrieben wird, der Öffentlichkeit eigentlich bekannt weil er Musiker ist, oder weil er hauptberuflich ausgebildeter Spritzer mit dem Hang zum verspäten ist? Weiß Herr Doherty überhaupt, dass er sich verspätet? Weiß Herr Doherty überhaupt noch irgendwas? Und die „Fans“ bzw. Konzertbesucher, wissen die überhaupt noch irgendwas? Merken die was? Zum Beispiel wofür sie eigentlich ihr Geld hergeben? Gut, es hat noch keinen 16jährigen gestört, wenn Mutti und Papi 30 Euro weniger im Portemonnaie haben. Jedoch sollte schon in Frage gestellt werden, ob es sich lohnt den schnöden Mammon für einen Junkie herzugeben, der im besten Falle noch über die Bühne torkelt und sich dafür von der Meute, die sehr wahrscheinlich auf einen plötzlichen Bühnentod geifert, auch noch feiern lässt. So viel Spaß am Masochismus muss man erstmal haben! Vielleicht ist es übertrieben hier die Moralkeule zu schwingen, aber eine Frage soll erlaubt sein: Will ich den Drogenkonsum (und ich spreche hier nicht von Gras oder ähnlich „leichtem“) eines Menschen – abgesehen von der Qualität der Musik – wirklich unterstützen? Nein, ich glaube nicht. Eine zweite Frage schließt sich an: Wäre Pete Doherty nicht besser in einer Klink als auf der Bühne aufgehoben? Ja, wahrscheinlich. Aber dann wäre das ja alles nicht mehr so toll! Ist doch total cool, wenn Doherty nicht wie geplant um 22 Uhr sondern um 3 Uhr nachts spielt … UND DU WARST DABEI!!!! Oh mein Gott, einfach crazy. Da kann man ja den Kindern später einiges erzählen, was?
Vielleicht ist aber die Aufforderung „Sei Schlau! Bleib Dumm!“ tatsächlich eine gute Idee. Um noch einmal auf Mariah Carey hinzuweisen: Solange es nur um Silikon und Schuhe geht, ist dieser Hinweis tatsächlich sinnvoll. Dummheit beim shoppen und beim sich produzieren lassen kann keinen größeren Schaden anrichten. Richard Patrick und Pete Doherty allerdings sind der beste Beweis dafür, dass man schon einmal darüber nachdenken sollte, was der Künstler eigentlich sonst so mit seinem Geld anstellt und ob das tatsächlich von meinem Geld mitfinanziert werden sollte. Einfach weggucken gilt nicht! Auf der anderen Seite: Vielleicht sollte man gerade solche Künstler in ihrer Meinung weiter bestärken. Vielleicht hätte man Richard Patrick ja soweit bekommen können, dass er sich zum Dienst an der Front in Afghanistan oder im Irak durchgerungen hätte. Dann hätten wir wenigstens unsere Ruhe gehabt. Ein Versuch wäre es wert gewesen.
Kai Wehmeier
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Mixtapes sind eine aussterbende Art. Jedenfalls die Art von Mixtape, die man früher seiner Angebeteten vollgestopft mit subtilen Botschaften auf den Weg gegeben hat oder die Art, die man sich für lange Autofahrten beim Cruisen zu Gemüte geführt. Die Anwendungsgebiete einer herkömmlichen Kassette waren vielfältig. Die CD hat das Aufnehmen von Musik zu einem ziemlich sterilen Vorgang gemacht. Titel zusammengestellt, Rohling in den Brenner gelegt und fünf Minuten später springt auch schon die fertige Compilation aus der Schublade des Rekorders. Da bleibt kein Raum für stundenlanges Aufnehmen in Echtzeit, der peniblen Kontrolle von Tracklängen um zu gewährleisten, dass auch ja kein abgebrochener Track zum Schluss von Seite A oder B drauf ist, dem sorgfältigen Aussuchen von Soundschnipseln, um die ein oder andere Stelle des Ferro-Bands zu füllen und selbstverständlich die Königsdisziplin, der Tracklist. Nichts ist destruktiver für ein Tape als die falsche Reihenfolge der Songs. Gibt es denn überhaupt keine zeitgemäße Rettung für dieses aussterbende Medium?
Vielleicht kommt die Abhilfe in Form von Podcasts daher. Seit einiger Zeit nun erfreuen diese sich zunehmender Beliebtheit in den Wirren des Internets. Vielfach von Radiosendern genutzt, um das Programm weltweit durch die Boxen der Hörer zu jagen, oftmals von selbstdarstellerischen Freaks missbraucht, die den Podcast als ihre Bühne nutzen, setzen sich neben seriösen Informationsangeboten auch immer mehr reine Musikpodcasts durch. Kleine Mixtapes, die über das Internet verteilt werden, um interessante neue Musik in interessierte Ohren zu bringen. Oftmals, mit ähnlich viel Liebe und Arbeit zum Detail wie ein Mixape aufbereitet, stellen diese wirklich zunehmend eine Alternative zu den Kassetten dar. Nun könnten Stimmen aufkommen, die sich fragen, was denn ein Mix, den man mit Millionen Menschen teilt noch mit einem persönlichen Tape, das vielleicht nur für bestimmte Ohren gedacht ist, zu tun hat. Das Gute ist, dass Podcasts ebenso prima auf ihrem Namensgeber dem iPod funktionieren und selbst auf CD gebrannt mehr denn je den Charme eines Mixtapes versprühen.
Und um gleich mal eine kleine Kostprobe an dieser Stelle anzubieten, hier ein feiner Podcast aus dem Bereich Hip-Hop und Indie: http://inoveryourhead.net
Jean-Christophe Bocquier
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„Mann was für ein toller Typ. Den würde ich gern mal kennen lernen. Was für ne Wahnsinns Frau. Wenn ich mit der nur mal allein reden könnte, die hat sicher viel zu erzählen“.
So oder so ähnlich denken sicher viele Fans über ihre Musikidole, aber wollen wir wirklich wissen, wie diese Menschen in Wahrheit sind? Kann man die Musik überhaupt noch so genießen wie vorher, wenn sich plötzlich herausstellt, dass dein Lieblingsgangsterrapper aus einer beschaulichen Reihenhaussiedlung kommt, der Anarchist aus deiner Lieblingspunkband noch bei Mama wohnt und von da aus den Sozialstaat zerschlagen will und der intellektuelle Liedermacher seine Texte von einem Ghostwriter bekommt und am liebsten Bild liest?
Über 50 Cent wurde an dieser Stelle schon schwer hergezogen, so schlecht ist nun er auch nicht, aber eine meiner persönlichen größten Enttäuschungen war es Jam Master Jay in bester HipHop Montur und mit ordentlich BlingBling seinen „Boy“ Fiddy hypen und als seine Entdeckung preisgeben zu sehen. Wo bleibt denn da die consciousness? Oder habe ich in der Vergangenheit was Wichtiges verpasst? Waren Run DMC auch immer nur hinter der Kohle her? Hatte sie aber dabei so viel Style, dass es mir bis zu jenem schwarzen Tag nicht aufgefallen ist? Meine Freunde sagen: JA! Ein klassischer Fall von „von hinten durch die Brust ins Auge“. Na ja, der Werbevertrag mit Adidas hätte mir schon alles sagen sollen, aber auf den Schock hätte ich schon mal getrost verzichten können.
OK, außerhalb des Pop-Zirkuses, bei Leuten die ihre Texte selber schreiben, kann man sicher anhand der Lyrics noch bessere Einblicke in die Psyche und den Charakter des Lieblingskünstlers gewinnen. Bei Leuten, die die Texte lediglich vorgesetzt bekommen ist das schon schwieriger. Da hängt schließlich ein ganzer Rattenschwanz an Imageplanung, Marketing und Stilberatern mit dran. Was aber nun, wenn das unkontrollierbare Übel eintritt? Keine Imageplanung konnte es verhindern, kein Persönlichkeitsdesigner voraussagen und alle beim Plattenlabel hofften es würde nie geschehen: DAS INTELLIGENTE INTERVIEW!
Fragen, die die Stärken und Schwächen des Künstlers bloßlegen und Details ans Tageslicht bringen, von denen der Interviewer nicht mal in seinen feuchtesten, fiebrigsten Träumen zu phantasieren gewagt hätte. Pulitzerpreismaterial!
Aber ist es ein Segen, weil es uns für uns was zu lachen gibt, wenn Jacko Bukarest und Budapest nicht auseinander halten kann oder Fluch, weil es dir das Herz zerreißt, wenn Lauryn Hill sagt, dass „Weiße“ ihre Musik gar nicht hören könnten, und Common meint, dass „gemischtrassige“ Beziehungen echt nicht klargehen?
Das „100 Fragen an Mariah Carey“-Interview der Süddeutschen Zeitung war sicher so ein Prachtexemplar. OK, die Fragen waren mit Sicherheit etwas fies und es wurde darauf abgezielt Ms. Carey nicht nur aus der Reserve zu locken, sondern ihr gleich richtig eine einzuschenken, aber das sind ja schließlich die Situationen in denen sich zeigt, wer was draufhat und wer nicht. Mariah nicht! War aber auch nicht schade drum. Wiederum muss man sich nun eingestehen, dass die Frau dafür bezahlt wird, gut zu singen und nicht, um die Welt mit Witz und Schlagfertigkeit zu versorgen. Dafür müssen endlich „ 100 Fragen an Helge Schneider“ her, der dafür jedoch nicht singen kann. Ein Teufelskreis!
Ich kann mir jedenfalls vorstellen, dass sich der ein oder andere Fan auf das Interview gestürzt hat und hinterher seine Mariah Carey Platten ganz nach hinten ins Regal gelegt hat, um den Schock erstmal zu verdauen.
Oder was passierte nach dem Interview, in dem Morissey sagte, dass Menschen, die nicht vegetarisch leben, ihn anekelten, er nicht mit ihnen an einem Tisch essen könne und lieber Menschenfleisch essen würde als lecker Schnitzel und Currywurst?
Die Vegetarier jubelten, die Veganer und Frutarians hielten ihn für einen inkonsequenten Heuchler und der Schnitzelfreund musste sich eine Träne verkneifen und kommt sich jetzt beim Genuss von „Viva Hate“ oder „Meat Is Murder“ (OK, hier hätte schon ein leichter Verdacht aufkommen müssen) wie ein mieses Stück Dreck vor. Hätte er wirklich wissen müssen oder wollen, dass Herr Morrissey so über ihn denkt?
Und was ist mit Künstlern, die man so richtig aus tiefstem Herzen nicht ausstehen kann?
Wer will schon wissen ob Bryan Adams ein netter Typ ist, wo er doch mit „Summer of ’69“ den für Millionen von Menschen vielleicht miesesten Popsong aller Zeiten verbrochen hat?
Du und deine Freundin kriegt euch öfter mal in die Haare, wenn es um die Musikauswahl im Auto geht? Dann willst du sicher nicht wissen, ob ihr Lieblingskünstler eigentlich ein Herz von Mensch ist, in seiner Freizeit Häuser für Obdachlose baut und kranken Kindern Geschichten im Krankenhaus vorliest. Es ist ja schließlich auch was wert jemanden zu haben, auf den man seinen persönlichen kleinen Hass konzentrieren kann, diesen Bagatellabneigung, von der man selbst nicht genau weiß, woher sie eigentlich kommt.
Die Quintessenz lautet also: Jeder hat sich sein Bild vom Lieblingsstar sowie vom Hassobjekt schon gemacht und wer zum Stalker wird, wird nur mit Dingen bestraft, die er gar nicht wissen wollte.
Also setzt die Scheuklappen auf, holt beruhigt die Mariah Carey Platten wieder aus dem Keller und genießt die Musik. Wenn die Texte und der Beat euch glücklich machen wisst ihr schon genug über den Künstler eurer Wahl.
Thomas Mader
100 Fragen an Mariah Carey:
http://www.sueddeutsche.de/,tt5m2/kultur/artikel/551/68483/
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Der deutsche Raprasen wächst querbeet ausschließlich auf amerikanischem Mist und wo der fehlt, da wächst kein Gras. Ohne Shit, kein Gras. Ohne Gras, kein Rap. Word? Oder gab es nicht doch vor nicht allzu langer Zeit etwas, was man als eine eigenständige deutsche Hip Hop Kultur bezeichnen könnte? Eine Zeit bevor Sido nicht mit Bushido konnte und Eko Fresh aber mit Olli Pocher. Ein Spirit der sich wie ein grünes Band durch das Land zog. Wo Tapes, wohl kurz vor ihrem ökonomischen Ende stehend, wieder zu einem gefragten Medium wurden.Eine Zeit als die weiten Hosen in Deutschland noch nicht allzu lange in Mode waren und Rappen, Graffiti und auch Kiffen eine spannende und noch zu entdeckende urbane Welt für eine neue Kultur, der zu großen Teilen eben nicht städtischen Jugend bildeten. Man war mehr verranzt und kaputt als jiggy, chillte im Park, statt daheim von Mercedes und komfortablen Einfamilienhäusern wie sie 50-Cent hat zu träumen, und „one love“ war mehr als „alle Nutten dieser Welt“ die Kool Savas’ Schwanz lutschen konnten. In allen Städten formierten sich Crews, und selbst wenn man in eine 20 000-Einwohner-Stadt kam, gab es einfach die Jungs (seltener auch Mädels) die rappten oder auch breakten. Auch Skater gehörten damals noch fest in diese Szene. Die Texte der Vorbilder waren anspruchsvoll, wenn auch aus der Retrospektive nicht mehr alle, auf alle Fälle aber für die noch relativ junge deutsche Hip Hop Generation. Immer schwang auch dieser Vibe von einem alternativem Internationalismus mit, fernab von der wirtschaftlichen Globalisierung und oft vielleicht auch fernab der Realität. Authentisch fühlte es sich für die Mehrzahl aber trotzdem irgendwie an. Authentischer jedenfalls als sich das, was einem heute in Deutschland als Hip Hop verkauft wird, anhört. Vorausgesetzt man hört überhaupt noch hin. Viele Leute von früher haben ohnehin umgesattelt und fahren jetzt mehr auf Drum’n Bass, Elektro oder wieder vermehrt ältere Sachen ab, sei es Rap oder die Beatles. Deutschrap jedoch, der sich als Begriff ja ohnehin nie wirklich durchgesetzt hat, wird, wenn man sich so umhört im Bekanntenkreis, immer mehr zur Jugendsünde. Dieser Eindruck wird zum anderen dadurch verstärkt, dass diejenigen Interpreten die das Herz damals im ¾-Takt zum schlagen brachten, heute behaupten, sie hätten ja selber nie deutschen Rap gehört – „nur“ gemacht. Wo kam er her der deutsche Rap? Ja klar, ursprünglich aus Amiland. Allerdings lebte er sich gut ein hier. Zu perfekte Integration, würde man ihm in Berlin wohl vorwerfen. Wo ist er hin der deutsche Rap? Zurück in die Staaten? Nach Berlin? Sind sie Staaten nach Berlin? Er ist kaum wieder zu erkennen. Oder hab ich mich verändert, und mir fällt es erst jetzt auf, weil wir schon so lange nichts mehr von einander gehört haben. Jedenfalls spricht er nicht mehr meine Sprache. Es mag ja sein, dass deutsche Vororte stellenweise, Ähnlichkeiten mit den amerikanischen aufweisen, jedoch sind diese Gemeinsamkeiten verschwindend gering im Vergleich zu den Parallelen der Themen und Ausdrücke die sich in den Tracks wiederfinden. Um Missverständnissen vorzubeugen: Sozialkritischer Rap muss auch sein und ich hab auch nichts gegen ein bisschen destruktiven Rap einer alleingelassenen Minderheitenkultur! Es gibt halt Berlin-Wedding, Hamburg-Wilhelmsburg, Bremen-Tenever, Duisburg-Marxlohe, das ist nicht von der Hand zu weisen. Aber jedem der mir auf das Defizit an Realness und dem Vorwurf der Monotonie, vor allem des gegenwärtigen Hauptstadtraps, mit „Komm doch ins Märkische Viertel oder nach Kreuzberg!“ kommt, kann ich nur entgegensetzen „Komm doch da raus!“. Noch ist Deutschland nicht USA und selbst dort gibt es eine größere Stimmenvielfalt, als derzeit im deutschen Rapsolo mit 10 Backups. Ist Deutschland vielleicht einfach zu klein um verschiedene Entwicklungen ein und derselben Musikrichtung auf einmal zu beherbergen? Oder ist es einfach eine neue Generation die sich eben von der anderen abheben muss wie es die Musikgeschichte schon so oft demonstriert hat. Bin ich nicht offen genug für dieses Neue, das jetzt in den Läden unter das Label „Deutschrap“ geschlüpft ist? Vielleicht tut man dem deutschen Untergrund auch unrecht. Vielleicht gibt es da irgendwo zwischen Abfluss und Kanaldeckel Rap der ins amerikanische übersetzt eher conscious als jiggy wäre. Aber wieso kommt der dann nicht in Turtels-Manier ab und an mal nach oben und schafft bessere Vorbilder für die deutsche Hoodlum-Jugend. Liegt es einfach an den mangelnden Hörern? In der Werbung verliert Sex immer mehr an Wirkungskraft, warum nicht im Rap? OK, man muss zugeben, dass KKS beispielsweise, neben einfach nur provokativ auch teilweise wirklich kreativ war, auch die Beathoven Beats in allen Ehren und Sido… Da haben wir’s wieder. Und mehr seh ich da gerade nicht. Es bleibt dabei: Der immer schon spürbar maßgebende Internationalismus im Deutschrap hat aufgehört zu reflektieren, ja sogar teilweise überhaupt zu übersetzen. Während früher das Motto war „Es ist nicht wo du bist, es ist was du machst!“ (FK), scheint die Frage wo man ist, respektive wo man herkommt inzwischen die einzig entscheidende zu sein. Man ist aus dem Block, oder man hat im diesem Genre einfach nichts verloren. Ich für meinen Teil hab die Message geschluckt und behalte die schönen Erinnerungen, wunder mich freudig darüber, dass es immer noch Leute gibt die gespannt auf das neue Album von Dendemann warten, und bin selber mehr gespannt, was die Zukunft so bringt. Immerhin ist Hip Hop international gesehen die Subkultur, die sich ihren Hype am längsten bewahrt hat und so wird sie sich wohl auch aus der deutschen Flaute nichts machen.Zum Schluss aber trotzdem noch mal für alle die es noch nicht mitbekommen haben oder an diejenigen die alles immer gerne schriftlich und offiziell mögen: Deutschrap ist erstmal tot und wenn noch jemand einen Vers auf seinen Grabstein schriebe, würde ihn das zwar wahrscheinlich auch nicht mehr zurückbringen, mich und wohl viele andere allerdings sehr freuen – wie ein nie gesehenes Foto aus alten Zeiten etwa.
In stillem Gedenken,
Juri Morasch
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